Siemens Löschers 100-Tage-Programm

Er wolle für klare Verhältnisse sorgen. Bei seinem ersten offiziellen Auftritt als Siemens-Chef gab Peter Löscher am Donnerstag einen Einblick in seine dringlichsten Pläne. Dem Münchener Konzern steht ein umfassender Umbau der Führungsriege bevor.

Berlin - Der heutige Donnerstag ist der bislang bedeutendste Tag für Peter Löscher. Im noblen Berliner Grand Hyatt Hotel tritt er heute zum ersten Mal als neuer Siemens-Chef offiziell vor die Presse.

Im Grand Ballroom A steht Löscher auf einer kleinen Bühne, im Hintergrund ein überdimensionales Foto der Siemensstadt in Berlin. Die Besucher stehen um etwa 50 Tische, die mit orangefarbenen Rosengestecken geschmückt sind.

Zunächst macht Gerhard Cromme, Chefaufseher des Konzerns, einmal mehr deutlich, dass Peter Löscher sein Wunschkandidat ist - der Mann, der den affärengeplagten Siemens-Konzern  wieder auf Vordermann bringen soll. "Er verfügt über die Eigenschaften, die Siemens stark gemacht haben", schmeichelt Cromme, "und für die Siemens steht: Internationalität, Wandlungskraft und Traditionsbewusstsein".

"Für klare Verhältnisse sorgen"

Dann wird Löscher einen Einblick in seine Pläne für die ersten 100 Tage seiner Amtszeit geben. Der Schwerpunkt liege auf den fünf Themen Führungskultur und Organisationsstruktur, Wachstumsmärkte, Innovationskraft, Geschäftsportfolio und Compliance. "Der Vorstand wird für klare Verhältnisse sorgen", verspricht Löscher, "und zwar schnell und entschlossen". Siemens solle transparenter, weniger komplex, schneller und effizienter werden.

Löscher betont erneut, die Korruptionsaffäre rückhaltlos aufklären zu wollen: "Spitzenleistung und Ethik - das ist kein Gegensatz, das ist ein Muss." Die Funktion des Chief Compliance Officers solle mit einem international erfahrenen Experten von außen besetzt werden. Kürzlich hatte Siemens mitgeteilt, sich zum 1. Juli von seinem bisherigen Antikorruptionschef Daniel Noa zu trennen.

Darüber hinaus will Löscher die Struktur des Vorstands vereinfachen. Die Verantwortlichkeiten, so der Siemens-Chef, sollten eindeutiger erkennbar werden. Der Zentralvorstand werde sich die Aufstellung der Bereiche, der Regionalgesellschaften und die Aufgaben der Zentrale "genau ansehen". Im Herbst will Löscher dem Aufsichtsrat die Schlussfolgerungen vorstellen.

Eine Welttournee zum Auftakt

Eine Welttournee zum Auftakt

"Was wir wollen und brauchen, ist eine Teamkultur, ein schnelles und effizientes Mannschaftsspiel", sagt Löscher, der früher einmal Kapitän der österreichischen Volleyball-Nationalmannschaft war.

Wie der Münchener Konzern im Fall des Automobilzulieferers VDO verfahren wird, soll laut Löscher noch im Sommer entschieden werden. Bislang ist ein Börsengang der Siemens-Tochter geplant. Der Hannoveraner Konzern Continental  allerdings würde VDO gern kaufen.

Zunächst plant Löscher eine Art Vorstellungstournee. Nach einer Stippvisite in Österreich will er in nächster Zeit zuerst in die Wachstumsmärkte China, Indien und Japan reisen, um die dortigen Siemens-Vertretungen zu besuchen. Danach sind Reisen nach Russland und in die Golf-Region vorgesehen.

Auch am heutigen Tag ist der Zeitplan straff. Am Nachmittag trifft Löscher gemeinsam mit Aufsichtsratschef Cromme Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Später lässt Löscher sich von Cromme in die Gesellschaft der wichtigsten deutschen Strippenzieher einführen: CEO und Oberkontrolleur besuchen die Corporate-Governance-Konferenz.

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