Siemens Bauleiter gibt Schmiergelder zu

Ein ehemaliger Manager der Siemens-Gebäudetechniksparte hat Scheinrechnungen zugegeben. Das sei gang und gäbe, verteidigte er sich vor Gericht. Das Schmiergeld sei nötig gewesen, um einen Auftrag einer Deutsche-Bank-Tochter zu erhalten.

Frankfurt am Main - Ein früherer Siemens-Manager hat vor Gericht Schmiergeldzahlungen für Gebäudewartungsverträge eingeräumt. Der ehemalige Beschäftigte der Siemens-Gebäudetechniksparte SBT gab am Dienstag vor dem Frankfurter Landgericht zu, Scheinrechnungen über mehrere Hunderttausend Euro ausgestellt zu haben.

Er habe unter Druck gestanden, Schmiergelder zu zahlen, sagte der Angeklagte. Ohne die Bestechung hätte er den Auftrag für Räume der Deutschen Bank  in einem Frankfurter Wolkenkratzer zwischen 2001 und 2003 nicht bekommen. "Das ist gang und gäbe", sagte der Beschuldigte. "Entweder du kennst jemanden oder du bezahlst jemanden."

Ein früherer Mitarbeiter der Deutsche Bank Asset Management ist im Zusammenhang mit den gezahlten Bestechungsgeldern bereits zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Der 44-jährige Ex-SBT-Manager erklärte, rund ein Drittel der Beträge auf den gefälschten Rechnungen sei an die Personen gegangen, die diese verlangt hätten. Er selbst habe bis zu 40.000 Euro für sich behalten.

Zudem habe er Einladungen zu Segelurlauben und Goldmünzen von seinen Geschäftspartnern angenommen, die auch Handys für seine Mitarbeiter bezahlt hätten, als der Siemens-Weihnachtsbonus ausblieb. Seine Vorgesetzten hätten nichts von den Praktiken gewusst, sagte der Angeklagte. "Sie haben sich nicht dafür interessiert."

Das Urteil wird für den 26. Juli erwartet. Die Staatsanwaltschaft rechnet mit einer Haftstrafe von etwa zwei Jahren. Der Siemens-Konzern  ringt noch immer mit den Folgen einer Serie von Korruptionsfällen, die das Traditionsunternehmen im vergangenen Monaten erschütterten. Insgesamt hat Siemens gut 420 Millionen Euro an Zahlungen auf den Prüfstand gestellt. Im Zuge der Schmiergeldaffäre räumten Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer und Konzernboss Klaus Kleinfeld ihre Posten.

In einem anderen Fall wurden zwei Manager der Kraftwerkssparte Mitte Mai zu hohen Geldstrafen und Haft auf Bewährung verurteilt. Nach Überzeugung des Darmstädter Landgerichts hatten sie im Kampf um Aufträge zwei Mitarbeiter des italienischen Energiekonzerns Enel  mit sechs Millionen Euro bestochen. Gegen das Urteil wurde Revision eingelegt.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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