Donnerstag, 19. September 2019

Angriff aus Asien Die neuen Multis

Die Macht westlicher Unternehmen bröckelt. Neue Global Player aus Schwellenländern sind im Anmarsch. In einer Industrie haben Konzerne aus den BRIC-Staaten die Wachablösung schon geschafft - in der Öl- und Gasbranche. Und das zu einer Zeit, in der die Ressourcen knapper werden und der Bedarf enorm ansteigt.

Jedes Jahr veröffentlicht das amerikanische Wirtschaftsmagazin "Fortune" eine Liste der 500 größten Unternehmen der Welt, die so genannten Fortune 500. Wer es in diese Liste geschafft hat, darf sich mit Recht Global Player nennen, also ein Unternehmen, das in der Weltliga mitspielt und nicht nur eine lokale oder regionale Größe ist.

Seit Jahren stehen an der Spitze dieser Liste immer die gleichen Namen: ExxonMobil Börsen-Chart zeigen, Wal-Mart Börsen-Chart zeigen, General Motors Börsen-Chart zeigen, Chevron Börsen-Chart zeigen, Ford Börsen-Chart zeigen, ConocoPhillips Börsen-Chart zeigen, General Electric Börsen-Chart zeigen. Unter den Top Ten sind nur US-Konzerne. Insgesamt sind die Fortune 500 fest in westlicher Hand. Amerikaner und Europäer dominieren, dazu kommen einige Japaner und ein paar wenige Koreaner.

Doch wie lange noch werden die westlichen Konzerne so dominieren? Ihre Macht bröckelt. Die Konzerne aus den BRIC-Staaten sind im Anmarsch. Sie werden attackieren. "Eine Revolution in der globalen Geschäftswelt ist im Gange", konstatiert das Beratungsunternehmen The Boston Consulting Group (BCG) in seiner Studie "The New Global Challengers".

Eine weltweite Arbeitsgruppe von acht BCG-Beratern hat 100 Unternehmen aus den Emerging Markets ausfindig gemacht, die das Zeug zu einem neuen Multi haben. Die meisten kommen aus den BRIC-Staaten: 44 aus China, 21 aus Indien und 12 aus Brasilien. Nur Russland mit gerade mal sieben Unternehmen sei "stark unterrepräsentiert", urteilen die Berater.

Mit diesen neuen, meist unbekannten Konzernen ist in den kommenden Jahren zu rechnen. Sie werden zu Konkurrenten unserer westlichen Konzerne, und sie werden auf unsere Märkte vordringen. Am aggressivsten gehen dabei die Chinesen vor. Die Regierung in Peking ist mit dem wirtschaftlichen Status quo nicht zufrieden. Sie will nicht, dass ihr Land nur die billige Fabrik für westliche Konzerne ist. Sie will, dass auch chinesische Unternehmen nach draußen gehen und globale Konzerne werden. Deshalb hat ihnen die Regierung im Jahr 2000 befohlen: Zou Chu Qu - Schwärmt aus!

In Russland machen sich die meist noch jungen Oligarchen ans Werk, jene Multimilliardäre, die während der Privatisierung in den 90er Jahren steinreich geworden sind und sich inzwischen riesige Firmenimperien aufgebaut haben. Da ist Putins Lieblingsoligarch und Aluminiumkönig Oleg Deripaska (Vermögen: 7,8 Milliarden Dollar), ob seiner rüden Geschäftsmethoden "der Hai" genannt. Oder der Ölmagnat Vagit Alekperow (elf Milliarden), der "russische Rockefeller". Oder der graubärtige, eher unauffällig operierende Öl- und Stahlbaron Viktor Vekselberg (zehn Milliarden), der von seinem Zweitdomizil am Zürichberg Ausschau nach europäischen Unternehmen hält.

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