Tarifkonflikt Bahn-Streik beginnt am Donnerstag

Nach ihrer Urabstimmung will die Lokführergewerkschaft GDL ab Donnerstag bundesweit streiken. Zunächst ist der Güterverkehr betroffen. Die Bahn AG hatte zuvor ein Ultimatum der GDL abgelehnt. Urlauber müssen damit rechnen, dass es noch in dieser Woche auch im Personenverkehr zu erheblichen Behinderungen kommt.

Berlin - Einen Termin für die angedrohten Streiks im Personenverkehr gab die GDL allerdings noch nicht bekannt. Die Bahn will einen eingeschränkten Zugbetrieb sichern. Große Unternehmen befürchten erhebliche negativen Folgen.

Die GDL kündigte den Streikbeginn am Montag nach Auszählung einer Urabstimmung mit 95,8 Prozent Ja-Stimmen an. Sie fordert einen eigenständigen Tarifvertrag für die Lokführer und deutlich mehr Geld. Bis Dienstag sollte die Bahn AG ein neues Angebot vorlegen. Die Bahn wies das Ultimatum zurück und lehnte es ab, ein neues Angebot vorzulegen.

Der GDL-Vorsitzende Manfred Schell sagte, der genaue Beginn und das Ende des Streiks im Güterverkehr würden erst kurzfristig bekanntgegeben, damit die Bahn keine Vorkehrungen treffen könne. "Wir hoffen, dass wir den Arbeitgeber mit diesem zeitlich befristeten Streik noch zur Räson bringen", fügte er nach einer Sitzung des Vorstandes mit den GDL-Bezirksleitern hinzu.

Die GDL will mit dem Arbeitskampf einen eigenen Tarifvertrag für Lokführer, Zugbegleiter und Bordservicemitarbeiter und Einkommenserhöhungen von 31 Prozent durchsetzen. Die Gewerkschaft warf der Bahn vor, den Streik provoziert zu haben, weil sie die Vorlage eines neuen Angebots bis Dienstagabend abgelehnt habe. Bahn- Personalvorstand Margret Suckale hatte zuvor gesagt, man werde das bis Dienstag um 18.00 Uhr gestellte "Ultimatum" der GDL verstreichen lassen.

Bahn-Logistik-Vorstand Norbert Bensel sagte: "Wir werden alles tun, um die Auswirkungen für unsere Kunden so gering wie möglich zu halten." Ein Leitstand der Güterbahn Railion werde versuchen, dem Streik gegenzusteuern. Die Kunden würden per E-Mail auf dem Laufenden gehalten. Bensel betonte, es sei der Bahn "ganz wichtig, dass auch im Streikfall die Versorgung zum Beispiel von Kraftwerken, Autofabriken, Seehäfen und anderen wichtigen Einrichtungen gesichert bleibt".

Bahn plant Einsatz von Beamten

Industrie betroffen

Vertreter der Industrie zeigten sich verärgert. Ein Sprecher der Salzgitter AG  sagte: "Für die Stahlindustrie ist das Verkehrsaufkommen, das wir mit der Bahn haben, gewaltig." Auch den Autobauer Volkswagen  würde ein Arbeitskampf treffen. "Wir nehmen den Streik mehr als ernst", sagte ein Sprecher.

Im Personenverkehr will die GDL die Fahrgäste 24 Stunden vorher über ihre Pläne informieren. Die Bahn wiederum trotz des erwarteten Streiks einen "eingeschränkten Verkehr" sichern. So sollen im Falle eines Ausstand auch bei den Personenzügen alle ICE-Linien bundesweit fahren sowie einzelne IC-Linien und mindestens die Hälfte des Nahverkehrsangebots.

Bahn plant Einsatz von Beamten

"Wir wollen Dienstpläne so umstellen, dass streikwillige Lokführer dann eben keinen Dienst haben." Die Dienstpläne, über die man auch mit den Betriebsräten im Gespräch sei, könnten in weniger als 24 Stunden aktiviert werden. Zudem sollten Beamte eingesetzt werden, die nicht streiken dürfen.

Geplant sei, alle ICE-Linien bundesweit aufrechtzuerhalten, die aber in ausgedünnten Takten fahren könnten. Insgesamt solle etwa 60 Prozent des Angebots im Fernverkehr gefahren werden. Trotz Streiks rollen sollen der Betrieb auf wichtigen IC-Linien, vor allem aus Norddeutschland über das Ruhrgebiet in den Süden. Autozüge und Nachtzüge sollen nicht von Streiks betroffen sein.

Die Bahn lehnt die 31-Prozent-Forderung der Gewerkschaft, die eine Anhebung des Einstiegsgehaltes auf 2500 Euro bedeuten würde, ab. Die Bahn hat bereits einen Tarifvertrag mit den anderen Bahngewerkschaften Transnet und GDBA abgeschlossen. Darin sind Einkommenserhöhungen von 4,5 Prozent und eine Einmalzahlung von 600 Euro vereinbart. Diesen lehnt jedoch die GDL ab.

manager-magazin.de mit Material von dpa