Deutsche Verbraucher Ehrentitel verloren

Einzelhändler haben es in Deutschland nicht leicht: Die Bundesbürger tippen vielfach richtig, ob Angebote wirklich günstig sind. Ihren inoffiziellen Titel als Pfennigfuchser Europas müssen die Deutschen allerdings abtreten. Franzosen und Briten sind anscheinend noch preisbewusster als die Verbraucher hierzulande.
Von Karsten Stumm

Hamburg - Deutschlands Verbraucher haben ein gutes Gespür für Angebote. Nach einer Untersuchung der internationalen Strategieberatung OC&C schätzen Käufer hierzulande in 68 Prozent aller getesteten Fälle richtig ein, ob Ware tatsächlich preiswert angeboten wird oder nicht.

In Branchen mit hohem Anteil an Marken und direkt vergleichbaren Artikeln sei die Treffgenauigkeit des Kunden besonders hoch. So seien Kunden hierzulande in der Lage, das Preisniveau in einem Unterhaltungselektronikgeschäft mit 3,3 Prozent Abweichung zu schätzen, in Parfümerie- und Lebensmittelläden wichen sie sogar im Schnitt nur um 1,8 Prozent ab.

In Branchen, in denen die Produkte aufgrund unterschiedlicher Qualitäten und Modegrade deutlich schwerer miteinander vergleichbar sind, fällt die Trefferquote allerdings schlechter aus: Bei den Preisen für Schuhe und Textilien liegen die Bundesbürger mit ihren Preistipps um 28,5 Prozent sowie 23,5 Prozent daneben. Das allerdings kann das Gesamtergebnis kaum trüben. Im Schnitt verschätzen sich die Deutschen beim Preis nur um 12,5 Prozent.

Damit allerdings nehmen die Deutschen nicht die Spitzenposition unter den Pfennigfuchsernationen Europas ein. In Ländern wie Großbritannien und Frankreich, in denen Händler weniger stark mit Preisen für ihre Waren Reklame machten, ließen sich Verbraucher noch weniger als hierzulande beim Preis übertölpeln. Dort verschätzen sich die Kunden im Schnitt nur um 7,5 sowie 8,4 Prozent.

Preisschwächen offenbarten die Bundesbürgern den emsigen OC&C-Interviewern vor allem in den unteren Preisregionen. Wenn sich die Verbraucher in Deutschland in die Irre führen ließen, dann schätzten sie die Preise nach Angaben von OC&C vor allem niedriger ein als sie tatsächlich waren. "Das ist eine Auswirkung der aggressiven Preiskämpfe und Rabattschlachten in Deutschland. Diese haben das Gefühl für die echten Preise beim Verbraucher stark verzerrt", sagt OC&C-Experte Christian Ziegfeld.

Als besonders günstig gelten vielen Verbrauchern offenbar die Plus- und Media-Markt-Läden, obwohl Konkurrenten nicht selten noch bessere Angebote hätten, ermittelten die OC&C-Experten.