Energiemarkt Ende einer Dienstreise

Der Ölkonzern BP hat die Kontrolle über eines der weltgrößten Gasfelder an den russischen Monopolisten Gazprom abgegeben - auf Druck Russlands und deutlich unter Wert, glauben Experten. Damit setzt Russland die Verstaatlichung seiner Energiewirtschaft fort. Und das dürfte auch einem deutschen Unternehmen Sorgen bereiten.

Moskau - Der Ölriese BP  muss seine Förderlizenz für eines der größten Gasfelder der Welt an den russischen Konkurrenten Gazprom  abgeben. Damit hatte Russland dem britischen Unternehmen seit langem, weil die Förderung im russischen Kowykta-Feld angeblich hinter den Vorstellungen der Regierung um Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin zurückblieb; die Kowykta-Vorkommen in Sibirien reichen aus, um die ganze Welt fast ein Jahr lang mit Gas zu versorgen. Jetzt haben die BP-Manager endgültig einen Schlussstrich unter ihr Milliarden-Geschäft ziehen müssen.

BP erhielt als Teil der Einigung mit Gazprom die Option, einen 25-prozentigen Anteil an dem Gasfeld zu einem späteren Zeitpunkt zu kaufen - zu einem "unabhängig überprüften Marktpreis". BP vereinbarte gleichzeitig eine breit angelegte internationale Kooperation mit Gazprom. Die beiden Firmen wollen gemeinsam in langfristige Energieprojekte investieren und auf globaler Ebene Firmenteile austauschen. Dabei gehe es zunächst um Projekte im Wert von mindestens drei Milliarden Dollar, erklärte BP-Chef Tony Hayward, der eine gute Miene zum bösen Spiel machte: "Diese historische Einigung legt den Grundstein für eine kraftvolle Kooperation zwischen BP und Gazprom."

Ende vergangenen Jahres hatte Gazprom bereits den BP-Rivalen Royal Dutch Shell nach einem monatelangen Streit aus dem weltgrößten Flüssiggasprojekt Sachalin 2 gedrängt. Damals hatte der Kreml den ausländischen Investoren ebenfalls mit einem Entzug der Lizenz gedroht und dies mit Verstößen gegen den Umweltschutz begründet. Die russische Regierung hat in den vergangenen Jahren das lukrative Geschäft mit Öl und Gas fast komplett unter ihre Kontrolle gebracht.

Derzeit drohen auch Deutschlands größtem Energiekonzern Eon  weitere Gespräche mit Gazprom über ein gemeinsames Gasprojekt. Gazprom will jetzt offenbar doch mehr Geld von Eon für die Beteiligung des Düsseldorfer Konzerns an einem weiteren russischen Gasfeld. Eon ist allerdings nicht das einzige deutsche Unternehmen, das an diesem Geschäft beteiligt ist. Auch BASF  hält Anteile daran.

manager-magazin.de mit Material von reuters