Deutsche Bahn Mehdorn nennt Streiks "unbotmäßig"

Die Warnstreiks der Lokführer sind vorzeitig gestoppt worden. Aus der Gewerkschaft GDL kamen widersprüchliche Aussagen, ob sie auf Einstweilige Verfügungen der Gerichte oder auf Druck der Arbeitgeber reagierten. Vor den Verhandlungen am Freitag sind die Fronten genauso verhärtet wie zuvor.

Frankfurt am Main - Trotz richterlichen Verbots hat ein zweiter Warnstreik der Lokführer am Dienstagvormittag erneut den Nahverkehr in den deutschen Ballungsgebieten lahm gelegt. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) ignorierte die Einstweiligen Verfügungen mit der Begründung, dass sie ihr nicht rechtzeitig zugestellt worden seien.

Gleichwohl brach die GDL den Ausstand in Nordrhein-Westfalen um 8.40 Uhr und im übrigen Bundesgebiet um 10.15 Uhr vorzeitig ab. Der Warnstreik hätte ursprünglich bis 11.00 Uhr dauern sollen. Arbeitsrichter in Düsseldorf und Mainz hatten das Verbot der Warnstreiks damit begründet, dass der Ausstand gegen die Friedenspflicht verstoße, weil die GDL neben Entgelterhöhungen auch die Abänderung ungekündigter Tarifverträge verlange.

Am kommenden Freitag treffen sich Spitzenvertreter von GDL und Bahn zu Verhandlungen über die Forderungen der Lokführer. Die Gewerkschaft verlangt neben Entgeltanhebungen von bis zu 31 Prozent vor allem einen eigenen Spartentarifvertrag für das Fahrpersonal der Bahn, der von dem Unternehmen jedoch strikt abgelehnt wird.

Während der Vorsitzende des GDL-Bezirks Nord, Norbert Quitter, der Nachrichtenagentur AP bestätigte, dass die Gewerkschaft mit dem Abbruch des Ausstandes auf die Arbeitsgerichtsentscheidungen reagiert habe, nannte eine GDL-Sprecherin den massiven Druck von Vorgesetzten als Grund für die Streikverkürzung. So seien Lokführer mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen bedroht worden. Die vorzeitige Beendigung des Ausstandes habe auch dazu beitragen sollen, die Streikenden zu schützen. Im übrigen sei das Ziel erreicht worden, den Schienenverkehr flächendeckend stillzulegen.

Laut Bahnvorstand hatte der Ausstand der Lokführer am Dienstagvormittag erhebliche Auswirkungen auf den Zugverkehr. Insgesamt seien 140 Züge blockiert worden, die S-Bahnen nicht mitgerechnet. Betroffen waren nach diesen Angaben der Nahverkehr im Rhein-Main-Gebiet, in Berlin, München, Hannover, Stuttgart, Hamburg sowie in der Region Rhein-Neckar. Im Fernverkehr seien in Hessen einige Züge ausgefallen, außerdem in Berlin, Hannover und Hamburg.

Mehdorn: "Es gibt nichts anderes"

Bahnchef Hartmut Mehdorn lehnte in Berlin Zugeständnisse an die Lokführer-Gewerkschaft strikt ab, nannte den Streik "unbotmäßig" und kündigte die Prüfung von Schadensersatzforderungen gegen die GDL an. Er werde der Lokführergewerkschaft das Angebot vorlegen, mit dem die beiden anderen Gewerkschaften Transnet und GDBA am Montag abgeschlossen hätten. "Es gibt nichts anderes", sagte Mehdorn. Auch ein eigener Tarifvertrag stehe am Freitag nicht zur Diskussion.

Der GDL-Vorsitzende Manfred Schell zeigte sich skeptisch, ob es am Freitag schon Fortschritte geben werde. Die GDL erwägt nach eigenen Angaben eine Urabstimmung zur Aufnahme eines regulären Streiks, sollte sich die Bahn nicht kompromissbereit zeigen. Zugleich will sie nach den Worten einer Sprecherin Berufung gegen die Warnstreikverbote einlegen. Am Montag hatten die Gewerkschaften Transnet und GDBA mit dem Bahnvorstand eine Tariferhöhung von 4,5 Prozent mehr Entgelt und eine Einmalzahlung von 600 Euro bei einer Laufzeit von 19 Monaten vereinbart. Dem Kompromiss waren ebenfalls Warnstreiks vorausgegangen.

manager-magazin.de mit Material von ap

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