Karstadt Middelhoffs Börsenpläne

KarstadtQuelle prüft einen Börsengang seiner Warenhäuser - nach dem Vorbild der Touristiksparte Thomas Cook. Setzt Vorstandschef Thomas Middelhoff die Pläne um, bliebe vom einstigen Traditionskonzern praktisch nichts übrig.

London - KarstadtQuelle-Chef Thomas Middelhoff nimmt sich die Touristiksparte als Vorbild für die Zukunft der Karstadt-Warenhäuser. Das könnte das Ende des Handelskonzerns bedeuten. Er denke daran, die Kaufhäuser mit einem Konkurrenten zusammenzulegen und sie dann in spätestens 18 Monaten an die Börse zu bringen, sagte Middelhoff der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag.

"Was wir mit Thomas Cook gemacht haben, könnten wir leicht auch mit den Warenhäusern tun. Ich glaube, im Warenhausgeschäft wird das Gleiche passieren", erklärte Middelhoff. Die Reisetochter Thomas Cook hatte im Februar den britischen Konkurrenten MyTravel  geschluckt. Am Dienstagmorgen gab das fusionierte Unternehmen als Thomas Cook Group in London mit Kursgewinnen sein Börsendebüt.

Setzt Middelhoff seine Pläne für die Kaufhäuser um, bliebe von dem einstigen Traditionskonzern praktisch nichts übrig. Auch die Versandtochter Neckermann.de will er an die Börse bringen, von den Immobilien der Warenhaussparte und kleineren Kaufhäusern hat sich Middelhoff im Zuge der Sanierung von KarstadtQuelle  schon getrennt.

Edel-Warenhäuser in St. Petersburg und Moskau

Der ehemalige Bertelsmann-Chef verglich seine Strategie ausdrücklich mit der des britischen Mischkonzerns GUS , der sich im vergangenen Jahr von der Börse zurückgezogen hatte, nachdem er seine Haushaltswaren-Handelssparte Home Retail Group und den Kreditinformationsanbieter Experian abgespalten hatte. Schon zuvor war der Modekonzern Burberry von GUS abgetrennt worden.

Bis zum möglichen Börsengang hat Middelhoff für die Kaufhaussparte hochfliegende Pläne. Noch in diesem Jahr könne ein Edel-Warenhaus im russischen Sankt Petersburg eröffnet werden. Auch in Moskau sei man in Verhandlungen, des Weiteren denke er an Istanbul und an Dubai als Standorte. Insgesamt könne Karstadt nach dem Vorbild des Berliner KaDeWe im Ausland sieben bis acht Nobel-Kaufhäuser mit jährlichen Umsätzen von jeweils 150 bis 200 Millionen Euro betreiben, sagte er.

Sonderausschüttungen und Übernahmen möglich

Am Touristikgeschäft will Middelhoff festhalten: "Wir glauben an Thomas Cook. Das wird signifikante Werte für die Aktionäre schaffen", sagte er gegenüber reuters. An der Thomas Cook Group hält KarstadtQuelle 52 Prozent, die bisherigen MyTravel-Aktionäre 48 Prozent. Die Reisetochter habe Spielraum für Sonderausschüttungen und könne trotzdem Übernahmen stemmen.

Banken seien angesichts der hohen Liquidität schon auf das Unternehmen zugekommen und hätten ihm Sonderdividenden oder Zukäufe nahe gelegt, sagte Middelhoff, der dem Aufsichtsrat der britischen Tochter vorsitzt. "Das ist nun die große Frage - sollten wir vielleicht einen Mix aus Sonderdividende und Übernahme machen oder sehen wir etwas, das so attraktiv ist, dass wir uns entscheiden, danach zu greifen", sagte er. Bis Herbst solle eine Entscheidung fallen. Chancen für Übernahmen gebe es in asiatischen Ländern wie China, Indien oder Japan - aber auch im Wachstumsmarkt Russland.

manager-magazin.de mit Material von reuters