Daimler Chrysler-Verkauf perfekt

Das Ende der transatlantischen Allianz von Daimler und Chrysler ist besiegelt. Finanzinvestor Cerberus übernimmt für 7,4 Milliarden Dollar 80,1 Prozent der Anteile an dem US-Autohersteller. Die Kreditkrise in Amerika hat allerdings hohen Tribut gefordert. Daimler übernimmt ein Kreditrisiko in Milliardenhöhe, das nicht geplant war.

Stuttgart - DaimlerChrysler  hat am Freitag die Transaktion zur Abgabe der Mehrheit an der US-Sparte Chrysler an den Finanzinvestor Cerberus abgeschlossen. Das gab der Autobauer in einer Pflichtmitteilung für die Börse am späten Nachmittag bekannt.

Angesichts der Krise am US-Hypothekenmarkt war in den vergangenen Tagen immer wieder über Schwierigkeiten bei der Finanzierung des Milliardendeals berichtet worden. Die von Cerberus beauftragten Investmentbanken hatten mehrfach vergeblich versucht, eine Chrysler-Schuldverschreibung am Kapitalmarkt zu platzieren und auf diese Weise einen Teil des Deals zu finanzieren.

Die Konditionen und die wirtschaftlichen Auswirkungen seien im Wesentlichen gegenüber dem Vertragsabschluss am 14. Mai 2007 unverändert geblieben. DaimlerChrysler werde wie geplant einen Anteil von 19,9 Prozent an dem amerikanischen Autobauer behalten.

Daimler muss tief in die Tasche greifen

Darüber hinaus haben DaimlerChrysler und Cerberus vor dem Hintergrund der sehr volatilen US-Kreditmärkte vereinbart, zur Finanzierung der mehrheitlichen Übernahme von Chrysler durch Cerberus mehr Risiken in ihre Bücher zu nehmen, als ursprünglich geplant war.

Beide Unternehmen werden dem Industriegeschäft der Chrysler Group eine nachrangige Kreditlinie mit einem Volumen von zwei Milliarden Dollar zur Verfügung stellen, die innerhalb eines Jahres zu ziehen ist, hieß es. Auf DaimlerChrysler entfalle dabei ein Anteil von 1,5 Milliarden Dollar. Der Kredit wird zu marktüblichen Konditionen verzinst. DaimlerChrysler hat das Recht, diesen Kredit nach Ablauf eines Jahres ab dem Zeitpunkt des Closings jederzeit am Kreditmarkt zu veräußern. Die Laufzeit des Kredits beträgt sieben Jahre.

Vorstand verkleinert

LaSorda, Ridenour und Sidlik verlassen Vorstand

Der Stuttgarter Autokonzern, der damit sein neun Jahre währendes Engagement als alleiniger Chrysler-Eigner abschließt, erklärte hierzu: "Mit der Unterstützung der Finanzierung setzt DaimlerChrysler ein klares Zeichen seiner Entschlossenheit, Chrysler unter der Mehrheit von Cerberus einen guten Start als erfolgreiches, selbstständiges Automobilunternehmen zu ermöglichen."

Der Vorstand der DaimlerChrysler AG verkleinert sich wie erwartet mit sofortiger Wirkung auf sechs Mitglieder. Tom LaSorda, Eric Ridenour und Tom Sidlik verlassen den Konzernvorstand, Bodo Uebber übernimmt zusätzlich die Verantwortung für den Einkauf.

"Mit dem heutigen Tag beginnt ein neues Kapitel in unserer Unternehmensgeschichte. Auf der Basis klar definierter Strategien in unseren Geschäftsfeldern Mercedes Car Group, Truck Group, Financial Services und für Busse und Transporter sowie einer gesunden Bilanz haben wir allen Grund, mit Zuversicht in die Zukunft zu schauen", sagte DaimlerChrysler-Vorstandschef Dieter Zetsche.

Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 4. Oktober sollen die Aktionäre von DaimlerChrysler der Umbenennung des Unternehmens in Daimler AG zustimmen. Die Auswirkungen auf den Konzernabschluss für das Jahr 2007 will der Vorstandschef am 29. August näher erklären - die Trennung wird den Konzern im laufenden Jahr netto mit drei bis vier Milliarden Euro belasten.

Chrysler hatte im ersten Quartal des Jahres fast zwei Milliarden Dollar vor Zinsen und Steuern Verlust eingefahren. Cerberus-Chef Tom Snow sagte am Freitag, dass die Übernahme den Autobauer von dem Druck befreien werde, alle drei Monate eine Bilanz vorzulegen. Es wird keine Chrysler-Aktien mehr geben.

Cerberus hat zugesagt, 6,1 Milliarden Dollar in Chrysler und sein Finanzdienstleistungsgeschäft zu investieren. 1,4 Milliarden Dollar überweist der Investor nach Stuttgart.

manager-magazin.de mit Material von ap, dpa