Tarifkonflikt Bahn bleibt hart - Streik scheint unausweichlich

Die Deutsche Bahn steht mitten in der Urlaubszeit vor dem größten Streik seit 15 Jahren. In einer Urabstimmung votierte die Lokführergewerkschaft GDL mit knapp 96 Prozent der Stimmen für den Arbeitskampf. Die GDL erwartet ein neues Angebot der Bahn bis Dienstagabend - doch diese lehnte umgehend ab.

Berlin/Hamburg - Die Gewerkschaft forderte die Bahn auf, bis Dienstag 18.00 Uhr ein neues Angebot vorzulegen. Bis dahin werde es keine Streiks geben. Auch während möglicher Verhandlungen werde nicht gestreikt. Alle Arbeitskämpfe sollen zudem 24 Stunden vorher angekündigt werden.

Die Deutsche Bahn will der GDL jedoch vorerst kein neues Angebot vorlegen. Das Ultimatum der GDL bis Dienstag, 18.00 Uhr, werde man verstreichen lassen, sagte Personalvorstand Margret Suckale am Montag vor Journalisten in Berlin. Damit dürfte ein Streik bei der Bahn in dieser Woche nicht mehr zu vermeiden sein.

Die GDL will mit Streiks zunächst im Güterverkehr beginnen. Denkbar seien Arbeitsniederlegungen im Güterverkehr von zwei bis drei Stunden, sagte GDL-Chef Manfred Schell nach Bekanntgabe des Ergebnisses der Urabstimmung am Montag in Frankfurt.

Danach könnten die Streiks auf den Personenverkehr übergehen. Wann die Streiks konkret beginnen sollten, werde noch entschieden. Die Bahnkunden würden aber wie bisher 24 Stunden vorher gewarnt.

Streiks zunächst im Güterverkehr

Die Bahn steht damit vor dem größten Streik seit 15 Jahren. Millionen Fahrgäste dürften festsitzen, falls die Lokführer ihre Drohung wahrmachen und den Zugverkehr bundesweit weitgehend zum Erliegen bringen. Ein Sprecher der GDL betonte, die Streikkassen der Gewerkschaft seien gut gefüllt.

Die Gewerkschaft will mit dem Ausstand ihre Forderung nach einem eigenen Tarifvertrag und mehr Gehalt durchsetzen. Die Urabstimmung hatte am Sonntag geendet. Am Montag wurden die Stimmen in Frankfurt ausgezählt.

Die Gewerkschaft will einen eigenen Tarifvertrag für das Fahrpersonal und Einkommenserhöhungen von 31 Prozent durchsetzen.

Notfallpläne mit beamteten Lokführern

Bahnchef Hartmut Mehdorn hat eine harte Linie für den Arbeitskampf angekündigt. Mit Notfallplänen und dem Einsatz beamteter Lokführer will die Bahn die Auswirkungen des Ausstands in Grenzen halten. Wirtschaftsverbände und Verbraucherschützer hatten die Streikpläne im Vorfeld kritisiert und vor negativen Konsequenzen für die Konjunktur und Millionen Fahrgäste gewarnt.

Eine Arbeitsniederlegung bei der Deutschen Bahn schade der Wirtschaft und dem Ansehen Deutschlands, sagte Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) der "Bild am Sonntag". "So macht man sich keine Freunde", meint der Politiker.

Die Bahn rechne von Mittwoch an mit einem langen, bundesweiten Streik, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Bahn-Kreise.

Betroffen wären bis zu 28.000 Personen- und 4780 Güterzüge am Tag und damit rund fünf Millionen Bahnkunden (4,7 Millionen im Nahverkehr, 330.000 in IC und ICE). Dazu kämen 170 internationale Züge.

Um einen Teil des Zugverkehrs aufrechtzuerhalten, habe die Bahn einen Notfallplan aufgestellt, schreibt das Blatt. Die Bahn wolle bei einem Streik die 8000 beamteten Lokführer einsetzen. Sogar Verwaltungsmitarbeiter mit Lokführerschein sollen auf wichtigen Strecken aushelfen. Busse sollen eingesetzt werden - vor allem im Nahverkehr, aber auch, um Urlauber an deutschen Grenzbahnhöfen abzuholen.

manager-magazin.de mit Material von ap, dpa und reuters