Ford Gerüchte um Edelmarken-Verkauf

Die Gerüchteküche brodelt erneut: Der US-Autobauer Ford will sich Presseberichten zufolge künftig mehr auf sein Kerngeschäft konzentrieren und von seinen Luxusmarken trennen. Für Jaguar und Land Rover wird angeblich schon nach einem Käufer gesucht.

Hamburg - Neue Spekulationen um einen baldigen Verkauf der Ford-Luxusmarken: Der US-Autobauer will sich Berichten zufolge von seinen Edelmarken Jaguar und Land Rover trennen. Der Konzern habe die Banken Goldman Sachs, Morgan Stanley und HSBC mit der Suche nach Interessenten für Jaguar und Land Rover beauftragt, berichtete die "Financial Times" (Dienstagausgabe) unter Berufung auf gut unterrichtete Kreise. Die schwedische Konzerntochter Volvo, über deren Verkauf bereits seit Längerem spekuliert wird, sei jedoch nicht Teil dieses Mandats.

Ford  steckt in der tiefsten Krise seiner über 100-jährigen Geschichte und musste 2006 einen Verlust von fast 13 Milliarden Dollar hinnehmen. Der Konzern befindet sich derzeit am Anfang einer auf vier Jahre angelegten Sanierung. Dabei sollen 16 Werke geschlossen und 45.000 Stellen gestrichen werden. Nach Einschätzung von Branchenexperten könnte Ford deshalb frisches Geld gut gebrauchen.

Die Marke Aston Martin hatte der Konzern bereits im März für 925 Millionen Euro an ein Investorenkonsortium abgegeben. Inklusive der schon verkauften Marke Aston Martin sei Fords Luxusgruppe rund zehn Milliarden Dollar wert, hieß es. Jaguar und Land Rover sollen der "FT" zufolge als Paket verkauft werden.

Britische Gewerkschaften warnen vor einem Verkauf

John Gardiner, ein Sprecher der Premier Automotive Group, in der Ford einige Luxusmarken, darunter auch Jaguar und Land Rover zusammengefasst hat, erklärte am Dienstag: "Ich kann bestätigen, dass wir mit unseren Finanzberatern an der Suche nach dem besten Weg für Jaguar und Land Rover arbeiten." Das Unternehmen prüfe weiterhin alle seine globalen Aktivitäten. Alle Optionen befänden sich weiterhin auf dem Tisch.

Britische Gewerkschaftsführer warnten am Dienstag vor einem Verkauf. Es gebe massive Bedenken, dass zahlreiche Jobs wegfallen, sagte Dave Osborne von der Gewerkschaft Unite. Jaguar beschäftigt in Großbritannien rund 10 000 Mitarbeiter, Land Rover rund 9000.

Schon am Vortag hatte ein Medienbericht die Spekulationen über einen baldigen Verkauf angefacht. Die Londoner Gratiszeitung "City A.M." meldete, die Beteiligungsfirma Alchemy Partners plane eine Offerte über drei Milliarden Pfund (etwa 4,4 Milliarden Euro). Das Blatt zitierte dabei den Alchemy-Management-Partner Jon Moulton mit den Worten: "Ich bin sehr an einem Angebot interessiert." Alchemy dementierte jedoch umgehend. Das berichtete Interesse sei rein emotionaler Natur, sagte eine Firmensprecherin auch im Namen Moultons. Alchemy habe weder Gespräche mit Ford geführt, noch arbeite das Unternehmen an einem Gebot.

In dem Bericht hieß es, der kriselnde US-Autobauer habe die Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley mit dem Verkauf seiner Premium-Gruppe beauftragt, zu der auch die Automarke Volvo  gehört. Als mögliche Bieter nannte die Zeitung zudem Renault  und die Unternehmer Dave Richards und David James. Richards führte bereits ein Konsortium mit kuwaitischer Unterstützung, das Ford im März Aston Martin für 925 Millionen Dollar abkaufte. James übernahm von DaimlerChrysler  die Smart-Rechte.

Renault bestritt indes umgehend ein Interesse. Ein Sprecher des französischen Autobauers sagte, Konzernchef Carlos Ghosn habe bereits vorige Woche erklärt, dass für Renault oder den Partner Nissan  der Kauf einer Luxusmarke derzeit keinen Sinne ergebe.

Fords Luxusmarken standen im Zuge der Finanzmisere des traditionsreichen Unternehmens zuletzt häufiger im Mittelpunkt von Spekulationen. Erst am Wochenende hatte die "Automotive News Europe" berichtet, Fiat  habe mit Ford über einen Kauf von Jaguar und Land Rover gesprochen, die Pläne dann aber aus Sorge um seine Bonitätseinstufung fallen gelassen. Im Mai wies Ford bereits Medienberichte über Gespräche über einen Volvo-Verkauf zurück.

manager-magazin.de mit dpa-afx, reuters und vwd