Kartellamt Razzia bei Apothekerverbänden

Das Bundeskartellamt geht gegen deutsche Apothekerverbände vor, die zum Boykott des zu Celesio gehörenden Pharmagroßhändlers Gehe aufgerufen haben sollen. Hintergrund ist die Übernahme des Arzneimittelversandhändlers DocMorris durch Celesio.

Düsseldorf - Die Kartellwächter hätten Büros der Landesverbände in den Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein- Westfalen, Berlin, Baden-Württemberg und Thüringen durchkämmt, sagte ein Sprecher des Amts am Donnerstag in Bonn.

Dabei seien auch Dokumente sichergestellt worden, die nun ausgewertet würden. Bei den Durchsuchungen hatten die Wettbewerbshüter dem Sprecher zufolge nach Belegen für den Verdacht gesucht, dass Apotheken von ihren Verbänden angehalten wurden, ihre Lieferbeziehungen mit Gehe zu beenden.

Apotheker und ihre Verbände hatten offen Unmut geäußert, weil Celesio  den Arzneimittelversandhändler DocMorris gekauft hat, womit der Lieferant erstmals in direkte Konkurrenz zu den stationären Apotheken tritt. Celesio hat Umsatzeinbußen in Folge der Übernahme eingeräumt, glaubt diese aber binnen eines Jahres wieder aufholen zu können. Die negativen Reaktionen der Kunden - also der Apotheker - seien im erwarteten Rahmen geblieben. Die größten Konkurrenten von Celesio im Großhandel sind Phoenix, Sanacorp, Anzag und die genossenschaftliche Noweda.

Im europäischen Ausland betreibt Celesio seit Jahren neben dem Großhandel eigene Pharma-Verkaufsstellen. In Deutschland ist der Besitz von mehr als vier Apotheken noch verboten, doch gegen diese Regelung laufen mit Verweis auf europäisches Recht mehrere Verfahren. Zunächst will das Stuttgarter Unternehmen Apotheken in Deutschland für ein Franchise-System mit DocMorris gewinnen.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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