EADS Kraftprobe mit Sarkozy

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy verhandeln am Montag um die Zukunft von EADS. Merkel wies vorsorglich einen stärkeren Einfluss des französischen Staats auf den Luftfahrtkonzern zurück. Auch um den Höhenflug des Euro gibt es Streit.

Toulouse - Nicolas Sarkozy ist kein Tandem-Fahrer. Das hat der französische Staatspräsident in den zwei Monaten seit seiner Amtseinführung bereits klar gemacht. Durch den neuen Mann im Élysée-Palast ist die EU zwar wieder in Schwung gekommen, und dem abgewürgten deutsch-französischen Reformmotor ist mit dem Brüsseler Durchbruch im Institutionenstreit der Neustart gelungen.

Aber Paris und Berlin steuern längst nicht immer in dieselbe Richtung. In manchen Fragen, etwa der europäischen Geldpolitik, stehen sie gar auf Kollisionskurs. Der erste deutsch-französische Gipfel von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Sarkozy am Montag in Toulouse verspricht daher Hochspannung.

Im Zentrum steht das Gerangel um den europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS . Der eilige Sarkozy dringt auf eine Abschaffung der deutsch-französischen Doppelspitze bei der Airbus-Mutter. Und er will den Aktionärspakt öffnen, damit Investoren frisches Geld für die Finanzierung neuer Flugzeuge geben und den Nachteil abfedern, der Airbus durch den starken Euro  entsteht.

Unmittelbar vor ihrem Besuch machte Kanzlerin Merkel allerdings deutlich, dass sie französischen Forderungen nach einem stärkeren staatlichen Einfluss auf die Airbus-Mutter EADS mehr als kritisch gegenübersteht. "Es geht darum, dass das Unternehmen nach unternehmerischen und nicht nach politischen Erwägungen geführt wird", sagte Merkel dem "Handelsblatt". Sie erinnerte daran, dass es bei der EADS-Gründung im Jahr 2000 gemeinsame Annahme gewesen sei, dass Frankreich seinen Staatsanteil verringere. "Realistisch ist allerdings, dass dies für den französischen Staat kurzfristig eher schwierig ist", räumte sie ein.

Der Konzern mit 116.000 Mitarbeitern wird seit seiner Gründung im Jahr 2000 von einem Deutschen und einem Franzosen geführt. Die Doppelstruktur war bislang Garant für das binationale Gleichgewicht, machte das Management aber auch komplizierter. "Dieses Nebeneinander muss beendet werden", forderte nach Sarkozy auch der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff in der "Neuen Presse".

Zankapfel Rekordeuro

Zankapfel Rekordeuro

Aber die Abschaffung der Doppelspitze ist ein Pokerspiel. Denn jede Seite hat ein nationales Interesse an dem Konzern. Die Lösung, die bis zum Montag am plausibelsten erschien: Der deutsche Co-Vorstandsvorsitzende Thomas Enders rückt alleine an die EADS-Spitze auf, sein bisheriger Partner Louis Gallois zieht sich aus dem EADS-Vorstand zurück, bleibt dafür Chef bei Airbus. Die bisherige Doppelspitze im Verwaltungsrat wird künftig alleine mit einem Franzosen besetzt. Als Kandidat gilt der bisherige Co-Chef des Kontrollgremiums, Arnaud Lagardère.

Paris und Berlin haben allerdings alle Berichte über eine bevorstehende Einigung zurückgewiesen. Insider gingen deswegen davon aus, dass in Toulouse möglicherweise nur eine Grundsatzerklärung verabschiedet wird mit dem Ziel, weiter auf ein "klassisches" Management bei EADS hinzuarbeiten.

Auch Merkel selbst dämpfte zu große Erwartungen an das Treffen mit Sarkozy. Es habe eine Reihe von Gesprächen zwischen den Anteilseignern gegeben, um effizientere Management-Strukturen zu finden. Es gehe darum, die EADS schlagkräftiger zu machen. "Unser Treffen in Toulouse kann dazu einen Beitrag leisten", sagte sie in dem Interview. Eine Vertagung der Personalentscheidung könnte als Schlappe für Sarkozy gedeutet werden, der schnelle Ergebnisse angemahnt hat. Zumal Berlin auch (noch) nicht am Aktionärspakt rütteln mag.

Weiterer Streitpunkt in Toulouse: Sarkozys Kritik am starken Euro. Der Präsident macht den Höhenflug der europäischen Einheitswährung für Schwierigkeiten der französischen Wirtschaft verantwortlich und beauftragte seine Wirtschaftsministerin Christine Lagarde, eine Strategie für eine EU-Politik zu entwickeln. Der Sinn: ein konjunkturpolitisches Gegengewicht zur Europäischen Zentralbank zu installieren. Selbstverständlich werde dies in Toulouse zum Thema, erklärte Sarkozy-Sprecher David Martinon.

In Berlin wird der starke Euro als Ausdruck für den Wiederaufschwung der europäischen Wirtschaft gesehen. Kanzlerin Merkel erteilte Sarkozys Versuch, den Druck auf die EZB zu erhöhen, eine klare Abfuhr: "Für Deutschland ist die Unabhängigkeit der EZB Grundlage für die Akzeptanz des Euro. Deshalb gibt es hier keinen Bewegungsspielraum", sagte die Kanzlerin dem "Handelsblatt". Die französische Zeitung "Le Figaro" schrieb unlängst: "Der Rekordeuro spaltet das deutsch-französische Paar."

Viel Diplomatie ist also gefragt, wenn Merkel und Sarkozy am Montag in Begleitung ihrer Außenminister in Toulouse zusammenkommen. Es wird das 28. Blaesheimtreffen, seit Altbundeskanzler Gerhard Schröder und Sarkozys Vorgänger Jacques Chirac im Januar 2001 in dem Elsass-Dorf bei Straßburg die regelmäßigen informellen Begegnungen starteten. Den Ort Toulouse hat Sarkozy diesmal ausgewählt. Mit einem Rundgang durchs dortige Airbus-Stammwerk beginnt der Gipfel.

Tobias Schmidt, ap