WestLB Der gesamte Vorstand wackelt

Der Aufsichtsrat der WestLB erwägt angeblich einen radikalen Neuanfang. Einem Magazinbericht zufolge wollen die Kontrolleure im Zusammenhang mit Fehlspekulationen im Eigenhandel über die Zukunft von Vorstandschef Thomas Fischer beraten. Nach weiteren Berichten steht der gesamte Vorstand zur Disposition.

Düsseldorf - Nach Informationen von manager-magazin.de wird sich der Aufsichtsrat der WestLB an diesem Donnerstag zu einer Sondersitzung treffen. Dabei soll es unter anderem um die Zukunft von WestLB-Chef Thomas Fischer gehen. Dies hatte "Focus Online" zuvor unter Berufung auf Aufsichtsratskreise berichtet. Fischers Position sei "extrem gefährdet", heißt es in dem Bericht weiter.

Nach einem Bericht des SPIEGEL werden dem Gesamtvorstand der Bank von seinen Kontrolleuren gravierende Fehler bei der Risikokontrolle vorgeworfen. Als Konsequenz werde der Aufsichtsrat am Donnerstag alle fünf amtierenden Vorstände entlassen und durch einen neuen Gesamtvorstand ersetzen.

Die WestLB lehnte auf Nachfrage von manager-magazin.de eine Stellungnahme ab. Eine Sprecherin der nordrhein-westfälischen Landesregierung - NRW ist mit 17,5 Prozent direkt an der WestLB beteiligt - sagte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters: "Alle Vorgänge bezüglich der WestLB sind grundsätzlich zunächst Angelegenheit der Gremien, bevor die Öffentlichkeit informiert wird."

Die "Rheinische Post" (Mittwochausgabe) meldete zudem am Abend vorab ebenfalls, sämtliche fünf Vorstandsmitglieder der WestLB ständen unter Druck. Die Zeitung berief sich dabei auf Personen aus dem Umfeld der Bank. Die Sitzung des Kontrollgremiums sei äußerst kurzfristig von Aufsichtsratschef Rolf Gerlach einberufen worden. Dem Vernehmen nach könnte Vorstandschef Fischer mit sofortiger Wirkung abberufen werden, hieß es in dem Bericht weiter.

Die Neubesetzung des Vorstands solle binnen 14 Tagen über die Bühne gehen. Laut "Rheinischer Post" soll WestLB-Aufsichtsratschef Gerlach ein Teilbericht des Gutachtens des Wirtschaftsprüfers KPMG vorliegen, der die Vorfälle im Eigenhandel untersucht. Gerlach habe den Bericht am Freitag bekommen und sei seit dem Wochenende nach einem Gespräch mit dem Präsidenten der BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht), Jochen Sanio, auf der Suche nach geeigneten Nachfolgekandidaten für Fischer.

BaFin soll gedrängt haben

BaFin soll zur Sondersitzung gedrängt haben

"Die BaFin hat offensichtlich auf eine Sondersitzung des Aufsichtsrats gedrängt", sagte laut Reuters eine mit der Situation vertraute Person. Der Umstand, dass inmitten der Sommerpause das oberste Kontrollgremium zusammengerufen werde, verdeutliche die Dramatik der Situation.

Es gebe bereits Pläne für eine Pressekonferenz im Anschluss an die Sitzung am Donnerstag. Sollte sich erweisen, dass es eine "Verschleierungstaktik" gegeben habe, "kann ich mir vorstellen, dass der Vorstand nicht mehr lange im Amt bleibt", sagte ein Insider laut Reuters.

Die WestLB steht durch Fehlspekulationen im Eigenhandel mit Aktien von Volkswagen , Metro  und BMW  unter Druck. Diese haben die Bank mehr als 240 Millionen Euro gekostet. Neben der BaFin ermittelt auch die Staatsanwaltschaft in dem Fall.

Die WestLB selbst hatte Strafanzeige gestellt und die BaFin eingeschaltet. Sie wirft den beteiligten Händlern vor, bei ihren Geschäften Limits verletzt und gegen interne Regeln verstoßen zu haben. Fischer wurde im Zusammenhang mit den Unregelmäßigkeiten mehrfach vor den Landtag zitiert. Er sprach zuletzt von "Sabotage" und äußerte den Verdacht, bei den Spekulationen habe es sich möglicherweise um "kriminelles Verhalten" gehandelt.

Landesfinanzminister Helmut Linssen (CDU) hatte gesagt, an den Fehlspekulationen seien möglicherweise auch Helfer außerhalb der Bank beteiligt gewesen.

Vor wenigen Tagen hatte die Staatsanwaltschaft Düsseldorf mehrere Geschäftsräume der Wertpapierhandelsbank Lang & Schwarz sowie Privaträume von zwei ehemaligen Mitarbeitern der WestLB durchsucht.

manager-magazin.de mit Material von ddp und reuters