Continental Kaufen und gekauft werden

Der Autozulieferer Continental hat den italienischen Bremsenhersteller AP Automotive Products für eine Millionensumme gekauft. Dennoch herrscht Sorge bei Continental: Die Firma fürchtet nämlich, selbst übernommen zu werden.

Hannover - Mitten im Übernahmepoker um die Siemens-Sparte VDO hat der Autozulieferer Continental  den italienischen Trommelbremsenhersteller AP Automotive Products Italia übernommen.

Der zweitgrößte Trommelbremsenhersteller Europas solle die Conti- Bremssysteme in Europa und in den Schwellenländern ausbauen und das Wachstum in Asien vorantreiben, teilte das Unternehmen am Donnerstag in Hannover mit. AP werde mit seinen rund 500 Angestellten in die Conti-Sparte Automotive Systems integriert. Während Continental keine Angaben zum Kaufpreis machte, hieß es von Pacifica, dass mit einem Ertrag aus dem Verkauf von 66 Millionen Australische Dollar gerechnet wird, das sind umgerechnet rund 42 Millionen Euro.

Das italienische Unternehmen hatte zuletzt rund 500 Beschäftigte und 2006 einen Umsatz von etwa 79 Millionen Euro erzielt. Zu den Kunden zählen unter anderem die Autohersteller Toyota , GM , Ford , Fiat  und Renault/Nissan . Derzeit ist die 1984 gegründete AP im Besitz der australischen Pacifica Group, die selbst zu 75 Prozent der Stuttgarter Firma Bosch gehört. Die Kartellbehörden müssen nach Conti-Angaben der Übernahme noch zustimmen.

Das Hannoversche Unternehmen Continental fürchtet derweil allerdings um die eigene Eigenständigkeit. Sollte der Autozulieferer bei der geplanten Übernahme von Siemens VDO scheitern, drohe die Übernahme durch einen Finanzinvestor - womöglich sogar indirekt durch Blackstone , das über seine Beteiligung TRW ebenfalls den Zuschlag für VDO erhalten möchte. "In diesem Fall wäre nicht auszuschließen, dass Conti das nächste Ziel der Amerikaner wird", sagte ein namentlich nicht genannter Conti-Manager der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Conti bietet offenbar rund elf Milliarden Euro für Siemens VDO, bleibt damit aber hinter dem von TRW erwarteten Gebot zurück, wird in der Branche spekuliert. Die "Financial Times Deutschland" berichtet, TRW wolle zwölf Milliarden Euro bieten, nach Informationen des "Handelsblatt" könnte das Gebot der Amerikaner sogar noch höher ausfallen. Der Siemens-Aufsichtsrat wird sich den Kreisen zufolge am kommenden Mittwoch mit dem Thema befassen, verbindliche Gebote werden Presseberichten zufolge bis Ende dieser Woche erwartet.

Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet dagegen, der VDO-Verkauf an TRW sei selbst bei einem noch höheren Gebot unwahrscheinlich. Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat würden aus Angst vor Stellenstreichungen unter Blackstone-Führung im Zweifel Conti als Käufer befürworten, berichtet das Blatt unter Berufung auf Münchener Konzernkreise. Bevorzugte Variante der Arbeitnehmervertreter im Siemens-Aufsichtsrat sei weiter der Börsengang von VDO.

Siemens  will bis Ende September mehr als 25 Prozent der Autozuliefertochter an die Börse bringen, dabei aber an der industriellen Führung festhalten. Der Konzern hatte trotz des vor allem von Conti geäußerten Interesses wiederholt betont, dass dies weiter die bevorzugte Option sei.

manager-magazin.de mit Material von ddp, dpa, dpa-afx und reuters

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