EADS Gallois will zukaufen

Der künftig alleinige EADS-Chef Louis Gallois hat am Tag nach der Verkündung neuer Managementstrukturen erste Pläne geäußert. Der Luft- und Raumfahrtkonzern müsse ausgewogener werden - auch durch Zukäufe. Deutschland und Frankreich diskutieren unterdessen die Einführung einer "Goldenen Aktie".

Paris - Der Co-Chef des europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS  erwägt Zukäufe, um eine bessere Balance zwischen den zivilen und militärischen Aktivitäten hinzubekommen. Der Konzern müsse ausgewogener werden und das könne durch Akquisitionen oder durch internes Wachstum geschehen, sagte Louis Gallois, der die Airbus-Konzernmutter EADS ab Ende des Jahres alleine leiten wird, am Dienstag dem französischen Radiosender Europe 1. Gallois ergänzte, EADS brauche neue Anteilseigner. EADS wird von Deutschland und Frankreich dominiert.

Die beiden Länder prüfen derzeit, ob beiden Staaten beim europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS ein Vetorecht bei wichtigen Entscheidungen eingeräumt werden soll. Dies sagte der Sprecher von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Ulrich Wilhelm, am Dienstag in Berlin. Eine Arbeitsgruppe der Aktionäre werde in den kommenden Wochen erörtern, wie man die strategischen Interessen der beteiligten Länder optimal schützen könne. Zu den denkbaren Optionen gehöre auch die Einführung einer "Goldenen Aktie".

Deutschland und Frankreich hatten am Montag vereinbart, die Führungsstruktur bei EADS zu vereinfachen. Alleiniger EADS-Chef wird demnach Louis Gallois. Sein bisher gleichberechtigter Kollege in der EADS-Führung, Thomas Enders, wird allein für Airbus verantwortlich.

"Kein großer Durchbruch"

Die Grünen reagieren zurückhaltend auf das Ende der Doppelspitze. Die zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy vereinbarte neue EADS-Managementstruktur öffne den Weg zu einer besseren und transparenteren Unternehmensführung, sagte Fraktionschef Fritz Kuhn der "Berliner Zeitung" (Dienstagausgabe) laut Vorabbericht. "Sie ist allerdings nicht der große Durchbruch, als den sie ihn verkaufen wollen", sagte Kuhn.

Der politische Einfluss aus Frankreich und Deutschland auf EADS bleibe groß, monierte der Fraktionschef. "Es besteht weiterhin die Gefahr, dass staatliche Einflussnahme auf Entscheidungen des Managements die gerade begonnene Sanierung von Airbus behindert und die Wirtschaftlichkeit auf der Strecke bleibt", warnte er.

Kuhn forderte die Bundesregierung auf, sich vehement dafür einzusetzen, dass sowohl die deutsche wie auch die französische Seite ihre Zugriffe auf die EADS-Anteile aufgeben. Die Bundesregierung dürfe sich nicht von Frankreich "einwickeln" lassen, das besonders energisch die eigenen Interessen vertrete.

manager-magazin.de mit Material von ddp und reuters

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