Bahn-Streik Die Wirtschaft wappnet sich

Der für Donnerstag angekündigte Streik der Lokführer dürfte die deutschen Unternehmen teuer zu stehen kommen, errechnet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung. Die betroffenen Unternehmen bereiten sich entsprechend vor.

Berlin - Deutsche Unternehmen müssen sich nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) wegen der angekündigten Streiks der Lokführer auf erhebliche Verluste einstellen.

Komme es zu flächendeckenden Arbeitsniederlegungen bei der Güterbeförderung, "wären durchaus zwei- bis dreistellige Millionenbeträge pro Tag fällig", sagte DIW-Verkehrsexpertin Claudia Kemfert sagte der der "Frankfurter Rundschau".

Dem stimmt man bei Volkswagen zu. Ein Sprecher in Wolfsburg sagte am Dienstag, falls der Streik dafür sorge, dass es in einem VW-Werk zu einem Produktionsausfall komme, würde das Volkswagen täglich Millionen kosten. Dies sei aber derzeit noch nicht absehbar.

Kein Wunder also, wenn die Betriebe entsprechend reagieren. Der Chemiekonzern BASF zum Beispiel will bei einem Streik im Güterverkehr der Deutschen Bahn auf private Anbieter ausweichen. Das Unternehmen verfüge über Alternativen, sagte eine Sprecherin am Stammsitz Ludwigshafen am Dienstag auf Anfrage. So sei die BASF zu 25 Prozent am Eisenbahnunternehmen Rail4chem beteiligt. Die BASF wickelt etwa ein Drittel des Güterverkehrs von und zum Standort Ludwigshafen über die Schiene ab. "Der größte Teil läuft über private Anbieter", sagte die Sprecherin. Die konkreten Auswirkungen eines Streiks ließen sich erst benennen, wenn die Einzelheiten klar seien.

Die privaten Bahnunternehmen ihrerseits prüfen wegen des angekündigten Streiks Regressforderungen gegen die Lokführergewerkschaft GDL. " Sind die Schienen blockiert, können auch wir nicht fahren", sagte der Geschäftsführer des Netzwerks Privatbahnen, Arthur-Iren Martini, dem "Tagesspiegel".

Kleine Unternehmen seien deshalb in ihrer Existenz bedroht. Das Netzwerk vertritt nach eigenen Angaben 23 Firmen, darunter überwiegend Güterverkehrsunternehmen. Mehr Aufträge durch den Streik erhoffen sich dagegen die Lkw-Spediteure: "Wenn die Nachfrage durch den Streik bei der Bahn noch steigt, wird das helfen, die Preise mal nach oben zu drücken", zitierte die Zeitung Frank Wylezol, Geschäftsführer beim Hamburger Verband Straßengüterverkehr und Logistik. Die Transportpreise könnten im deutlich einstelligen Prozentbereich steigen.

"Erhebliche Beeinträchtigungen"

"Erhebliche Beeinträchtigungen"

Während Betriebe der Nahrungsmittelbranche im Notfall noch auf Lkw umsteigen könnten, seien insbesondere die Stahlhersteller und Metallverarbeiter "stark auf die Bahn angewiesen". Müsse die Produktion gestoppt werden, könnten sehr schnell hohe Kosten anfallen.

Der zweitgrößte deutsche Stahlhersteller Salzgitter erwartet von einem längeren Bahnstreik erhebliche Beeinträchtigungen. Das Verkehrsaufkommen der Bahn für die Stahlindustrie sei gewaltig, sagte ein Konzernsprecher am Dienstag. "Störungen im Bahnverkehr haben eine bedeutende Auswirkung." Salzgitter habe Pufferlager, um die Produktion sicherzustellen. Für eine lang anhaltende Störungsperiode reiche das aber nicht.

Der Lokführer-Streik bei der Bahn soll an diesem Donnerstag im Güterverkehr beginnen. Dies dürfte auch zu Verspätungen bei Personenzügen führen, wie die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) einräumte. Große Unternehmen befürchten bereits Auswirkungen auf die Produktion. Bei einer längeren Blockade könne es Engpässe bei der Rohstoffversorgung geben, hatte der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) mitgeteilt.

BME-Verbandsgeschäftsführer Holger Hildebrandt sagte, die meisten Unternehmen könnten einen Streik von ein bis zwei Tagen überbrücken. "Danach wird sich der Versorgungsengpass auf die Produktivität auswirken." Ein Sprecher der Salzgitter AG betonte: "Für die Stahlindustrie ist das Verkehrsaufkommen, das wir mit der Bahn haben, gewaltig."

"Überzogene Forderungen"

Die GDL hatte den Streikbeginn nach Auszählung der Urabstimmung mit 95,8 Prozent Ja-Stimmen am Montag angekündigt. Sie fordert einen eigenständigen Tarifvertrag für die Lokführer und 31 Prozent mehr Geld. Die Bahn kritisierte den Arbeitskampf scharf und lehnte es ab, einem Ultimatum für ein neues Tarifangebot bis Dienstagabend nachzukommen.

DIW-Expertin Kemfert warf der Gewerkschaft "völlig überzogene Forderungen" vor. Nach Berechnungen des DIW wäre alles, was über ein Plus von 7 Prozent hinausgehen würde, gefährlich. Auch die GDL könne kein Interesse daran haben, dass die Bahn wegen überhöhter Tarifforderungen demnächst bis zu 1500 Arbeitsplätze pro Jahr abbauen müsste.

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) forderte beide Tarifparteien erneut zu Kompromissbereitschaft auf. Eine Lösung sei nur möglich, "wenn Extrempositionen verlassen werden", sagte er der "Saarbrücker Zeitung".

manager-magazin.de mit Material von ap und dpa

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