M&A-Markt Weniger Deals als Warnzeichen

Firmenjäger werden in diesem Jahr so viel Geld für Fusionen und Übernahmen (M&A) ausgeben wie nie zuvor. Doch laut einer Studie von KPMG verliert der M&A-Markt an Schwung: Die Zahl der Deals nimmt ab, während die Preise steigen. Dies war auch kurz vor dem Crash im Jahr 2000 so.

Berlin - Das Geld fließt in immer breiteren Strömen. Knapp drei Billionen Dollar haben Private-Equity-Unternehmen und andere Firmenjäger zwischen Januar und Juni 2007 ausgegeben, um sich andere Unternehmen einzuverleiben. Das sind knapp 60 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2006 - es ist daher höchst wahrscheinlich, dass in diesem Jahr der Vorjahresrekord (Fusionen und Übernahmen weltweit im Volumen von 3,8 Billionen Dollar) übertroffen und die M&A-Branche zum Ende des Jahres einen weiteren Rekord melden wird.

Doch es gibt erste Bremsspuren. Die Käufer nehmen zwar immer mehr Geld in die Hand, um sich das gewünschte Unternehmen nach oftmals hartem Bieterwettbewerb zu sichern. Jedoch nimmt die Zahl der erfolgreichen Transaktionen bereits ab: Mit 16.653 Transaktionen zwischen Januar und Juni ist die Anzahl um 2 Prozent niedriger als im ersten Halbjahr 2006, wie die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG gemeinsam mit dem Marktforschungsinstitut Dealogic errechnet hat.

Weniger Übernahmen, doch die einzelnen Deals werden immer teurer. Einen ähnlichen Trend gab es bereits auf der Höhe des Dot-Com-Booms im Jahre 2000, so KPMG. Auch damals war die Anzahl der Transaktionen rückläufig, während gleichzeitig das Dealvolumen anstieg.

ABN Amro: Der vorerst letzte Mega-Deal?

Zu den größten Deals in diesem Jahr wird die Übernahme der niederländischen Bank ABN Amro  zählen. Die Konkurrenten Barclays  und Royal Bank of Scotland  bieten derzeit zwischen 90 und 96 Milliarden Dollar für das Geldinstitut. Geradezu bescheiden mutet dagegen die Summe an, die der Finanzinvestor Cerberus an Daimler  für die US-Sparte Chrysler zahlt: Der Chrysler-Deal ist von den größten M&A Deals dieses Jahres weit entfernt.

Doch die Übernahmen der niederländischen Bank ABN Amro  und des spanischen Versorgers Endesa  könnten die vorerst letzten Mega-Deals in einem abkühlenden Markt werden.

"Der M&A-Markt verliert langsam an Fahrt", sagt Leif Zierz, Partner im Bereich Corporate Finance und Leiter von M&A bei KPMG. "Der Rückgang der Transaktionsanzahl ist auch darauf zurückzuführen, dass die Unternehmen gegenwärtig vornehmlich damit beschäftigt sind, die zahlreichen Akquisitionen der Vergangenheit zu integrieren."

Steigende Preise, größere Ziele

Rückkehr der Risikoprämie

Steigende Zinsen und eine Rückkehr des Risikobewusstseins sorgen nicht nur für Turbulenzen auf dem US-Immobilienmarkt, sondern erschweren auch die Bedingungen für Fusionen und Übernahmen.

In den vergangenen Monaten konnten Private-Equity-Unternehmen Übernahmen auf Kredit zu günstigen Bedingungen finanzieren - die PE-Investoren bestimmten die Bedingungen, sagt ein Kenner der Branche.

Doch spätestens seit den Turbulenzen auf dem amerikanischen Hypothekenmarkt ist mit steigenden Risikoprämien zu rechnen. Erste Finanzierungen geraten in Schwierigkeiten: Ende Juni ist zum Beispiel die Platzierung einer Schuldverschreibung geplatzt, mit der beteiligte Banken die Übernahme des Lebensmittellieferanten US Foodservice durch die Private-Equity-Gesellschaft KKR finanzieren wollten.

Steigende Preise, größere Ziele

Dass es bei neuen Übernahmen um immer mehr Geld geht, hat einerseits mit der Größe der Unternehmen zu tun, die von den Firmenjägern geschluckt werden. Auch die Übernahme eines Dax -Konzerns ist nach Angaben aus Branchenkreisen nur noch eine Frage der Zeit.

"Auch das Preisniveau bei Übernahmen ist gestiegen und wird wahrscheinlich auch noch weiter ansteigen", sagt Zierz. Dies haben mit den weiterhin hohen Mittelzuflüssen, den vergleichsweise immer noch günstigen Finanzierungsbedingungen sowie damit zu tun, dass lohnende und renditestarke Übernahmeziele langsam knapp werden.

Zierz sieht im Vergleich zur Übernahmemanie während des Dot-Com-Booms 2000 jedoch auch wichtige Unterschiede: Die Mehrzahl der Deals werde noch über Barzahlungen abgewickelt und nicht über den Tausch möglicherweise überbewerteter Aktienpakete.

Deutschland bestätigt Trend

Europa überholt USA: Konsum und Finanzbranche begehrt

Unternehmen in Europa sind besonders begehrt: Laut der Studie von KPMG und Dealogic wurden im europäischen M&A-Markt zwischen Januar und Juni knapp 1,2 Billionen Dollar investiert, 77 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. In den USA betrug der Anstieg dagegen 46 Prozent, im asiatisch-pazifischen Raum 35 Prozent. Und Auch bei der Anzahl der Transaktionen liegt Europa mit 5249 angekündigten Transaktionen im ersten Halbjahr 2007 deutlich vor den USA (3518 Transaktionen).

Unternehmen aus der Finanzbranche, der Bauindustrie und aus dem Konsumgütersektor stehen auf den Wunschlisten der Firmenjäger in Europa ganz oben. Mit Investitionen in Höhe von 290 Milliarden US-Dollar hat sich das Transaktionen im europäischen Finanzdienstleistungssektor mehr als verdreifacht: Die angekündigte Übernahme von ABN Amro ist hierbei schon eingerechnet. Noch dynamischer entwickelten sich jedoch die Bauindustrie (plus 230 Prozent auf 74 Milliarden Dollar) und der Konsumgüterbereich (367 Prozent Zuwachs auf 49 Milliarden Dollar).

Abkühlung: Deutschland bestätigt weltweiten Trend

Doch dass der M&A-Boom langsam nachlässt, lässt sich auch an den Zahlen für den deutschen Markt ablesen. "In Deutschland ist die Anzahl der angekündigten Transaktionen sogar noch stärker zurückgegangen als im weltweiten Durchschnitt", sagt KPMG-Partner Zierz. Der Rückgang betrug 8 Prozent (von 493 im ersten Halbjahr 2006 auf 454 im ersten Halbjahr 2007).

Auch das Volumen der Transaktionen insgesamt erhöhte sich in Deutschland weniger stark, nämlich "nur" um 41 Prozent auf 95 Milliarden Dollar. Deutschland ist damit in Europa hinter Großbritannien und Spanien das beliebteste Zielland für Fusionen und Übernahmen.

Es gibt erste Anzeichen, dass der weltweite M&A-Markt seinen Höhepunkt überschritten hat. Dennoch bleibt aufgrund der guten Unternehmensdaten ein langsamer und kein abrupter Rückgang das wahrscheinlichste Szenario für die kommenden Jahre," sagt Zierz.

manager-magazin.de

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