Otto Rekordgewinn zum Abschied

Im Oktober beginnt bei der Otto Group eine neue Ära: Nach 26 Jahren verlässt Michael Otto den Chefposten beim Versandhandelskonzern. Zum Abschied präsentierte er das beste Jahresergebnis der bisherigen Unternehmensgeschichte - wobei das Kerngeschäft etwas schwächelte.

Hamburg - Der langjährige Vorstandschef Michael Otto verabschiedet sich mit einem Rekordergebnis von der Kommandobrücke des Handels- und Dienstleistungskonzerns Otto. Die Otto Group konnte im abgelaufenen Geschäftsjahr 2006/07 (28.2.) den Umsatz um 4,7 Prozent auf 15,25 Milliarden Euro steigern, teilte das Unternehmen heute in Hamburg mit. Der Gewinn vor Steuern erhöhte sich um 10,6 Prozent auf 507 Millionen Euro, den höchsten Wert in der Geschichte des Konzerns.

"Als ich 1971 in den Vorstand kam, hatten wir gerade eine Milliarde Mark Umsatz erreicht", erinnerte sich Michael Otto bei der Vorlage der Jahresbilanz. "Da ist es natürlich schön, wenn wir jetzt den gleichen Betrag als Gewinn haben." Nach 26 Jahren als Vorstandschef will sich Otto im Oktober auf die Position des Aufsichtsratschefs zurückziehen und die operative Leitung des Familienunternehmens an Hans-Otto Schrader übergeben.

Die Otto Group hat sich das strategische Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 die renditestärkste global agierende Gruppe von Einzelhändlern und handelsnahen Dienstleistern zu werden. "Dabei wollen wir uns mit überlegenen Unternehmenskonzepten auszeichnen", sagte Otto. Wesentliche Elemente seien innovative Ideen vor allem im Onlinehandel, der Ausbau des stationären Einzelhandels, der von gegenwärtig 10 Prozent Umsatzanteil deutlich ausgebaut werden soll, und die weitere Internationalisierung der Gruppe.

Dabei setze Otto vor allem auf die Wachstumsmärkte Mittel- und Osteuropas, aber auch in dem aufstrebenden Schwellenland Brasilien sei noch im laufenden Jahr ein Markttest geplant. "Wir können uns grundsätzlich vorstellen, genau wie in Russland gemeinsam mit einem Partner in den Markt einzusteigen", sagte Otto. Der Distanzhandel in dem Land mit 187 Millionen Einwohnern sei noch wenig ausgeprägt.

Einzel- und Versandhandel nur geringfügig gewachsen

Das Kerngeschäft der Otto Group, der Einzel- und Versandhandel über Kataloge, das Internet und Filialen, wuchs im abgelaufenen Jahr nur geringfügig um 0,2 Prozent auf 9,2 Milliarden Euro. Die großen Universalversender des Konzerns wie OTTO, Baur und Schwab verloren zusammen 0,9 Prozent Umsatz, was Michael Otto auf die Erhöhung der Mehrwertsteuer zurückführte. "Sonst wäre ein Ergebnis über dem Vorjahr erreichbar gewesen", sagte er. Insgesamt jedoch sei auf dem deutschen Markt mit einem Wachstum von 3,8 Prozent auf 7,1 Milliarden Euro die Umsatzwende geschafft worden. Wachstumsmotor war der Handel über das Internet mit einem Nachfrageplus von 33 Prozent.

Das Konzernwachstum des vergangenen Geschäftsjahres rührte vor allem aus den Geschäftsfeldern Finanzdienstleistungen mit einem Umsatzplus von 19,5 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro und Service mit 32 Prozent Zuwachs auf 595 Millionen Euro Außenumsatz. Dazu gehört auch die Hermes Logistik Gruppe, die gegenwärtig nach Österreich expandiert. Der Großhandel, das vierte Otto-Geschäftsfeld, legte um 7,5 Prozent auf 4,0 Milliarden Euro zu. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Otto abermals mit einem Konzernwachstum von 3 bis 4 Prozent.

manager-magazin.de mit Material von dpa