Bruderkrieg Hamas lehnt Entlassung der Regierung ab

Im palästinensischen Bruderkrieg stellt die Hamas nach ihrer Machtübergabe klar, dass ihr Entscheidungen von Präsident Mahmud Abbas unwichtig sind. Die Entlassung von Ministerpräsident Ismail Hanija werde nicht akzeptiert, ließen die Radikal-Islamisten wissen.

Gaza - Seine Regierung werde weiter arbeiten, sagte Hanija heute Morgen in einer Rundfunkansprache. "Ich rufe zu einem sofortigen, nationalen und umfassenden Dialog auf Basis des palästinensischen rechts auf", sagte der Ministerpräsident. Die Entscheidung von Abbas, die Einheitsregierung abzusetzen und den Notstand auszurufen, sei übereilt gewesen, sagte der Islamist.

Seine radikal-islamischen Gefolgsleute forderte er zur Zurückhaltung auf, es sollten keine Fatah-Anhänger mehr getötet werden. Stattdessen sollten eine Generalamnestie ausgerufen und Garantien für die Sicherheit der Bevölkerung gegeben werden.

Abbas hatte angesichts der Machtübernahme der Hamas im Gaza-Streifen die Einheitsregierung aufgelöst und den Notstand ausgerufen. Sein Sprecher Tajeb Abdel Rachim im Hauptquartier in Ramallah, Abbas plane die Bildung einer Notstandsregierung. Kurz zuvor hatte die Hamas mit dem regionalen Präsidentensitz die letzte Bastion der gemäßigten Fatah eingenommen.

Hanija machte die Fatah-Bewegung von Abbas für die eskalierte Gewalt verantwortlich. "Sie haben Verbrechen begangen", sagte er über die Fatah-Kämpfer und ihre Anführer. Sie hätten Hamas-Mitglieder getötet, nur weil diese Bärte getragen hätten und der Gruppe angehörten. "Sie haben Männer entführt und vor den Augen ihrer Familien hingerichtet." Die Situation sei nicht mehr hinzunehmen gewesen und habe die Hamas-Kämpfer dazu gezwungen, so zu reagieren. Bei den seit sechs Tagen andauernden Gefechten zwischen den rivalisierenden Gruppen wurden mehr als 110 Menschen getötet. Allein gestern starben mindestens 30 Menschen.

Nachdem sie die Kontrolle im Gaza-Streifen übernommen hatte, machten die Islamisten Jagd auf Fatah-Anhänger. Sie töteten den ranghohen Fatah-Vertreter Samih al-Madhun von den Al-Aksa-Brigaden und schleiften seine Leiche durch die Straßen in Nusseirat. Im von Abbas-Anhängern dominierten Westjordanland kam es zu Racheaktionen von Fatah-Kämpfern.

manager-magazin.de mit reuters/ap/dpa

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