VDO-Übernahme Wennemers Triumph

Für Conti-Chef Manfred Wennemer ist es ein Triumph und die Krönung seiner Karriere, in Hannover dürften die Sektkorken geknallt haben: Mit dem milliardenschweren Kauf der Siemens-Sparte VDO macht Continental in der Weltliga einen großen Sprung nach vorn.

Hannover - Neben Weltmarktführer Bosch gibt es nun einen neuen deutschen Branchenriesen unter den fünf weltgrößten Autozulieferern: Continental  setzte sich im Preispoker um VDO gegen den US-Zulieferer TRW, hinter dem der Finanzinvestor Blackstone  steht, durch. Für VDO greift Wennemer tief in die Kasse - der Kauf für 11,4 Milliarden Euro ist die mit Abstand größte Übernahme in der Geschichte des Unternehmens.

Mit VDO stärkt der 59 Jahre alte Wennemer vor allem den Wachstumsmarkt Autoelektronik und führt damit seinen Kurs weiter, Conti deutlich breiter aufzustellen. Seit den 90er Jahren hat sich Continental von einem Reifenhersteller zu einem Komplett-Zulieferer rund ums Auto gewandelt. Für den Ende 2004 übernommenen Hamburger Zulieferer Phoenix hatte Conti eine knappe halbe Milliarde Euro bezahlt, 2006 legte Conti rund 830 Millionen Euro für die Autoelektroniksparte des US-Konzerns Motorola  hin und stieg damit groß in das Wachstumsfeld Telematik ein.

Angesichts der Rekordgewinne der vergangenen Jahre ist die Kriegskasse Wennemers prall gefüllt. Zudem hatte die Hauptversammlung im April einer möglichen Kapitalerhöhung zugestimmt, die mehr als sieben Milliarden Euro in die Conti-Kasse spülen könnte. Außerdem dürfte es für Wennemer kein Problem sein, ausreichend Kredite von Banken zu bekommen.

Übernehmen statt selbst übernommen zu werden - diesen Kurs verfolgt Wennemer. Conti, bisher weltweit nicht unter den Top Ten der Branche, wolle im Konsolidierungsprozess unter den Zulieferern zu den Gewinnern zählen, hat Wennemer mehrfach betont. Am Mittwoch sagte Bosch-Chef Franz Fehrenbach in einem Zeitungsinterview: "Der Konzentrationsprozess geht weiter." Er erwarte zudem ein Erstarken asiatischer Zulieferer, die vor allem mit preisgünstigen Komponenten auftrumpfen würden. Die europäischen und deutschen Autozulieferer könnten daher ihre starke Position nur durch permanente Produktverbesserungen und neue Technologien bewahren.

Doch Innovationen kosten viel Geld - und Größe spielt eine wichtige Rolle. Auch deshalb ist Conti bei VDO bis oder über die Schmerzgrenze gegangen. Die Vorteile und Chancen seien überwältigend, heißt es in Hannover. Durch den VDO-Kauf könnten Investitionen in neue Technologien vorangebracht werden, etwa in den Bereichen Motormanagement, Hybrid und Navigation.

Die Lieferanten sind in der Automobilbranche in den vergangenen Jahren zunehmend wichtiger geworden. Wo Mercedes, BMW, Opel oder VW drauf steht, stecken immer mehr Teile von Zulieferern drin - und deren Anteil an der Autofertigung wird Prognosen zufolge noch deutlich steigen. Die Zulieferindustrie gilt als Wachstumsbranche mit glänzenden Geschäftsaussichten. Auf der anderen Seite aber herrscht ein knallharter Wettbewerb im Kampf um lukrative Aufträge, der Preisdruck seitens der Hersteller ist enorm.

Lange galt Conti selbst wegen seiner vergleichsweise geringen Größe und des geringen Unternehmenswerts als mögliches Übernahmeziel. Mit der VDO-Übernahme scheint nun die Gefahr, selbst geschluckt zu werden, deutlich verringert.

Nun kommt es darauf an, VDO in Conti zu integrieren. Dies soll Ende 2009 abgeschlossen sein. Conti hat zuletzt mit rund 85.000 Beschäftigten einen Jahresumsatz von rund 15 Milliarden gemacht, VDO kam mit rund 53.000 Beschäftigten auf einen Jahreserlös von rund zehn Milliarden Euro. Ob es nun zu einem Stellenabbau bei den beiden Unternehmen kommt, ist noch unklar.

Andreas Hoenig, dpa