Talanx "Erste Wolken am Himmel"

Nach seinem jüngsten Rekordergebnis will der Talanx-Konzern auch im laufenden Jahr zulegen. Der drittgrößte deutsche Versicherer, der vergangenes Jahr den Kölner Konkurrenten Gerling übernommen hat, rechnet mit wachsenden Beitragseinnahmen. Einziger Wermutstropfen: Der Wettbewerb wird schärfer.

Hannover - Der drittgrößte deutsche Versicherungskonzern Talanx will nach einem Rekordjahr 2006 auch das laufende Jahr mit neuen Höchstmarken abschließen. Einer der Wachstumstreiber sei dabei das Geschäft mit Lebensversicherungen, berichtete Talanx-Chef Herbert Haas heute in Hannover. Hier werde bei den deutschen Konzerngesellschaften ein Anstieg der Beitragseinnahmen von 10,7 Prozent auf über 5 Milliarden Euro erwartet.

Insgesamt aber nehme der Wettbewerb in vielen Bereichen deutlich zu - auch mit der Möglichkeit von Prämienverlusten. "2006 hatten wir noch einen blank geputzten Himmel, 2007 zeigen sich erste Wolken", sagte Haas.

Haas rechnet für 2007 insgesamt mit einem Anstieg der Beitragseinnahmen von 1,4 Prozent auf 20 Milliarden Euro. Das Vorsteuerergebnis (Ebit) werde abermals um über 5 Prozent wachsen. 2006 war das Ebit trotz Integrationskosten von 166 Millionen Euro für den 2006 für insgesamt 1,4 Milliarden Euro übernommenen Kölner Gerling-Konzern erstmals über die Milliardengrenze (1,3 Milliarden Euro) gestiegen, nach 521 Millionen im Vorjahr. Der Konzerngewinn nach Steuern nahm um mehr als 60 Prozent auf knapp 394 Millionen Euro zu.

Belastung durch Kyrill

Die Bruttoprämie stieg 2006 um 26 Prozent auf 19,4 Milliarden Euro. Gründe seien sowohl die Fusion mit Gerling als auch eigenes Wachstum. Auch ohne den Gerling-Konzern, der sechs Millionen Versicherungsverträge mit in den Zusammenschluss gebracht habe, seien die Beitragseinnahmen um über 5 Prozent gewachsen. Eine sehr geringe Großschadenquote von 2 Prozent habe zu der positiven Entwicklung beigetragen. 2005 hatten Milliardenschäden nach mehreren Hurrikans in den USA den Versicherern das Geschäft verhagelt. In diesem Jahr rechnet Talanx durch den Wintersturm Kyrill mit einer Belastung von 191 Millionen Euro.

Zur Talanx-Versicherungsgruppe gehören neben Gerling auch der Industrieversicherer HDI und die Hannover Rückversicherung. Die Gruppe ist weltweit in 150 Ländern aktiv.

Börsengang bleibt ein Thema

Bei der Gerling-Fusion sei man auf der Zielgeraden, sagte Haas. Betriebsbedingte Kündigungen habe es bisher nicht gegeben. Aber ungefähr 2000 Beschäftigte - vor allem in Köln - seien von örtlichen Veränderungen betroffen. Es habe deshalb rund 230 Kündigungen gegeben. An Integrationskosten werde in diesem Jahr noch ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag anfallen.

Auch ein Börsengang sei weiterhin Thema. "Die Frage ist nicht, ob, sondern, wann er kommt", sagte Haas. Dies sei nur sinnvoll, wenn Mittel für weitere Zukäufe benötigt würden. Talanx müsse überdies auch ein "Alleinstellungsmerkmal" geltend machen können. So weit sei man noch nicht. Für weitere Zukäufe liefen Gespräche etwa in Mittel- und Osteuropa, aber auch eine Ausweitung des Geschäfts in Asien und Südamerika sei denkbar. Konkrete Verhandlungen gebe es aber bisher nicht. Die Auslandsgesellschaften entwickelten sich "sehr dynamisch". Haas bestätigte erneut auch ein Interesse an der Postbank-Tochter BHW Leben. Im Detail wollte er sich dazu aber nicht äußern.

manager-magazin.de mit Material von dpa