Umbau Unilever streicht 20.000 Stellen

Der britisch-niederländische Konsumgüterkonzern Unilever wächst kräftig und liefert gute Zahlen. Gleichwohl will das Unternehmen in den kommenden vier Jahren 20.000 Stellen streichen – damit ist jeder zehnte Arbeitsplatz in Gefahr. Die Mitarbeiter sind empört, die Aktie zieht kräftig an.

London - Der Magnum-Eis-Hersteller Unilever  teilte am Donnerstag mit, vor allem Stellen in Europa seien von den Einsparungen betroffen. Weitere Details - etwa ob auch einige der 6800 Jobs in Deutschland wackeln - wollte die Nummer drei der Branche nicht nennen.

Von seinen insgesamt 300 Produktionsstätten will Unilever im Rahmen des Umbauprogramms 50 schließen oder rationalisieren. Der Europäische Betriebsrat kritisierte, der angekündigte Stellenabbau gehe weit über das mit dem Management Besprochene hinaus. "Wir werden um jede Fabrik und jeden einzelnen Arbeitsplatz kämpfen", heißt es in einem Rundschreiben an die Mitarbeiter, das manager-magazin.de vorliegt. Unilever habe keine Probleme an den Produktionsstandorten, sondern in den "aufgeblähten und schwerfälligen Konzernzentralen in London und Rotterdam".

Wichtigste Standorte in Deutschland sind Heilbronn, Heppenheim, Ansbach und Mannheim. Zur riesigen Unilever-Produktpalette gehören auch Brotaufstriche wie Rama und Lätta sowie Axe-Deos und Knorr-Suppen.

Für das Frühjahr meldete Unilever einen Wachstumsschub: Der Quartalsumsatz stieg überraschend deutlich auf 10,53 Milliarden Euro. Abgesehen von Währungsschwankungen und anderen Sonderfaktoren wuchs der Konzern damit innerhalb eines Jahres um fast 6 Prozent. Auch den Gewinn konnte Unilever in die Höhe schrauben: Netto verdiente die Firma im Frühjahr mit 1,2 Milliarden Euro etwa ein Sechstel mehr als vor einem Jahr.

Asien wächst rasant, Deutschland ist Sorgenkind

Besonders rasant liefen die Geschäfte im abgelaufenen Quartal in Asien, wo Unilever über 10 Prozent mehr verkaufte. Angesichts der hiesigen Konsumschwäche ist Deutschland dagegen bislang eher ein Sorgenkind von Unilever. Doch auch hierzulande machte das Unternehmen erste Anzeichen für eine Besserung aus.

Angesichts des guten Geschäfts im Frühjahr peilt der Konzern nun auch im Gesamtjahr etwas höhere Verkäufe an als bislang geplant. Angepeilt ist ein Zuwachs am oberen Ende der Zielspanne von drei bis fünf Prozent. Den rasanten Preisanstieg bei Milchprodukten will Unilever auch durch den Verkauf von weniger gewinnträchtigen Sparten bekämpfen.

Aktie zieht kräftig an

Börsianer reagierten erfreut auf den Geschäftsverlauf: Die Aktie von Unilever  kletterte schon vor der Ankündigung der Stellenstreichungen um knapp 6 Prozent. Das gute Geschäftsergebnis schürte an der Börse Hoffnungen, dass der Konzern nach zwei schwächeren Jahren genau so schnell wachsen kann wie seine Konkurrenten Nestlé  aus der Schweiz und der US-Gigant Procter & Gamble .

manager-magazin.de mit Material von reuters