Angriff aus Asien Die neuen kalten Kriege

Die Globalisierung ist kein Spiel, in dem es nur Gewinner gibt, auch wenn uns die Globalisierungsfans in Wirtschaft und Wissenschaft das immer weismachen wollen. Auch hier gibt es Gewinner und Verlierer. Und ein Teil der Verlierer sitzt erstmals im Westen.

Der Kalte Krieg ist friedlich beendet worden. Die ideologischen Grabenkämpfe aus jener - inzwischen so fern erscheinenden - Zeit sind längst vorbei. Der Sozialismus oder Kommunismus kämpft nur noch auf Kuba und in Nordkorea ums Überleben.

Aber sonst hat der Kapitalismus in seinen unterschiedlichsten Ausprägungen gesiegt, selbst im formal noch kommunistischen China, das längst einem Manchester-Kapitalismus frönt. Brasilien und Indien haben ebenfalls ihre staatssozialistischen Träume begraben. Russland ist binnen kürzester Zeit vom Kommunismus zum Kapitalismus konvertiert.

Privatisieren, Liberalisieren, Deregulieren heißen die Schlagworte, die sich fast universal durchsetzen. Märkte werden geöffnet, Zölle gesenkt, Handelshürden eingerissen.

Plötzlich integrieren sich Staaten in die Weltwirtschaft, die sich vorher abgeschottet haben und nur spärlich am globalen Güteraustausch beteiligt waren. China ist vor fünf Jahren der Welthandelsorganisation WTO beigetreten, Indien und Russland werden es bald tun. So hat es der Westen immer gewollt.

Und nun wundert er sich über die Folgen. Er wundert sich, dass China ihn mit Exporten überschwemmt. Er wundert sich, dass Unternehmen aus China, Indien und Russland seine Unternehmen aufkaufen, und er wundert sich, dass diese aufstrebenden Länder immer mehr Rohstoffe brauchen und deswegen deren Preise drastisch steigen.

Die Globalisierung ist kein Spiel, in dem es nur Gewinner gibt, auch wenn uns die Globalisierungsfans in Wirtschaft und Wissenschaft das immer weismachen wollen. Auch hier gibt es Gewinner und Verlierer. Und ein Teil der Verlierer sitzt erstmals im Westen.

Drohende Verteilungskämpfe

Neue Verteilungskämpfe

Es sind vor allem die Arbeitnehmer, die ihre Arbeitsplätze verlieren. Es werden die Multis sein, die plötzlich Konkurrenz bekommen. Es sind alle, wenn die Rohstoffe immer knapper und deshalb teurer werden. Die Welt ist deshalb nach dem Ende des Kalten Krieges nicht friedfertiger geworden.

Im Gegenteil: Durch das Auftreten der neuen mächtigen Länder kommt es zu ganz neuen Formen von Verteilungskämpfen. Es drohen neue kalte Kriege um

Arbeitsplätze: Denn durch den Eintritt Chinas und Indiens steht dem globalen Arbeitsmarkt die unvorstellbare Zahl von rund drei Milliarden neuen Arbeitskräften zur Verfügung. Sie konkurrieren immer mehr mit denen im Westen, ob Fabrikarbeiter oder Büroangestellter.

Talente: Trotz Massenarbeitslosigkeit fehlen dem Westen zunehmend die nötigen Fachkräfte, um im weltweiten Innovationswettlauf mithalten zu können. Vor allem die USA "produzieren" viel zu wenige Ingenieure. Ganz im Gegensatz zu den asiatischen Ländern. Es droht ein War of Talents.

Ideen und Patente: Weil sich vor allem die Chinesen wenig um das Recht an geistigem Eigentum kümmern, wird es zunehmend Konflikte um Ideen und Patente geben.

Märkte: Bis vor kurzem beherrschten die großen Konzerne des Westens die globalen Märkte. Sie waren nahezu konkurrenzlos. Doch nun treten immer mehr Wettbewerber aus den neuen aufstrebenden Ländern Asiens auf. Es wird zu Kämpfen zwischen Multis (alt) gegen Multis (neu) kommen.

Rohstoffe: Die Auseinandersetzungen vor allem um Öl und Gas werden weiter zunehmen. Aus zwei simplen Gründen: Die Nachfrage steigt vor allem durch den Energiebedarf der beiden rasant wachsenden Mächte China und Indien enorm, und das Angebot an Öl geht langsam zurück. Der Peak scheint erreicht.

Diese drohenden Auseinandersetzungen haben unterschiedliche Eskalationsstufen. Nur eine Auseinandersetzung hat das Potenzial zum gewaltsamen Konflikt: Der Kampf um Öl und Gas. Denn Öl ist - so der Energieexperte Daniel Yergin - "die treibende Kraft der Industriegesellschaften und das Lebensblut der Zivilisationen". Und keine Nation kann überleben, wenn diese Blutzufuhr gestoppt wird. Also wird sie alles tun, um an das lebensnotwendige Öl zu kommen - notfalls mit Gewalt.

Globaler Wettbewerb um Jobs

Der globale Kampf um Arbeitsplätze

Die Firmenchefs und Unternehmer sagen es so brutal nicht, aber es ist in Wirklichkeit Erpressung: Wenn ihr nicht einer Arbeitszeitverlängerung und/oder einer Lohnkürzung zustimmt, verlagern wir einfach die Produktion, und eure Arbeitsplätze sind verloren.

Diese Forderung hören immer mehr Arbeitnehmer in Deutschland, Europa oder den USA. Viele Unternehmensführer ringen so ihren Beschäftigten Betriebsvereinbarungen ab und nennen sie Bündnisse für Arbeit, obwohl es in Wirklichkeit Bündnisse gegen Arbeit sind.

Sukzessive pressen Unternehmen ihren Mitarbeitern in den westlichen Ländern Zugeständnisse ab. Und die Arbeitnehmer können kaum Widerstand leisten. Ihre kurzen Streiks sind meist nur ein (Triller-)Pfeifen im Walde.

Eine soziale Errungenschaft nach der anderen - Pinkel-Pause, Weihnachtsgeld, 13. Gehalt - kassieren die Arbeitgeber wieder ein. Das ist inzwischen deutsche, westeuropäische und zum Teil auch nordamerikanische Wirklichkeit.

Der Grund: Der globale Kampf um die Arbeitsplätze hat längst begonnen. Die Arbeitsmärkte sind nicht mehr lokal, regional oder national, sie sind global.

Der Arbeiter in einer deutschen Handyfabrik konkurriert mit seinem "Kollegen" in China, der amerikanische Programmierer mit dem in Indien.

Das revolutionär Neue dabei ist, dass drei Milliarden Menschen als neue Wettbewerber auf den globalen Arbeitsmarkt strömen, nicht alle von heute auf morgen, aber in den nächsten Jahren und Jahrzehnten. Drei Milliarden! Das ist eine gewaltige Dimension. Das hat es bisher in der Weltwirtschaft noch nie gegeben.

"Anhaltender Druck auf die Löhne"

Überangebot an Arbeitskräften

Und diese Milliarden potenzieller Arbeitnehmer sind bereit, um fast jeden Preis Arbeit zu übernehmen. Allein in China wartet eine industrielle Reservearmee von zwischen 700 und 800 Millionen Menschen begierig darauf, ein paar Dollar am Tag zu verdienen.

"Angesichts dieser enormen Reservearmee ist es unwahrscheinlich, dass die Lohnkosten in China rasch ansteigen werden", glaubt der Wissenschaftler Dirk Messner. Das Gleiche gilt in etwas reduzierter Form auch für das Ein-Milliarden-Volk Indien.

Dieses globale Überangebot an Arbeitskräften hat zwei Folgen für die Arbeitnehmer im Westen. Erstens werden viele ihren Job verlieren, denn es wird zu weiteren Produktionsverlagerungen in jene hungrigen Länder kommen.

Und zweitens müssen diejenigen, die ihren Job noch nicht verloren haben, mit bestenfalls stagnierenden, meist jedoch mit sinkenden Reallöhnen rechnen. In Deutschland arbeiten nach Berechnungen des nordrhein-westfälischen Instituts Arbeit und Technik schon heute fast zehn Prozent der Beschäftigten für weniger als die Hälfte des Durchschnittslohns, also 7,38 Euro pro Stunde.

Der Anteil der verarmenden Arbeiter wird steigen. Denn es wird weiter einen "anhaltenden Druck auf die Löhne nach unten geben", sagt Laura Tyson, Ex-Chefin der London Business School. Sie prophezeite auf dem 2006er World Economic Forum in Davos sogar, dass dieser Zustand "mindestens die nächsten 25 Jahre andauern wird".

Auch die abgepressten Zugeständnisse aller Art machen die westlichen Arbeitnehmer nicht wettbewerbsfähiger, denn zu groß ist der Abstand zwischen ihren Löhnen und denen der Beschäftigten in den aufstrebenden Ländern. Die Arbeitnehmer hierzulande - ob im Blaumann, weißen Kittel oder auch im grauen Anzug - können den Wettlauf mit ihren asiatischen Konkurrenten nicht gewinnen. Ihre angebotene Arbeitskraft ist schlicht zu teuer.

"Wir müssen billiger und besser werden", fordert deshalb Ökonom Hans-Werner Sinn, Präsident des Münchner ifo-Instituts, in der Zeitung Das Parlament. Aber um wie viel billiger? Sollen die Löhne um 10, 20 oder gar 30 Prozent sinken?

Aufstand der Arbeitsplatzverlierer?

Aufstand der Arbeitsplatzverlierer?

Doch konkret werden die Lohndrücker-Theoretiker freilich nicht. Denn die Folge gravierender Lohnsenkungen wäre klar: "Wir verarmen, wenn wir asiatisch werden", sorgt sich ausgerechnet Porsche-Chef Wendelin Wiedeking im SPIEGEL.

Die westlichen Gesellschaften stecken in einem unauflöslichen Dilemma: Entweder sie senken die Löhne drastisch und nehmen damit eine partielle Verelendung in Kauf. Oder sie akzeptieren mehr oder weniger stagnierende Löhne und damit eine steigende Arbeitslosigkeit.

Aber wie viel Arbeitslosigkeit ertragen die westlichen Gesellschaften? Wie lange tolerieren die Arbeitnehmer des Westens die permanenten Produktionsverlagerungen, die ihre Jobs kosten und ihre Existenz gefährden? Wird es irgendwann zu einem Aufstand der Arbeitsplatzverlierer kommen?

"Die daraus resultierenden sozialen Spannungen sind eine tickende Zeitbombe", schreibt Kenneth Rogoff, Professor in Harvard, in der "Financial Times Deutschland". Eine Zeitbombe mit Sprengkraft, die die Gesellschaften des Westens schwer erschüttern kann.

Doch seltsam: Mit diesen zentralen Fragen beschäftigt sich kaum jemand in Deutschland. Weder die Politiker noch die Wissenschaftler. Die Politiker geben sich seit Jahren der Illusion hin, dass sie mit milliardenteuren arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen die Arbeitslosen von der Straße holen könnten. Aber weder mit Hartz IV noch mit einem imaginären Hartz VIII können sie dem Problem der Massenarbeitslosigkeit begegnen.

Und die überwiegend neoliberale Schar der Wirtschaftsprofessoren - fast alle im Besitz unkündbarer und gutdotierter Beamtenjobs - glaubt, dass man nur den Arbeitsmarkt reformieren müsste, dann wäre das Arbeitslosenproblem gelöst. So meint stellvertretend für diese Zunft Norbert Berthold, Professor an der Uni Würzburg, ernsthaft in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: "Auch in Zeiten der Globalisierung ist Vollbeschäftigung möglich."Man müsse nur die Löhne senken und "mehr Wettbewerb, vor allem auf den Arbeitsmärkten", zulassen.

Also weg mit dem Kündigungsschutz, den Tarifverträgen und dem ganzen Sozialklimbim. Doch selbst wenn man das alles abschaffen würde, wären die deutschen Arbeitnehmer immer noch nicht wettbewerbsfähig gegenüber ihren neuen Konkurrenten.

Buhlen um die klügsten Köpfe

War of Talents - Buhlen um die klügsten Köpfe

Viele kluge Köpfe kamen im vergangenen Jahrhundert in die USA, das gelobte Land. Darunter waren Genies wie Albert Einstein oder spätere Unternehmensgründer wie Samuel Goldwyn (Film), Helena Rubinstein (Kosmetik), Adolphus Bush (Bier) oder auch Finanzgurus wie George Soros.

Und auch zum Ende des 20. Jahrhunderts - in den Zeiten des Internetbooms - waren die USA Magnet für Technikfreaks aus aller Welt. So gründete der Russe Sergey Brin die Suchmaschine Google und der Taiwanese Jerry Yang den Konkurrenten Yahoo mit.

Ohne diese Mithilfe ausländischer Denker und Lenker wäre Amerikas Aufstieg nicht möglich gewesen. Ohne diese bekannten, aber vor allem ohne die Hunderttausende unbekannter Entrepreneure, Ingenieure, Tüftler und Wissenschaftler wären die USA nicht zu dem geworden, was sie heute - noch - sind: die führende Technologie- und Wirtschaftsmacht der Welt.

Doch diese Macht bröckelt. Es kommen immer weniger Ausländer mit hohem IQ ins einst gelobte Land. Aber nicht nur das. Es verlassen auch immer mehr kluge Köpfe das Land der tausend Möglichkeiten.

Dieser Reverse Brain Drain hat für die Vereinigten Staaten gravierende Folgen. "Die USA sehen sich nun der größten Herausforderung seit dem Beginn ihrer Industrialisierung gegenüber", schreibt Richard Florida in seinem Buch "The Flight of the Creative Class. The New Global Competition for Talent".

Der Historiker sieht die USA mittendrin in einem "neuen globalen Wettbewerb um Talente". Dieser Kampf - so Florida - werde in den nächsten Jahrzehnten die Welt radikal verändern. Denn der weltweite Wettbewerb der Zukunft gehe nicht mehr nur um Waren oder Dienstleistungen, sondern um Menschen, kluge Menschen - die so genannte Creative Class.

Wenn die Besten abwandern

Wenn die Besten abwandern

Florida taxiert diese globale Klasse der Kreativen auf 100 bis 150 Millionen Menschen. Um diese Elite kämpfen immer mehr Nationen, vor allem westliche und asiatische. Der Sieger heißt häufig nicht mehr USA, von Europa ganz zu schweigen. "Wir verlieren den Krieg um die Talente", sagt schon fast resignierend der ehemalige IBM-Chef Louis Gerstner gegenüber "Newsweek".

Die Regierung Bush hat ein großes Maß Mitschuld an dieser Entwicklung. Infolge des 11. Septembers verschärfte sie durch den Patriot Act of 2001 zusammen mit dem Border Security and Visa Reform Act of 2002 die Einreisebestimmungen. Die Folge: Immer weniger Studenten und Wissenschaftler dürfen und wollen in die USA. Zum ersten Mal in der amerikanischen Geschichte entscheiden sich Spitzenwissenschaftler aus dem Ausland nicht mehr in ausreichender Zahl für das einst so verheißungsvolle Land.

Besonders fatal ist, dass parallel zu dieser Entwicklung immer mehr in den USA lebende Ausländer dem Land den Rücken kehren. So haben in den vergangenen Jahren jeweils rund 200.000 Immigranten - darunter viele kluge Köpfe - die USA wieder verlassen.

Buchautor David Heenan warnt: "Wenn das so weitergeht, wird aus unserer Nation von Immigranten eine Nation von Emigranten. Wenn unsere besten Köpfe woanders hingehen, ist das der Anfang vom Ende der amerikanischen Ausnahmestellung."

Vor allem die Asiaten wandern aus. Sie kehren zurück in ihre boomenden Heimatländer - nach Südkorea, nach Taiwan, aber vor allem nach China und Indien. Die klugen Overseas Chinese in den USA werden schon seit Jahren von der Regierung in Peking umworben. Und viele folgten und folgen dem Ruf, geködert auch durch finanzielle Anreize.

Die Inder im Ausland - kurz NRI, Non-Resident Indians genannt - dagegen zögerten lange, zurückzukehren. Und die Regierung in Neu-Delhi kümmerte sich bis vor kurzem wenig um sie. Doch jetzt ist bei beiden ein Sinneswandel eingetreten. "(Premierminister) Singh sieht die 20 Millionen Inder im Ausland als eine Goldmine voll wissenschaftlichem Know-how", sagt David Heenan. Und so kehren immer mehr Inder in ihr boomendes Heimatland zurück.

Streit um Ideen und Patente

Streit um Ideen und Patente

Der QQ ist ein schlichter chinesischer Kleinwagen. Er kostet rund 4000 Euro und ist somit für viele Chinesen erschwinglich. Innerhalb von wenigen Jahren ist er zum beliebtesten Auto der Chinesen geworden. Der QQ ist also ein Erfolgsmodell.

Die Manager des US-Autokonzerns General Motors sehen das freilich anders. Für sie ist der QQ von der Autofirma Geely eine billige Kopie ihres Chevrolet Spark. Sie gehen deshalb mit allen rechtlichen Mitteln gegen die vermeintlichen chinesischen Fälscher vor. Bislang vergeblich.

Ja, die Chinesen sind begnadete Kopierer. Sie sind in dieser Disziplin viel besser als früher die Japaner. Und sie sind weniger skrupulös. Ihr Schuldbewusstsein hält sich in Grenzen. Eigentumsrechte sind für sie ein imaginäres, schwer zu fassendes Gut. "Der Gedanke, dass die Idee, also ein immaterieller Wert, der Besitz lediglich einer Person oder einer Gruppe von Menschen sein könnte, widerspricht dem konfuzianischen Gedankengut völlig", schreibt Hans-Joachim Fuchs in seinem Buch "Piraten, Fälscher und Kopierer".

Die Chinesen kopieren deshalb munter weiter. Hemden von Ralph Lauren, Schuhe von Adidas, Software von Microsoft, DVDs von Warner Brothers, Maschinen von Trumpf und Autos von Toyota. Amerikanische und europäische Unternehmen regen sich über solche Dreistigkeiten mächtig auf. Deshalb gehören bei jedem westlichen Politikerbesuch in China mahnende Worte zur gefälligen Beachtung der Intellectual Property Rights (IPR) zum Standardprogramm.

Doch vor allem die Amerikaner haben keinen Grund, sich zum Moralapostel in dieser Frage aufzuschwingen. Wenn sie nämlich in die Gründerjahre ihrer Republik zurückblicken würden, hätten sie ein Déjà-vu-Erlebnis. Denn: "Amerikaner und Europäer, die sich derzeit über ausländischen Wissensklau aufregen, vergessen dabei, dass es vor 200 Jahren genau andersherum lief." Diese überraschende wie unbequeme Wahrheit stammt von dem US-Historiker Doron Ben-Atar.

Er hat in seinem Buch "Trade Secrets: Intellectual Piracy and the Origins of American Industrial Power" sehr eindrucksvoll beschrieben, wie der Erfolg der amerikanischen Industrialisierung Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf der Missachtung von Urheberrechten und auf Industriespionage basierte.

Opfer der Amerikaner waren damals die Briten, die in jener Zeit die wirtschaftlich fortschrittlichste Nation der Welt bildeten. Ihnen klauten die Amerikaner - unterstützt von der Regierung - Ideen und Produkte.

Das Resümee von Ben-Atar muss chinesischen Politikern in den Ohren klingeln: "Das historische Beispiel der USA zeigt, dass Industriespionage der Königsweg zum wirtschaftlichen Erfolg ist."

In den rund 250 Jahren seit Beginn der Industrialisierung hat es immer Ideenklau und Wirtschaftsspionage gegeben. Lange Zeit tobte dieser Wirtschaftskrieg fast nur unter den arrivierten Staaten im Westen: Amerikaner gegen Europäer, Franzosen gegen Deutsche. Doch nun wird der Westen zum ersten Mal von einer asiatischen Großmacht attackiert - und das Geschrei ist plötzlich groß.

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