ABN Amro Barclays legt nach - China mischt mit

Es wird die bislang teuerste Übernahme in der Finanzbranche werden. Im Übernahmekampf um ABN Amro hat die britische Bank Barclays nachgelegt und den Konkurrenten RBS unter Druck gesetzt. Der Bieterpoker geht auch deshalb weiter, weil nun auch Banken aus China und Singapur mitmischen.

London - Die britische Bank Barclays  hat ihre Offerte für den niederländischen Rivalen ABN Amro  auf 67,5 Milliarden Euro angehoben.

Das Angebot beinhalte nun einen Baranteil von 24,8 Milliarden Euro, teilte Barclays am Montag mit. Zuletzt hatte die Bank für ABN etwa 65 Milliarden Euro in Aktien in Aussicht gestellt.

Die neue Offerte wurde nun unter anderem möglich, weil die China Development Bank und Singapurs Temasek in Barclays investieren, wie der Konzern weiter bekanntgab.

Barclays liefert sich um ABN eine Übernahmeschlacht mit einem Konsortium um die Royal Bank of Scotland . Dieses bietet für ABN 71 Milliarden Euro.

Finanzspritze aus Fernost von 3,6 Milliarden Euro

Über die Zeichnung neuer Aktien beteiligten sich die beiden Investoren mit bis zu 13,4 Milliarden Euro an Barclays, hieß es. Zunächst investieren China Development Bank und Temasek 2,2 Milliarden und 1,4 Milliarden Euro und werden dadurch mit 3,1 beziehungsweise 2,1 Prozent an Barclays beteiligt. Die weiteren Investitionen der beiden neuen Großaktionäre sind abhängig vom Gelingen der ABN-Amro-Übernahme.

Um den Verwässerungseffekt zu verringern, will Barclays für bis zu 3,6 Milliarden Euro eigene Aktien zurückkaufen. Der Rückkauf werde frühestens nach Bekanntgabe der Halbjahres-Ergebnisse am 2. August starten. Die Bank kündigte an, dass der Gewinn je Aktie in der ersten Jahreshälfte um 14 Prozent gestiegen sei. Die zuvor angekündigten Synergien durch eine Kombination mit ABN Amro nannte Barclays konservativ. Sie würden schneller gehoben als gedacht.

Größter Deal in der Branche

Barclays liefert sich mit einem Konsortium um die Royal Bank of Scotland (RBS) seit Wochen eine Übernahmeschlacht um ABN Amro. Das Konsortium bietet rund 71 Milliarden Euro zum Großteil in bar.

Die Übernahme von ABN Amro dürfte mit einem geschätzten Volumen von knapp 100 Milliarden Dollar der bislang größte M&A Deal in diesem Jahr werden. Die Branche steuert trotz erster Abkühlungszeichen auf einen neuen Rekord zu: Knapp drei Billionen Dollar haben Private-Equity-Unternehmen und andere Firmenjäger bereits im ersten Halbjahr ausgegeben, um sich andere Unternehmen einzuverleiben.

"Der M&A-Markt verliert langsam an Fahrt", sagt Leif Zierz, Partner im Bereich Corporate Finance und Leiter von M&A bei KPMG. "Der Rückgang der Transaktionsanzahl ist auch darauf zurückzuführen, dass die Unternehmen gegenwärtig vornehmlich damit beschäftigt sind, die zahlreichen Akquisitionen der Vergangenheit zu integrieren."

Steigende Zinsen und eine Rückkehr des Risikobewusstseins sorgen nicht nur für Turbulenzen auf dem US-Immobilienmarkt, sondern erschweren auch die Bedingungen für Fusionen und Übernahmen.

In den vergangenen Monaten konnten Private-Equity-Unternehmen Übernahmen auf Kredit zu günstigen Bedingungen finanzieren - die PE-Investoren bestimmten die Bedingungen, sagt ein Kenner der Branche.

Doch spätestens seit den Turbulenzen auf dem amerikanischen Hypothekenmarkt ist mit steigenden Risikoprämien zu rechnen.

Erste Finanzierungen geraten in Schwierigkeiten: Ende Juni ist zum Beispiel die Platzierung einer Schuldverschreibung geplatzt, mit der beteiligte Banken die Übernahme des Lebensmittellieferanten US Foodservice durch die Private-Equity-Gesellschaft KKR finanzieren wollten

manager-magazin.de mit Material von reuters

Verwandte Artikel