Automarkt Rabattschlacht in Deutschland

Beim Autokauf können Kunden hierzulande Preisnachlässe von durchschnittlich mehr als 17 Prozent erwarten. Die Rabattschlacht auf dem anhaltend schwachen deutschen Markt hat laut Autoexperten ein Niveau wie in den USA erreicht.

Gelsenkirchen - Die Flaute auf dem deutschen Automarkt löst einem Experten zufolge verstärkt Preisnachlässe aus. Jeder dritte Autokäufer habe im ersten Halbjahr 2007 seinen Pkw billiger erworben, sagte Ferdinand Dudenhöffer von der Fachhochschule Gelsenkirchen am Dienstag. Das hätten Marktstudien seines Instituts ergeben.

Das durchschnittliche Niveau beim Preisnachlass liege im Juli weiter beim Spitzenwert von 17,5 Prozent und habe damit eine Höhe wie in den USA erreicht, wo Rabattschlachten den Autobauern seit Jahren das Leben schwer machen. In Deutschland sei am stärksten die Golfklasse betroffen. Bei den klassischen Kompaktklasse-Fahrzeugen wurden 47 Aktionen gezählt, bei den Kompakt-Vans 35.

Der deutsche Automarkt befinde sich nach wie vor in einer schlechten Verfassung. Aufgrund der hohen Zahl von Aktionszulassungen sei trotz der guten Konjunktur mit einer verstärkten Insolvenzwelle im Handel zu rechnen, schrieb Dudenhöffer. Bei den Herstellern würden die Margen dünner und das Deutschlandgeschäft schwieriger.

Bis zu 36 Prozent unter Listenpreis

Zwar sei in den nächsten Monaten eine Marktbelebung zu erwarten. Durch die hohen Bestände werde das hohe Rabatt-Niveau aber auch zur IAA im September noch fortbestehen. Zusätzlich verunsicherten politische Diskussionen um CO2 und andere Umweltthemen die Autokäufer und spielten Industrie und Handel übel mit.

Der Preisvorteil für die Kunden reichte den Angaben zufolge in der Spitze bis zu 36 Prozent für reguläre Fahrzeuge, dazu kämen Tageszulassungs-Modelle, die ohnehin billiger verkauft würden. "Solche Rabatte auf reguläre Fahrzeuge sind im deutschen Automarkt neu", erklärte Dudenhöffer. Selbst neue Modelle erreichten bei Kombination von Sondermodell und Finanzierungsrabatt eine Rabatthöhe von bis zu 26,9 Prozent.

Händler greifen zu, Kunden nicht

Händler greifen zu, Kunden nicht

Das Spektrum der Rabattaktionen auf dem Automarkt reicht nach der Dudenhöffer-Untersuchung mittlerweile von Leasing ohne Leasing-Rate, Komplett-Angebote einschließlich Wartung und Versicherung über Bar-Rabatte bis zu üppig ausgestatteten Sondermodellen.

Mit Sorge sieht Dudenhöffer die Zunahme der Händlerzulassungen. "Diese Tendenz ist deshalb sehr bedrohlich, weil ein Großteil dieser Hersteller- und Händlerzulassungen nach kurzer Zeit mit hohen Rabatten in den Markt kommen", sagte er gegenüber "auto motor und sport". Von Januar bis Juni hätten die Händler 482.339 Neuwagen zugelassen, 11,0 Prozent oder 47.904 mehr als im Vorjahreszeitraum, schreibt das Blatt unter Berufung auf eine Studie Dudenhöffers.

Dagegen sei die Zahl der Privatkäufe im Jahresvergleich von 807.421 auf nur noch 592.538 zurück. Das entspreche einem Einbruch der Privatverkäufe im 1. Halbjahr um 26,6 Prozent. Die stark steigende Zahl von Händlerzulassungen habe im ersten Halbjahr aber einen noch stärkeren Einbruch des Autoabsatzes verhindert.

manager-magazin.de mit Material von dpa und ap

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