Norddeutsche Affinerie Was nun, Herr Marnette?

Der Industrielle Mirko Kovats hat seinen Anteil an der belgischen Kupferhütte Cumerio auf über 20 Prozent erhöht. Der Österreicher durchkreuzt damit die Übernahmepläne der Norddeutschen Affinerie. Kovats Ziele wirken widersprüchlich. Ein Treffen der Kontrahenten am Donnerstag sollte für Klarheit sorgen, doch Kovats sagte überraschend ab.

Hamburg - Der österreichische Industrielle Mirko Kovats hat im Ringen um die Neuordnung der europäischen Kupferindustrie die Oberhand gewonnen. Durch die Aufstockung des Anteils an der belgischen Cumerio auf 20,9 Prozent durchkreuzte er das Ziel der Norddeutschen Affinerie (NA) , mindestens 80 Prozent an der Kupferhütte zu erwerben. "Damit sollte das Übernahmeangebot von NA für Cumerio gegessen sein", sagte Analyst Heino Ruland von Steubing.

Bei der NA herrschte am Mittwoch Ratlosigkeit. "Wir müssen das Gespräch mit Herrn Kovats am Donnerstag abwarten", sagte eine Sprecherin des Hamburger Unternehmens am Nachmittag. Doch dann sagte Kovats am Abend das in Wien geplante Treffen mit NA-Chef Werner Marnette überraschend ab. In dem Gespräch wollte Marnette den kritischen Aktionär von einer Fusion der NA mit Cumerio überzeugen.

Um die Übernahme doch noch durchzusetzen, halte man sich alle Optionen offen, betonte die NA am Mittwochabend. Analysten spekulieren auf eine Kapitalerhöhung, die den Anteil von Kovats an der NA - inzwischen 15 Prozent - verwässern würde und ihn damit finanziell unter Zugzwang brächte, oder den Kauf von A-Tec-Aktien durch die NA.

Kovats aber will offenbar das große Rad drehen. Am Dienstagabend enthüllte er erstmals seine Absichten, die er mit dem Einstieg bei der Norddeutschen Affinerie und der von ihr umworbenen belgischen Kupferhütte Cumerio angeblich verfolgt. Der von ihm gegründete Mischkonzern A-Tec, der mit den Montanwerken Brixlegg selbst in der Branche aktiv ist, teilte mit, er wolle in die Bildung eines neuen Kupfer-Konglomerats in Europa eingebunden werden. Neben Cumerio könnte darin auch die NA aufgehen.

Kovats Engagement erscheint widersprüchlich

Nach Berechnungen der "Financial Times Deutschland" hat Kovats aber schon deutlich mehr als 300 Millionen Euro in seine Kupfer-Engagements investiert und ist finanziell limitiert. Analysten zweifeln zudem an, ob ein großer Zusammenschluss vor dem europäischen Kartellrecht bestehen kann.

Vor diesem Hintergrund erscheint Kovats Engagement widersprüchlich, zumal er NA-Chef Marnette öffentlich vorwarf, dessen Gebot von 30 Euro je Cumerio-Aktie sei zu hoch, aber vermutlich für den gleichen Preis jetzt selbst Cumerio-Aktien eingesammelt hat.

"So etwas habe ich noch nicht erlebt", sagte ein altgedienter Analyst am Mittwoch. Die Auseinandersetzung trage inzwischen den "Charakter eines Kleinkrieges".

Die Hamburger hielten zuletzt gut 10 Prozent an Cumerio. Mit 30 Euro je Aktie beläuft sich das Angebot an die übrigen Aktionären auf insgesamt knapp 780 Millionen Euro und liegt damit rund 30 Prozent höher als der durchschnittliche Cumerio-Kurs der vergangenen drei Monate. Am Mittwoch lag der Aktienkurs von Cumerio mit 30,50 Euro über der NA-Offerte. Bei diesem Kurs dürften der NA kaum Papiere zum Kauf angeboten werden, vermutete Analyst Eggert Kuls vom Bankhaus MM Warburg.

Eine Einigung ist nach Einschätzung von Experten nur dann möglich, wenn auch die A-Tec ihre Kupferaktivitäten in eine Dreierallianz einbringen kann. Dafür kann Kovats nun die Bedingungen diktieren. Zusammen mit Brixlegg und seinem Anteil an der NA bekäme er rund 25 Prozent an einer neu zu gründenden Kupfergesellschaft. Kovats könnte damit Vorstand und Aufsichtsrat bestimmen. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich Dr. Marnette darauf einlässt", sagte Analyst Kuls.

Affinerie könnte den Spieß noch umdrehen

Ein Druckmittel für die NA wäre, ihr Angebot zurückzuziehen. Der Cumerio-Kurs würde dann einbrechen und das Paket der A-Tec an Wert verlieren, erklärte Kuls. Möglich sei auch, dass die NA ihr Kapital signifikant erhöhe und Kovats finanziell unter Druck setze. Die NA könne auch den Spieß umdrehen und selbst Aktien von A-Tec kaufen. Das Hamburger Unternehmen wollte sich zu diesen Varianten nicht äußern.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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