RWE Kleine Rochade

Die Anteile vieler Städte und Gemeinden an dem Energieunternehmen RWE könnten in einem Fonds gebündelt werden. Die Kommunen würden mit dem Verkaufserlös an den Fonds ihren Schuldenstand senken, gleichzeitig müsste der Konzern keine fremden Aktionäre aufnehmen.

Düsseldorf - Die nordrhein-westfälische Landesregierung erwägt nach Angaben aus Regierungskreisen die Einrichtung eines Fonds zur Übernahme der Anteile, die Städte und Gemeinden an RWE  halten. "Wir prüfen das", hieß es am Mittwoch in den Kreisen. Der Fonds könne von der staatlichen NRW-Bank aufgelegt werden.

Die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" berichtete vorab, es gebe Überlegungen für einen entsprechenden Wechsel in der Eigentümerstruktur von RWE. Die kommunalen Anteilseigner halten rund 30 Prozent an dem Versorger und gelten als Bollwerk gegen eine feindliche Übernahme.

"Wir haben bislang keine offizielle Anfrage", sagte ein Sprecher der NRW-Bank. RWE erklärte, der Konzern kommentiere das Verhalten seiner Aktionäre nicht. In den vergangene Monaten war immer wieder berichtet worden, dass sich einzelne Kommunen von ihren Anteilen an dem nach Eon  zweitgrößten deutschen Versorger trennen wollten. Die Stadt Düsseldorf hat bereits angekündigt, ihre Beteiligung zu verkaufen.

RWE wollte das Verhalten seiner Aktionäre gegenüber manager-magazin.de nicht kommentieren.

Größere Anteile halten auch Essen, Dortmund und Mülheim an der Ruhr, die auch im Aufsichtsrat des Energiekonzerns vertreten sind. Die vielfach unter Finanznot leidenden Kommunen könnten sich bei einer Umsetzung des Modells von ihren Anteilen trennen, aber gleichzeitig weiter Erträge aus dem Fonds einstreichen, hieß es in den Kreisen. Zudem gehe es bei RWE auch um den Energiesektor als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge. RWE ist seit Monaten immer wieder Ziel von Übernahmespekulationen.

Als ein möglicher Interessent wurde der russische Gasmonopolist Gazprom  genannt. Dieser hatte zurückgewiesen, bei RWE einsteigen zu wollen. Vor wenigen Monaten war der französische Energieriese Electricité de France  als möglicher Angreifer ins Spiel gebracht worden. RWE hatte erklärt, keine Anzeichen für eine geplante Übernahme zu haben.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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