Bahn-Streik Auf dem Weg nach nirgendwo

Deutschlands Lokführer wollen die Bahn lahmlegen. Ein Streik ab Montag ist wahrscheinlich, Bahn-Chef Hartmut Mehdorn will nicht auf die Lohnforderung eingehen. Die allerdings übertreffen teils selbst die historisch hohen Gehaltssteigerungen während des Wirtschaftswunders. Hunderttausende Pendler müssen mit Verspätungen rechnen.

Berlin - Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hat ihre Streikdrohung gegen die Deutsche Bahn bekräftigt. Der Vorsitzende der Gewerkschaft, Manfred Schell, sagte, der Streik sei praktisch nicht abwendbar. "Wer über 130 Tage mit uns nicht verhandeln will, wird in den letzten drei Tagen nichts mehr daran ändern können", sagte Schell im ARD-"Morgenmagazin".

Allerdings müssen sich Gewerkschafter und Bahn-Angestellte über das bissige Schweigen des Bahn-Vorstands nicht wundern. Die GDL verlangt für einige Lohngruppen Steigerungen bis zu 31 Prozent. So viel hat es nicht mal während des Wirtschaftswunders gegeben, und damals stand die Bundesrepublik bei Weitem nicht so stark im internationalen Wettbewerb wie heute. Im Schnitt fordern Transnet und GDBA 7 Prozent mehr Lohn, mindestens aber 150 Euro mehr. Auch das ist erheblich mehr, als beispielsweise in der Metall- und Elektroindustrie gezahlt wird. Und deren Firmen haben ihre Wettbewerbsfähigkeit in den vergangenen Jahren erheblich stärker verbessert als die Bahn.

Das Bahn-Management hat den Gewerkschaften dann auch in der ersten Runde der Tarifverhandlungen vor einer Woche kein Angebot unterbreitet, die Gespräche waren nach zwei Stunden vertagt worden. Bahn-Chef Mehdorn wies die Lohnforderungen anschließend als "extrem hoch" zurück und sagte, er rechne mit einem Streik, und der scheint jetzt kommenden Montag zu beginnen.

"Wir werden dann sagen, wann wir was zu welcher Stunde tun, damit die Bahn-Kunden sich darauf einstellen. Das ist nun mal ein Handicap, dass wir nicht den Vorstand, sondern die Kundschaft bestreiken", sagte GDL-Chef Schell. Leider gebe es aber kein anderes Mittel.

Die Tarifverhandlungen der Bahn mit den Gewerkschaften Transnet und GDBA - die GDL nahm nicht teil - für die rund 134.000 Bahn-Beschäftigten wurden in Frankfurt am Main fortgesetzt, gegen 15.30 Uhr aber ohne Ergebnis abgebrochen. Die Bahn bot am Dienstag jeweils zwei Prozent Entgelterhöhung zum 1. Januar 2008 und zum 1. Juli 2009 plus eine Einmalzahlung von 300 Euro bei einer Laufzeit von 30 Monaten an.

Die Tarifgemeinschaft aus den Gewerkschaften Transnet und GDBA lehnte das als "Almosen" ab. Sie fordert sieben Prozent, mindestens aber 150 Euro mehr. Die Unterhändler trennten sich nach etwa dreistündigen Verhandlungen ohne neue Terminvereinbarung. Die Arbeitgeberseite betonte allerdings, sie sei an einem weiteren Gespräch noch vor Ende der Friedenspflicht interessiert. Transnet-Sprecher Michael Klein erwiderte, die Gewerkschaften warteten ab, "worüber und vor allem wann" solche Gespräche stattfinden sollten.

manager-magazin.de mit Material von reuters und vwd