AKW-Pannen Atomlobby rügt Vattenfall

Das Deutsche Atomforum hat die Informationspolitik des Vattenfall-Konzerns scharf kritisiert. Das Image der Kernenergie habe nach den Pannen in den Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel "einen erheblichen Dämpfer bekommen". Die Deutsche Umwelthilfe will am Mittwoch eine geheime Mängelliste veröffentlichen.

Frankfurt/Main - Der Umgang des Energiekonzerns Vattenfall mit den Pannen in seinen Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel hat der Branche nach eigener Einschätzung einen erheblichen Schaden zugefügt. "Das Thema Zukunft der Kernenergie hat dadurch politisch einen massiven Dämpfer bekommen", sagte der Präsident des Deutschen Atomforums, Walter Hohlefelder, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ).

"Der Eindruck, der durch die Informationspolitik von Vattenfall in der Öffentlichkeit hervorgerufen wurde, ist verheerend." Jetzt dürfe sich niemand darüber beklagen, dass Kernenergiegegner dies politisch ausnutzten, sagte Hohlefelder, der auch Vorstand von Eon Energie in München ist.

Der Lobbyist wies jedoch die Forderung von Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) zurück, ältere Meiler vorzeitig abzuschalten. Das Deutsche Atomforum hatte vor kurzem eine Imagekampagne gestartet, in der Atomkraftwerke als "Klimaschützer" angepriesen werden und zum Besuch der Anlagen eingeladen wird.

Grünen-Chefin Claudia Roth kritisierte in einem Interview mit den Fernsehsender RTL die Haltung der Berliner Regierung zur Atomkraft. "Ich würde wirklich erwarten, dass diese Bundesregierung nicht rumlaviert, nicht rumeiert, dass endlich mal klar gestellt wird: Deutschland bleibt am Ausstiegskonzept fest dran. Es wird nicht sozusagen 2009 neu verhandelt, sondern der Atomausstieg ist richtig und wir gehen mit Volldampf in die Förderung erneuerbarer Energien."

Der Deutschen Umwelthilfe (DUH) liegen nach eigenen Angaben Inhalte einer geheimen Mängelliste zum Atomkraftwerk Brunsbüttel vor. Sie sollen am Mittwoch der Öffentlichkeit präsentiert werden, teilte die DUH am Montagabend in Berlin mit. Seit Monaten verlangen die Atomgegner von Betreiber Vattenfall den Zugang zu einer Liste mit offenen Punkten zum AKW, die sich aus der so genannten Periodischen Sicherheitsüberprüfung ergeben hatten. Vattenfall wehrte sich bisher erfolgreich.

Am Montag hatte der Energiekonzern nach den Informations-Pannen in Krümmel und Brunsbüttel personelle Konsequenzen gezogen. Das Unternehmen trennte sich vom Chef seiner Atomsparte, Bruno Thomauske. Zudem erklärte Konzernsprecher Johannes Altmeppen seinen Rücktritt.

Unterdessen wächst der Handlungsbedarf im Atommeiler Krümmel: Das Problem mit nicht vorschriftsmäßigen Dübeln in einem Anlagebereich ist offensichtlich größer als zunächst vom Betreiber Vattenfall gemeldet. Eventuell müssten alle 630 Dübel des Typs in der Anlage untersucht werden, sagte ein Sprecher des für die Atomaufsicht zuständigen Sozialministerium in Kiel. Krümmel ist seit einer Pannenkette Ende Juni vom Netz.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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