Hypothekenkrise Schwelende Gefahr

Die Krise am US-Hypothekenmarkt bringt weltweit Finanzhäuser in Schwierigkeiten. Von Amerika bis Australien häufen sich Schieflagen. Die Kurse an den Börsen sinken, Investoren schichten ihr Kapital in weniger riskante Anlageformen um.

New York – Die Kreditkrise in Amerika zieht Kreise. Der US-Baufinanzierer American Home Mortgage Investment räumte ein, vor der Pleite zu stehen und selbst keine Kredite mehr zu bekommen. Insgesamt fehlten dem Haus rund 800 Millionen Dollar, hieß es. Das Institut, dessen Aktienkurs nach der Mitteilung um rund 90 Prozent eingebrochen ist, gehört zu den großen Hypotheken-Anbietern in den USA und hat seine Darlehen vor allem an Kunden mit höherer Kreditwürdigkeit vergeben.

Probleme scheint auch die australische Großbank Macquarie Bank  bekommen zu haben: Das Management warnte vor Verlusten von bis zu 25 Prozent bei zwei Fonds des Hauses. Die hätten zwar eigentlich keine direkte Verbindung zum krisengeschüttelten US-Markt für zweitklassig besicherte Darlehen. Die Verluste könnten sich aber dennoch auf etwa 255 Millionen Dollar summieren, teilte Macquarie mit.

Auslöser der Verunsicherung in Deutschland war die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB , die sich am US-Markt für zweitklassige Darlehen unter Umständen ebenfalls verhoben haben könnte. Die bundeseigene Förderbank KfW als Hauptaktionär der IKB hat der Bank deshalb vorsichtshalber eine Kreditlinie von 8,1 Milliarden Euro eingeräumt, um das rechnerisch mögliche Risiko auszugelichen. Experten warnen gleichwohl vor Panikmache: "Die meisten deutschen Banken sind gut aufgestellt und können mit einer Krise, die sich nicht dramatisch ausweitet, umgehen", sagte Thomas von Lüpke von der Ratingagentur Fitch. Das Bundesfinanzministerium sieht nach eigenen Angaben keine Gefahr für den heimischen Bankenmarkt.

Die Deutsche Bank  beispielsweise gibt sich gelassen. Zwar werde die Unsicherheit an den Märkten kurzfristig anhalten, sagte Bankchef Josef Ackermann. Der deutsche Branchenprimus sei aber in der Lage, auch unter schwierigen Bedingungen erfolgreich zu sein. Zuletzt hat das gestimmt: Die Bank meldete heute einen Gewinnsprung im zweiten Quartal um fast ein Drittel verglichen mit der entsprechenden Vorjahresperiode auf 1,78 Milliarden Euro. Beim Geschäft mit Anleihen und Derivaten habe die Bank so gut abgeschnitten wie nie in einem zweiten Quartal ab.

Die Commerzbank  kalkulierte zuletzt mit einer Belastung von 80 Millionen Euro. Bei einem erwarteten Jahresgewinn von rund 1,5 Milliarden Euro könnte die zweitgrößte deutsche Bank dies leicht wegstecken. Auch die Allianz  beruhigte jüngst ihre Anleger: Das Engagements des Versicherers in Kreditderivaten liege im Promillebereich. Für einen möglichen Derivateausfall sei eine Vorsorge von 70 Millionen Euro getroffen worden.

Steigende Zinsen und fallende Häuserpreise haben in den USA nach jahrelangem Boom die Ausfallraten bei Baufinanzierungen steigen lassen. Diese Kredite wurden an Banken über Derivate sowie Hedgefonds weitergereicht, so dass heute niemand weiß, wo die Risiken liegen. Rund 50 Häuser sind inzwischen pleite oder wurden verkauft. Die US-Investmentbank Bear Stearns musste in dieser Woche bereits ihren dritten Fonds schließen, weil wegen verunsicherter Investoren ein Ausverkauf drohte. Bislang beschränkte sich die Krise auf Institute, die sich auf Schuldner mit niedriger Bonität konzentriert haben. Dies ist bei American Home jedoch nicht der Fall.

"Genau das steigert die Sorgen für den gesamten Hypothekenmarkt, weil American Home nun wirklich rein gar nichts mit zweitklassigen Krediten zu tun hatte", sagte Portfolio-Manager Sam Rahman von Baring Asset Management.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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