Produktpiraterie "Es sollte schmerzen"

Stephan Koziol lenkt das namensgleiche Unternehmen in Erbach im Odenwald, das aus Kunststoff markante Produkte herstellt. So markant, dass vor allem Asiaten sie kopieren und zu Schleuderpreisen auf den deutschen Markt werfen. Im Gespräch mit manager-magazin.de berichtet Koziol, wie er um seinen Markt ringt.
Von Arne Gottschalck

mm.de: Herr Koziol, Ihre Produkte werden oft kopiert. Ich vermute, dass bringt erhebliche Umsatzschäden mit sich.

Koziol: Ja, wir sind in der Tat ein bevorzugtes Opfer der Kopierer. Wenn diese Plagiate nicht wären, hätten wir 100 Mitarbeiter mehr. Unsere ganze Wissensarbeit wird so nicht bezahlt.

mm.de: Sind Sie froh, nicht börsennotiert zu sein, wo solche Ankündigungen regelmäßig Kurseinbrüche nach sich ziehen würden?

Koziol: Ich bin überhaupt froh, dass unser Unternehmen nicht an der Börse notiert ist. Ich will mich allein an unternehmerischen Aspekten ausrichten und nicht an kurzfristigen Ansprüchen der Anleger.

mm.de: Wie funktioniert das Plagiieren bei Ihnen eigentlich?

Koziol: Eigentlich ganz einfach: Wir bringen ein neues Produkt auf den Markt - zum Beispiel unsere neue Lampe Josephine. Die gefällt jemandem im Handel. Allerdings findet er die Lampe zu teuer. Daher fährt er damit nach China und stellt sie dort auf den Tisch einer Werkstatt mit den Worten "Baut mir die nach." Das geschieht dann auch zu einem Viertel unserer Kosten.

mm.de: Und das lässt sich mit dem deutschen Gesetz so ohne Weiteres machen?

Koziol: Es ist ja nicht nur das deutsche Gesetz betroffen, sondern zum Beispiel auch das chinesische. Und in den Gesetzen liegt das Problem. In Deutschland zum Beispiel wird ein Plagiat sehr sanft bestraft. Sie müssen dann nur die Lizenzanalogie-Gebühr bezahlen. Das ist ungefähr so, als wenn Sie beim Schwarzfahren erwischt werden und nur ein Ticket nachlösen müssen. Das schreckt nicht ab. Es sollte aber wirklich schmerzen. Denn die großen Handelsketten, die das machen, die zahlen das aus der Portokasse.

"Ein mentales Problem"

mm.de: Und in China?

Koziol: Wir haben da ein Gebrauchsmuster eingetragen, doch es dauert zwei bis drei Jahre, bis das wirksam ist. Und bis dahin ist alles offen.

mm.de: Warum ist Ihr Unternehmen eigentlich so sehr von Plagiaten betroffen?

Koziol: Weil wir eine deutliche Designsprache sprechen, die vielen gefällt. Wir sind sozusagen Opfer unseres Erfolgs. Es ist ja schön, die Golfklasse zu schaffen - aber dann wird man auch kopiert. Den unbeliebten 1500er hat ja niemand nachgebaut.

mm.de: Und was tun Sie dagegen?

Koziol: Wir versuchen, politischen Druck aufzubauen. In Taiwan hat das geklappt. Die wollen nicht mehr als bloße Kopierer wahrgenommen werden und ahnden das entsprechend.

mm.de: Aber das allein reicht vermutlich nicht, wenn die Ursachen für die Entwicklung in Deutschland liegen.

Koziol: Stimmt, da muss sich etwas ändern, die Mentalität. Denn das Problem liegt ja bei den Händlern. Die sagen ganz locker: "Wenn wir das nicht kopieren, dann macht's ein anderer."

mm.de: Und der Verbraucher - leistet eine "Geiz-ist-geil-Mentalität" dem Ganzen nicht zusätzlich Vorschub?

Koziol: Der Kunde hat keine Lust auf etwas Billiges, das schnell kaputtgeht. Deswegen ist die Entwicklung ja auch so gefährlich. Der Kunde meint, etwas von uns zu kaufen, aber es ist kein Original und die Qualität stimmt nicht - das gefährdet unseren Ruf.

mm.de: Stellen Sie sich vor, Sie hätten eine Wunsch bei der Regierung frei - was sollte es dann sein?

Koziol: Die Regierung sollte das Problem endlich ernst nehmen, wie es auch in anderen Ländern geschieht. In Frankreich zum Beispiel wäre dieses System gar nicht möglich.