Bahn-Konflikt Warten auf Merkels Machtwort

Im Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn hat die Gewerkschaft Deutscher Lokführer Bundeskanzlerin Angela Merkel aufgefordert, Einfluss auf den Bahn-Vorstand zu nehmen. Merkel sei als Vertreterin des Bundes "im Prinzip oberste Eigentümerin der Bahn".

Berlin - Die Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) fordert die Politik zum Eingreifen in den Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn auf. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) müsse als Vertreterin des Bundes Einfluss auf den Bahn-Vorstand nehmen, sagte GDL-Chef Manfred Schell der "Berliner Zeitung". Da die Bahn dem Bund zu 100 Prozent gehöre, sei Merkel im Prinzip oberste Eigentümerin der Bahn.

"Die Bundeskanzlerin sollte ihre Möglichkeiten nutzen und den Bahn-Vorstand dazu anhalten, mit uns in ordentliche, substanzielle Verhandlungen einzutreten", sagte Schell. Die GDL fordert einen eigenen Tarifvertrag für die Lokführer und Zugbegleiter und bis zu 31 Prozent mehr Lohn. Die Bahn lehnt das strikt ab und verweist auf den mit den Gewerkschaften Transnet und GDBA vereinbarten Tarifabschluss, der unter anderem Lohnerhöhungen von 4,5 Prozent ab 1. Januar 2008 sowie eine Einmalzahlung von 600 Euro vorsieht. Nach dem Scheitern der Verhandlungen hat die GDL die Urabstimmung über einen Streik eingeleitet, der Anfang August beginnen könnte.

Schell sagte, die GDL werde von der Bahn in den Arbeitskampf getrieben. Es sei nicht erstes und alleiniges Ziel des Gewerkschaft, "auf Teufel-komm-raus" streiken zu wollen. Der Bahn-Vorstand habe noch einmal Zeit, bis zum 6. August ein akzeptables Angebot vorzulegen. An diesem Tag soll das Ergebnis der Urabstimmung bekannt gegeben werden.

Zu den Forderungen seiner Gewerkschaft sagte Schell: "Bei den geforderten 31 Prozent Lohnerhöhung kann man darüber reden, welche Zulagen dabei sind, ob möglicherweise ein Teil der Erhöhung in die betriebliche Altersvorsorge geht, wie die Laufzeit des Vertrages ist." Auch könne über die Anrechnung einer kürzeren Arbeitszeit gesprochen werden. Sie würde umgerechnet einer Gehaltserhöhung von etwa 2,6 Prozent entsprechen." Generell bestehe die GDL darauf, dass dies in einem eigenständigen Tarifvertrag festgeschrieben werde.

manager-magazin.de mit Material von ddp