Insolvenzverwalter Schieder wird aufgelöst

Der Insolvenzverwalter des Möbelherstellers Schieder will die Gruppe in Einzelteilen verkaufen. Bis Ende September soll der Handel abgeschlossen sein. Von einer Zerschlagung will man im Konzern nicht sprechen.

Schieder-Schwalenberg - Die Zeit für die insolvente Schieder-Gruppe ist abgelaufen: Die Konzerntöchter des bisher größten europäischen Möbelherstellers in Österreich und der Schweiz mit rund 3500 Mitarbeitern sollten verkauft werden, berichtete das "Handelsblatt" (Montag) unter Berufung auf Insolvenzverwalter Sven-Holger Undritz. "Ich gehe davon aus, dass wir diesen Teil bis Ende September in neue Hände geben können", sagte Undritz.

Schieder-Sprecher Wolfgang Weber-Thedy bestätigte: "Die Gruppe wird am Ende nicht mehr existieren. Das heißt aber nicht, dass wir überall jetzt die Stecker rausziehen." Es sei keine Zerschlagung, betonte er. "Die Unternehmen werden fitgemacht."

Derzeit liefen Verkaufsverhandlungen mit "vielen Interessenten", sagte Weber-Thedy weiter. Es gebe auch Interessenten, die sich die gesamte Gruppe ansähen. Undritz äußerte sich überzeugt, für die in der Internationalen Möbel Selection (IMS) und der Schieder Europa Holding (SEH) gebündelten Unternehmen einen "sehr anständigen Kaufpreis" erzielen zu können. Die Unternehmen, befinden sich selbst nicht in Insolvenz, gehören aber mit zur Insolvenzmasse.

Mit dem Verkaufserlös solle der Überbrückungskredit über 65 Millionen Euro, den die Bank of New York im April gewährt hatte, abgelöst werden, sagte Weber-Thedy. Die Geldgeber hatten für die Zwischenfinanzierung des mit rund 400 Millionen Euro verschuldeten Unternehmens auf Sicherungsübereignungen bestanden. Ziel war die Rettung des Konzerns vor der Insolvenz. Danach wurde bekannt, dass Schieder-Manager mit geschönten Bilanzen Kredite und Genussscheine von 283 Millionen Euro erschlichen haben sollen. Von ursprünglich vier sitzen noch zwei Ex-Manager in Untersuchungshaft, darunter Schieder-Gründer Rolf Demuth.

Als nächsten Schritt will Undritz dem Zeitungsbericht zufolge die deutschen Aktivitäten inklusive des Stammsitzes im lippischen Schieder-Schwalenberg verkaufen. Weber-Thedy betonte, am Stammsitz solle die Produktion von Möbeln beibehalten werden, eine Sanierung sei vorgesehen.

Der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Detmold, Reinhard Seiler, sagte, "ich bin sehr erstaunt darüber, dass der Konzern zerschlagen werden soll". Am kommenden Montag solle auf einer Betriebsversammlung in Schieder ein Sanierungskonzept vorgestellt werden, danach folge der Einstieg in die Verhandlungen. Es gebe Übereinstimmung, eine Fortführungslösung zu finden. Informationen zu künftigen Mitarbeiterzahlen habe er nicht. Der Möbelhersteller beschäftigte bislang in Deutschland rund 1300 Mitarbeiter, weltweit waren es 11.000.

manager-magazin.de mit Material von dpa