WestLB Erster Schritt zum Umbau

Wachwechsel am Rhein: Seit Donnerstag führt Alexander Stuhlmann die Geschäfte der WestLB. Experten halten dies für den ersten Schritt, um die Eigenständigkeit der Düsseldorfer zu beenden. Das durch Fehlspekulationen aus der Balance gekommene Institut könne nur mit einem starken Partner bestehen. Für diese Rolle kommt nicht nur die LBBW in Frage.
Von Kai Lange und Arne Stuhr

Hamburg - Der Führungswechsel in Düsseldorf ist nicht nur die Konsequenz mangelnder Risikokontrolle und millionenschwerer Fehlspekulationen im Eigenhandel. Es geht auch um das künftige Geschäftsmodell der WestLB, die sich nach dem Wegfall der staatlichen Ausfallgarantien wie alle anderen Landesbanken neu ausrichten muss.

Im Vergleich zur Konkurrenz sei die WestLB zu stark auf das volatilere Investmentbanking konzentriert, angesichts der zu geringen Kundenbasis. So lautet das Ergebnis einer Studie der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P). Um sich breiter aufzustellen und Risiken wie Kosten zu reduzieren, käme daher eine Partnerschaft mit einer anderen Landesbank in Frage.

Der Umbau der WestLB sei komplizierter als bei anderen Landesbanken, erläutert S&P-Analyst Stefan Best. Das Düsseldorfer Kreditinstitut müsse seine starke Abhängigkeit vom Investmentbanking verringern und zusätzliche, stabilere Ertragsquellen aufbauen. Die WestLB verfüge zwar über ein weltweites Netzwerk sowie Expertise im internationalen Investmentbanking, sei aber insgesamt zu klein, um daraus dauerhaft hohe Erträge zu erzielen.

Das Vorhaben, aus eigener Kraft neue Geschäftsbereiche zu erschließen, habe sich als schwierig erwiesen: Aus diesem Grund sei ein Partnerschaftsmodell mit einer anderen Landesbank eine Option für die Zukunft.

"Die WestLB kann ihre Zentralbankfunktion und Expertise im Investmentbanking sowie internationale Präsenz bieten", sagt Best. Damit sei sie als Partner für Landesbanken interessant, die in diesem wachsenden und ertragsstarken Geschäftsbereich Nachholbedarf haben.

Als Interessent kommt nach Ansicht von Best vor allem die Landesbank Baden- Württemberg (LBBW) in Frage. "Durch einen Zukauf könnte sich die LBBW als größte Landesbank positionieren, die mehr als 50 Prozent des öffentlichen Sektors vereinigt", sagt Best. Zudem sei das internationale Kapitalmarktgeschäft für die LBBW eine sinnvolle Ergänzung. Für die WestLB hingegen biete eine Partnerschaft die Möglichkeit, die eigenen Kosten zu senken, und durch eine breitere Kundenbasis die Erträge zu stabilisieren.

"Steigerung der Erträge zweifelhaft"

"Steigerung der Erträge zweifelhaft"

"Es ist zweifelhaft, ob die WestLB mit ihrem aktuellen Geschäftsmodell die Erträge dauerhaft und nennenswert steigern kann", sagt Best. Sie sei in der aktuellen Ausrichtung zu wenig diversifiziert, habe zu wenige Kunden und sei daher auch nicht kosteneffizient.

Das Investmentbanking, vor allem die Bereiche Investment Management sowie Structured Finance, seien der dominierende Bereich der Landesbank: Die bis 2005 geltenden staatlichen Ausfallgarantien hatten der WestLB ein exzellentes Kreditrating beschert und ihr damit im weltweiten Wettbewerb mit privaten Kreditinstituten einen wichtigen Vorteil verschafft.

Der Wegfall der so genannten Gewährträgerhaftung im Jahr 2005 markiert nicht nur für die WestLB, sondern auch für alle anderen Landesbanken eine Zeitenwende. Sie konnten nicht Pleite gehen, da der Steuerzahler praktisch grenzenlos für ihre Schulden einstand. Als die EU die Gewährträgerhaftung kippte, waren die Landesbanken gezwungen, sich neu zu erfinden.

Abschied vom traditionellen Kerngeschäft

Einige Landesbanken haben sich von ihrem traditionellen Kerngeschäft, Partner für Sparkassen und Mittelstand zu sein, bereits verabschiedet. Die Landesbanken in Hamburg und Schleswig Holstein haben sich zum Beispiel zur HSH Nordbank zusammengeschlossen und konzentrieren sich auf Schiffsfinanzierungen.

Die BayernLB blickt nach Osteuropa. Die LBBW hat inzwischen die LB Rheinland-Pfalz sowie die BW Bank übernommen und besitzt ähnlich wie die Helaba (Landesbank Hessen-Thüringen) mit eigenen Sparkassen eine breite Vertriebsorganisation.

Speziell die LBBW wird derzeit immer wieder als Käufer genannt, wenn es um die Zukunft der WestLB geht. Der Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes, Heinrich Haasis, hatte eine Kooperation der beiden Landesbanken jüngst angeregt. Für LBBW-Chef Siegfried Jaschinski "ist es nur noch eine Frage der Zeit", bis es zu Zusammenschlüssen von Landesbanken kommen wird, sagte er bereits im Mai dem manager magazin .

"Es gibt keine Gespräche"

"Es gibt keine Gespräche"

Eine Fusion von LBBW und WestLB hängt jedoch von der Zustimmung der Länder Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen ab, die jeweils die dominierenden Eigentümer der beiden Landesbanken sind. Das Debakel im Eigenhandel hat die Position der WestLB geschwächt – die Einstellung dieses Geschäftsbereiches sowie die neue Führung könnten nun wieder Bewegung in die Gedankenspiele bringen.

Mit der Berufung von Alexander Stuhlmann, dem ehemaligen Chef der HSH Nordbank, zum Nachfolger von Thomas Fischer als Vorstandschef der WestLB könnte die LBBW jedoch Konkurrenz bekommen, heißt es in Branchenkreisen. Von den Hanseaten gab es auf Nachfrage von manager-magazin.de am Freitag allerdings ein klares Dementi. "Es gibt keine Gespräche", so Kommunikationschef Bernhard Blohm.

S&P-Analyst Best hält diese Variante in der Tat für weniger wahrscheinlich, da die HSH Nordbank eine Verbindung mit der WestLB bereits im Jahre 2005 abgelehnt habe, mit JC Flowers einen privaten Anteilseigner habe, und zudem einen Börsengang anstrebe. Nun doch eine Fusion mit der WestLB anzustreben, wäre ein ungewöhnliches Manöver.

An einer Reduzierung der Kosten geht kein Weg vorbei

Schon länger als die HSH wird auch die Hannoveraner Nord LB immer wieder als möglicher Fusionspartner der WestLB genannt. Für Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring, der dem Aufsichtsrat der Nord LB vorsteht, ist das aber auch nach dem Personalwechsel in Düsseldorf kein Thema. "Ein Zusammenschluss mit der WestLB ist für uns weiterhin ausgeschlossen", so der CDU-Politiker am Freitag gegenüber manager-magazin.de, da eine Fusion "die NordLB strukturell nicht weiterbringen würde".

"Eine Partnerschaft mit einer anderen Landesbank ist keine einfache Lösung", betont auch Best. Eine Fusion dieser Größenordnung sei schwierig durchzuführen und erfordere hohe Managementkapazität: "Es ist nicht ohne Risiken, die unterschiedlichen Bereiche zusammenzuführen."

Sollte das Partnerschaftsmodell scheitern, müsse die WestLB ihr Geschäftsmodell stärker fokussieren, so der S&P-Analyst. Die WestLB habe zu wenig Kunden und zu geringe Erträge, um die kostspielige Infrastruktur alleine zu halten. An einer Reduzierung der Kosten gehe kein Weg vorbei.

Die Möglichkeit, dass die WestLB durch eigene Übernahmen Wachstum und neue Geschäftsbereiche hinzukauft, ist dagegen gering: Es gilt als äußerst unwahrscheinlich, dass die Sparkassenverbände das dafür nötige Geld bereitstellen würden.

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