EADS Drei Interessenten für Airbus-Werke

Wer steigt bei den sechs Airbus-Werken ein, die ausgliedert werden? Eine Offerte für das komplette Paket soll aus China kommen, auch ein französischer Zulieferer hat Interesse angemeldet. Die russische Irkut - bereits ein 5-Prozent-Partner - betont, dass eine Kette von Airbus-Lieferanten in Russland aufgebaut werden sollte.

Paris - Die staatseigene chinesische Luftfahrtgruppe China Aviation Industry Corp will offenbar die zum Verkauf stehenden Werke des Flugzeugherstellers Airbus übernehmen. Die Gruppe werde für die sechs Anlagen der Tochter von EADS  in Großbritannien, Frankreich und Deutschland bieten, zitiert "The Guardian" den Präsidenten des Unternehmens, Lin Zao Ming. China Aviation wolle die Werke weiterentwickeln und wettbewerbsfähiger machen.

Airbus-Sprecher Rainer Ohler sagte zu dem Bericht, es liege noch kein Angebot von einem Unternehmen für die Werke vor, weil der Datenraum gerade erst eröffnet worden sei. Jedes Angebot werde aber geprüft und zeige das Interesse der Unternehmen an dieser Wachstumsindustrie.

Der französische Zulieferer Latécoère erklärte aber am Dienstag öffentlich sein Interesse an der Übernahme des Airbus-Werks Méaulte. Ziel sei es, als Anbieter von Rumpf- und Flügelteilen ein Hauptpartner von Airbus zu werden und dabei den Umsatz zu verdoppeln.

"Méaulte-Latécoère ist eine einzigartige Chance für die Zukunft des französischen Flugzeugbaus", sagte Konzernchef François Bertrand. Die neue Latécoère würde mit mehr als 5000 Mitarbeitern gut eine Milliarde Euro umsetzen.

Demschenko: "Die Zeit läuft uns davon"

Die russische Luftfahrtindustrie möchte sich mit mehr als fünf Prozent als Risikopartner beim Airbus A350 beteiligen.

Der Präsident des russischen Flugzeugbau-Konzerns Irkut, Oleg Demschenko, dringt dabei auf eine endgültige Entscheidung vor dem Jahresende. "Wir sind bereit, mehr zu übernehmen", sagte Demschenko am Dienstag auf der Pariser Luftfahrtmesse. "Doch die Zeit läuft uns davon. Wir müssen das Projekt schnell angehen."

Airbus will mit dem Langstreckenjet ab 2013 gegen Boeings  Verkaufschlager 787 antreten, der bereits ab 2008 an die Kunden geht. Die Produktionsplanung ist jedoch vom Kompromiss über die Aufteilung der Fertigung auf deutsche, französische und andere Werke abhängig. Um die zehn Milliarden Euro Entwicklungskosten sowie das Marktrisiko zu teilen, bietet Airbus Partnerschaften an.

A320 - Umbau zum Frachter in Dresden

Irkut und seine russischen Schwesterfirmen sollen fünf Prozent Anteil bekommen. Welche Teile die Russen entwickeln und fertigen sollen, ist aber noch nicht entschieden. Irkut sei bereit, "eine effiziente Kette von Airbus-Lieferanten in Russland" aufzubauen, sagte Demschenko.

Optimistisch äußerte sich Demschenko zur vereinbarten Partnerschaft mit Airbus und den Elbe Flugzeugwerken Dresden über den Umbau von Verkehrsflugzeugen der Typen A320 und A321 zu Frachtern.

Dresden sei "in dem Geschäft zu Hause" und der Startkunde werde nicht auf sich warten lassen, sagte er. Der erste Frachter werde 2010 fliegen. Nach den Mittelstreckenjets würden auch A330- Langstreckenflugzeuge zu Frachtern umgebaut. Die Fertigung soll 2011 in Dresden und 2012 in Russland anlaufen. Näheres will Demschenko auf der nächsten Moskauer Flugtechnikmesse bekannt geben.

Irkut baut Kampfflugzeuge (Suchoj 30-MK), Trainer (Yak-130), Löschflugzeuge (Be-200) und Drohnen. EADS ist am dem Unternehmen mit zehn Prozent beteiligt.

manager-magazin.de mit Material von ap, dpa, reuters

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