Schieder Hoffnung für Beschäftigte

Europas größter Möbelhersteller Schieder ist möglicherweise zum zweiten Mal binnen sechs Wochen vor der Insolvenz gerettet. Der Unternehmensführung zufolge gibt es eine Absichtserklärung seitens eines Investors über die Übernahme der ganzen Gruppe.

Schieder-Schwalenberg - Drei Tage nach der Insolvenz des größten europäischen Möbelherstellers Schieder können dessen rund 11.000 Beschäftigte wieder etwas Hoffnung schöpfen. Ein Unternehmenssprecher sagte am Montag, dass es einen ersten Kaufinteressenten für den Möbelriesen gebe.

Er habe bereits eine Absichtserklärung unterzeichnet und erhalte jetzt die Möglichkeit "in die Bücher zu gucken". Das Ziel des Interessenten sei die Fortführung des gesamten Konzerns. Nach den Worten von Interims-Geschäftsführer Ulrich Wlecke wird ein "schnelles Geschäft" angestrebt, das innerhalb einer Woche durchgezogen werden soll.

Eine Entscheidung werde voraussichtlich in den nächsten Wochen fallen, hieß es. Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" soll es sich um einen Finanzinvestor handeln, der bereits im Umfeld des Möbelherstellers tätig war. Dies wollte der Unternehmenssprecher allerdings nicht bestätigen.

Der größte europäische Möbelhersteller musste nach einem Bilanzskandal Insolvenz anmelden. Verhandlungen mit Kreditgebern und potenziellen Investoren zur Abwendung der Überschuldung waren in der vergangenen Woche gescheitert. Das Unternehmen beschäftigt weltweit rund 11.000 Mitarbeiter. In Deutschland hat es rund 1300 Beschäftigte.

Vier ehemalige Schieder-Manager waren Anfang Juni wegen des Verdachts der Bilanzfälschung und des Kreditbetruges verhaftet worden. Sie sollen mit geschönten Bilanzen Kredite in einer Gesamthöhe von 283 Millionen Euro erschwindelt haben. Der seit Monaten ums Überleben kämpfende Möbelhersteller war durch den Skandal in noch heftigere Turbulenzen geraten. Die neue Schieder-Geschäftsführung war bei einer Überprüfung der Akten selbst auf die Bilanzmanipulationen gestoßen und hatte die Polizei eingeschaltet.

Schieder hatte bereits im April vorübergehend Insolvenz anmelden müssen, bis sich die Banken auf eine Finanzspritze von rund 70 Millionen Euro einigten. Das durch die Anfang Juni aufgedeckten Manipulationen gerissene Loch beläuft sich laut Firmenangaben auf rund 120 Millionen Euro. Der gesamte Schuldenberg des Unternehmens, das unter anderem auch für Ikea Möbel produziert, erhöhte sich dadurch auf etwa 350 Millionen Euro.

Die Tochtergesellschaften der Schieder-Möbel-Holding in der Schweiz, Liechtenstein, Italien und Bosnien-Herzegowina sind den Angaben zufolge von der Insolvenz nicht betroffen. Diese seien seit vielen Jahren operativ und finanziell unabhängig. Schieder produziert an mehr als 40 Standorten, vor allem in Deutschland und Polen und hat mehr als 5000 Kunden in 60 Ländern.

manager-magazin. de mit Material von ap und dpa-afx