Montag, 16. September 2019

Siemens Löscher wirbt um Vertrauen

Der neue Siemens-Chef Peter Löscher wirbt in einem Brief an die Mitarbeiter um deren Vertrauen. Er sei zuversichtlich, dass der Konzern "letztlich gestärkt" aus den Korruptionsaffären hervorgehe. Unterdessen ermittelt einem Medienbericht zufolge auch die Weltbank in Washington gegen Siemens.

München - Der neue Siemens-Chef Peter Löscher hat in einem Brief an die Mitarbeiter um deren Vertrauen geworben. "Die Zukunft liegt in unserer Hand", zitierte die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" aus dem Schreiben. "Ich versichere Ihnen, dass ich einen offenen Kommunikationsstil zu Ihnen pflegen werde", versprach Löscher. "Die Mitarbeiter sind entscheidend für den Erfolg des Unternehmens, und Ihnen gebührt besondere Zuwendung und Aufmerksamkeit."

Siemens-Chef Löscher: "Die Zukunft liegt in unserer Hand"
Siemens Börsen-Chart zeigen sei ein großartiges Unternehmen, mit hervorragenden Mitarbeitern, beeindruckenden Produkten und einer einzigartigen Geschichte. Er sei daher zuversichtlich, dass der Konzern "letztlich gestärkt" aus den Korruptionsaffären hervorgehen werde, schrieb der Siemens-Chef weiter. "Wir können mit Siemens noch erfolgreicher werden. Dazu müssen wir alle zusammenarbeiten. Ich werde meinen Teil dazu beitragen und vertraue auch in Ihr Engagement, Ihr Wissen, Ihre Kraft."

Löscher war im Mai zum Nachfolger für Klaus Kleinfeld bestimmt worden und trat sein Amt als Vorstandsvorsitzender an diesem Sonntag an.

Weltbank überprüft Kraftwerksprojekt

Unterdessen berichtete DER SPIEGEL, dass die Weltbank in Washington gegen Siemens ermittele. So soll ein Ermittler der Bank bereits im Februar in die bayerische Landeshauptstadt gereist sein.

In einem Gespräch mit Münchner Staatsanwälten, die seit November vergangenen Jahres mögliche Schmiergeldzahlungen des Konzerns in dreistelliger Millionenhöhe untersuchen, wollte der Fahnder aus Washington wissen, ob bei den bisherigen Ermittlungen auch Projekte der Weltbank eine Rolle spielten. Entsprechende Gespräche bestätigte der Leitende Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld dem SPIEGEL.

Die Washingtoner Ermittler untersuchen unter anderem ein Kraftwerksprojekt in Pakistan, das Ende der neunziger Jahre abgeschlossen wurde. Sie gehen dem Verdacht nach, ob die von der Weltbank mitfinanzierte und von Siemens gebaute und später mitbetriebene Anlage überhöht abgerechnet wurde.

Es geht um einen dreistelligen Millionenbetrag. Siemens erklärt, im Jahr 2004 habe sich ein ehemaliger Mitarbeiter mit Vorwürfen zu dem Projekt an das Unternehmen gewandt. Die Vorwürfe seien damals geprüft worden, man habe jedoch "keine Hinweise" auf mögliche Verfehlungen gefunden, sagte ein Sprecher dem Magazin.

manager-magazin.de mit Material von dpa und dpa-afx

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