Volkswagen Osterloh fordert 50 Prozent Produktivitätsplus

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh sieht weitere erhebliche Reserven, um die Produktivität in der Fertigung zu erhöhen. Zudem geht er von einer deutlichen Absatzsteigerung aus - und von nützlichen Effekten durch das geplante Bündnis mit MAN und Scania.

Wolfsburg - Osterloh dringt auf eine weitere deutliche Steigerung von Produktivität und Auslastung bei Volkswagen . "Ich sehe durchaus die Möglichkeit, die Produktivität bei den nächsten Fahrzeuggenerationen um bis zu 50 Prozent zu steigern", sagte Osterloh. Damit dies erreicht werden könne, seien aber Vorgaben des Vorstandes nötig, Autos so zu entwickeln und zu konstruieren, dass sie bei "höchster Qualität leicht und schnell" gebaut werden könnten. Bislang galt vor allem der aktuelle Golf als zu kompliziert konstruiert. Den Wolfsburgern war in der Branche wiederholt Technikverliebtheit vorgeworfen worden.

Voraussetzung für diese deutliche Steigerung seien entsprechende Vorgaben des Konzernvorstands. Bereits von 2004 bis 2006 hatte die Produktivität des größten europäischen Automobilherstellers laut Osterloh um 23 Prozent zugelegt. Im laufenden Jahr sollen nach den Worten des Personalvorstands Horst Neumann voraussichtlich 27 Fahrzeuge je Mitarbeiter am Standort Wolfsburg gebaut werden nach 24 im Vorjahr. Ein Teil der höheren Effizienz ist allerdings auch dem letztjährigen Tarifabschluss geschuldet, der die Lohnkosten deutlich reduzierte.

In diesem Zusammenhang ist auch - wie bekannt - die Produktion eines weiteren, dritten Modells im Stammwerk Wolfsburg vorgesehen. Bis November wird es darüber eine Entscheidung geben, kündigte Osterloh an. Im November trifft sich traditionell der Aufsichtsrat, um über die langfristige Investitionsplanung zu befinden. "Klar ist, dass es sich um ein Fahrzeug auf der PQ 35-Plattform, also auf der Plattform unseres Golf handeln wird", so Osterloh.

Von 5,7 auf 6,5 Millionen Autos pro Jahr

Bislang wird in dem Werk der Golf sowie das Derivat Golf Plus gefertigt. Bei dem neuen Modell handelt es sich um ein Fahrzeug mit einem Volumen von 40.000 bis 45.000 Fahrzeugen. Damit würde das Werk eine Jahreskapazität von 480.000 Fahrzeugen erreichen und 1100 Arbeitsplätze gesichert werden.

2007 werde die Produktivität voraussichtlich um gut zwölf Prozent zulegen, hatte VW vergangene Woche mitgeteilt. "Wir brauchen eine hohe Auslastung unserer Werke, weil dies gleichzeitig die Stückzahlkosten reduziert", sagte Osterloh. "Bei der Fertigung wollen wir zeitnah 6,5 Millionen Autos im Jahr erreichen." Für diese Menge besitze Europas größter Autohersteller in seinen Werken auch die notwendigen Kapazitäten. Im vergangenen Jahr hat der Konzern rund 5,7 Millionen Autos produziert.

Trotz der deutlichen Verbesserungen in der jüngeren Vergangenheit hat sich laut Osterloh die Lage aber "noch nicht völlig entschärft". Dazu bedürfe es "der gemeinsamen Anstrengung von Management und Belegschaft".

Damit bei den erwarteten Produktivitätsschüben die Beschäftigung gesichert bleibt, möchte Osterloh die Fertigung bestimmter Produkte von den Zulieferern wieder zurück in den Konzern holen. Man müsse über eine Erhöhung der Fertigungstiefe nachdenken, sagte er.

Bei der geplanten Allianz der VW-Nutzfahrzeugsparte mit MAN  und dem schwedischen Lkw-Hersteller Scania  erwartet Osterloh frühestens in der zweiten Jahreshälfte eine Entscheidung. Volkswagen beanspruche zu Recht die industrielle Führerschaft in einer Lkw-Allianz, sagte Osterloh. Für sie brachte er Hannover, den Standort von Volkswagen Nutzfahrzeuge, als Sitz ins Spiel.

Lkw-Trio: Synergien nutzen

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Der Münchener Nutzfahrzeug- und Maschinenbaukonzern war mit der Übernahme des schwedischen Konkurrenten am Widerstand der Großaktionäre Volkswagen und Investor AB gescheitert. Sowohl VW als auch die Investmentgesellschaft der schwedischen Industriellenfamilie Wallenberg hatten die Offerte über 10,3 Milliarden Euro nach monatelangem Ringen zurückgewiesen.

Während des Tauziehens um Scania drehte VW den Spieß um und beteiligte sich seinerseits an MAN. Mittlerweile ist VW mit knapp unter 30 Prozent beziehungsweise 36,4 Prozent jeweils größter Einzelaktionär des Münchener und des schwedischen Nutzfahrzeugherstellers. Seit der Rücknahme der Übernahmeofferte liegen die Gespräche der drei Parteien offiziell auf Eis.

Osterloh betonte in diesem Zusammenhang dass es für die Arbeitnehmervertreter "nicht in erster Linie wichtig ist, dass es zu einem Zusammenschluss der drei Unternehmen kommt". Entscheidend sei, dass die Synergien beispielsweise in den Bereichen Motoren und Elektronik genutzt werden. Diese seien auch beim Flottenmanagement und dem Rückkauf von gebrauchten Fahrzeugen zu heben. "Nur dann werden alle drei Hersteller langfristig am Markt bestehen können", sagte er.

manager-magazin.de mit Material von reuters, vwd