Airbus Verkaufsentscheidung im Herbst

Anfang September will der künftige Airbus-Chef Louis Gallois bekannt geben, wer die zum Verkauf stehenden Werke bekommt. Unterdessen prüft der Mutterkonzern EADS, wie er unerwünschte Übernahmeversuche abwehren kann.

Frankfurt am Main - Der Flugzeugbauer Airbus will später als geplant entscheiden, an wen er seine zum Verkauf stehenden Werke abgibt. Interessenten sollten ihre Angebote bis zum kommenden Mittwoch vorlegen, sagte der künftige Chef der Airbus-Mutter EADS , Louis Gallois, in einem Interview mit der "Financial Times Deutschland" und "Les Echos". Danach werde sich Airbus entscheiden, mit welchen Parteien exklusiv gesprochen werde.

"Die Bekanntgabe wird Anfang September erfolgen", sagte Gallois dem Blatt. Im Juni hatte er angekündigt, die Kandidatenauswahl im Juli abschließen zu wollen. Ebenso sollten bereits im Juli Grundsatzvereinbarungen über den Einstieg unterzeichnet werden.

Der Airbus-Betriebsrat, der sich lange gegen einen Verkauf der Werke gesperrt hatte, lehnt diesen mittlerweile nicht mehr strikt ab, hat aber ein Einlenken an Zusagen von Airbus und Investoren geknüpft. Die Betriebsräte haben sich für eine deutsche Lösung ausgesprochen. An den niedersächsischen Werken Varel und Nordenham hat bereits der Bremer Raumfahrtkonzern OHB Technology  Interesse angemeldet. Der Rüstungs- und Luftfahrtkonzern Diehl hat beim Airbus-Werk Laupheim den Finger gehoben.

Gallois darf Aufseher mit auswählen

Gallois ist dem "FTD"-Bericht zufolge künftig mächtiger als bislang bekannt. Er übe das Vorschlagsrecht für die vier unabhängigen Verwaltungsratsmitglieder aus, gemeinsam mit dem Präsidenten des Kontrollgremiums, sagte Gallois. Dass der Vorstandschef bei der Auswahl seiner Aufseher de facto ein Vetorecht habe, sei äußerst ungewöhnlich, schreibt die FTD.

"Selbstverständlich kann auch Gallois Vorschläge unterbreiten", sagte ein EADS-Sprecher gegenüber manager-magazin.de. "Das ist eine neue Qualität, aber das ist auch Sinn und Zweck einer neuen Corporate Governance."

Die Berufung von vier unabhängigen Mitgliedern in das elfköpfige Kontrollgremium habe EADS am Montag als Symbol für die Entpolitisierung des Konzerns präsentiert. Gallois sagte dem Blatt, dass für die Besetzung der Posten unter Umständen auch weiter nationale Kriterien gelten würden. Für jeden Franzosen unter den unabhängigen Mitgliedern müsse ein Deutscher ernannt werden und umgekehrt.

Gallois unterstützte außerdem den deutschen Vorschlag, wonach Frankreich und Deutschland jeweils ein Vetorecht in Form einer so genannten goldenen Aktie bei wichtigen Entscheidungen besitzen sollten. "Persönlich finde ich, dass dies ein gutes System ist", sagte er im Interview.

Überdies kündigte Gallois an, die Risiken künftig breiter zu streuen. Es sei nicht gut, dass EADS zu 70 Prozent von Airbus abhänge. Langfristig müsse der Anteil der zivilen Luftfahrt reduziert werden. Mögliches Ziel sei ein Verhältnis von 50:50. Er sagte nicht, welche Sparten er ausbauen will, schließt jedoch Akquisitionen nicht aus. Gallois schränkte jedoch ein, dass große Käufe derzeit nicht finanzierbar seien.

Abwehr von Übernahmeversuchen

Unterdessen wurde bekannt, dass EADS Möglichkeiten zur Abwehr von Übernahmeversuchen prüft. "Wir haben vereinbart, zwei Arbeitsgruppen zu bilden", sagte der neue Verwaltungsratschef Rüdiger Grube in einem Interview der französischen Zeitung "La Tribune". "Eine wird die mittelfristige Anpassung der Aktionärsstruktur prüfen, die andere wird sich damit beschäftigen, wie wir uns vor potenziell unerwünschten Anteilseignern schützen können." Das Unternehmen war im vergangenen Jahr durch den Einstieg der staatlichen russischen Bank VTB alarmiert, die unerwartet 5 Prozent der EADS-Aktien erworben hatte.

Russland bestritt, dass der Einstieg bei EADS politisch motiviert gewesen sei. VTB erklärte unterdessen, sie wolle den Anteil wieder verkaufen. Deutschland und Frankreich hatten sich zu Wochenbeginn auf eine neue Führungsstruktur bei EADS geeinigt. Ab Ende 2007 wird der Franzose Louis Gallois EADS allein führen, bislang hat er sich diesen Posten mit Thomas Enders geteilt und war gleichzeitig Airbus-Chef. Diesen Posten übernimmt nun Enders. Dem mächtigen Verwaltungsrat wird künftig Grube vorstehen.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx, ddp und reuters

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.