Alitalia Letzter Bieter springt ab

Die Privatisierung der Fluggesellschaft Alitalia gerät zum Fiasko für die italienische Regierung. Die letzten Interessenten haben sich aus dem Bieterverfahren zurückgezogen. Der Staat droht, auf seinen Anteilen an der verlustreichen Airline sitzen zu bleiben.

Rom - Die Lage für die zum Verkauf stehende italienische Fluggesellschaft Alitalia  wird immer verzweifelter. Nach dem Rückzug der russischen Fluglinie Aeroflot und anderer Unternehmen hat am Mittwoch auch der bisher letzte Bieter das Handtuch geworden. Der US-Vermögensverwalter Matlin Patterson Global Advisors erklärte, man sei nicht mehr in der Lage, den ins Auge gefassten Einstieg fortzusetzen.

Bereits am Dienstagabend hatte die AP Holding des italienischen Geschäftsmannes Carlo Toto, zu der auch die italienische Privatfluglinie Air One gehört, den Ausstieg aus dem Bieterverfahren erklärt. Man habe keine Verhandlungsspielräume mit dem Wirtschaftsministerium und keine klaren Möglichkeiten zur Sanierung von Alitalia erkannt, sagte Toto.

Aeroflot und andere Bieter, die bereits vor Wochen ausgestiegen waren, hatten unter anderem beklagt, dass ihnen notwendige Informationen über die tatsächliche Wirtschaftslage von Alitalia vorenthalten worden seien.

Italienische Medien sprachen von einem Fiasko. Die Regierung hatte bereits zwei Mal die Bieterfrist verlängert, sie läuft offiziell am 23. Juli aus. Römische Zeitungen spekulierten, jetzt müsse die Regierung möglicherweise einen Kommissar zur Führung von Alitalia einsetzen. Das Wirtschaftsministerium will mindestens 39,9 Prozent, aber möglicherweise auch seinen gesamten 49,9-Prozent-Anteil an Alitalia verkaufen. Die Fluggesellschaft macht derzeit täglich über eine Million Euro Verluste.

Alitalia-Aktien verloren bereits am Mittwochmorgen rund 8 Prozent auf 72 Cent, nachdem Toto seinen Ausstieg erklärt hatte. Am Mittwoch wollten zudem die Flugbegleiter in einen eintägigen Streik treten. Wahrscheinlich werden Dutzende Flüge verspätet oder abgesagt.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters