Blackstone-IPO Mein Helikopter, mein Jet, meine Milliarden

Kurz vor dem Börsengang muss Blackstone in einer SEC-Mitteilung die Bezüge des Spitzenmanagements veröffentlichen. Durch den Börsengang erhalten die beiden Gründer Stephen Schwarzman und Pete Peterson rund 2,5 Milliarden Dollar. Gleichzeitig bleibt CEO Schwarzman größter Anteilseigner.
Von Arne Gottschalck und Simon Hage

Hamburg - Blackstone-Chef Stephen Schwarzman erhielt im vergangenen Geschäftsjahr ein Salär von 398,3 Millionen Dollar (rund 300 Millionen Euro). Das geht aus einer Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC hervor, in der das Private-Equity-Haus erstmals zur Offenlegung von Vorstandsbezügen gezwungen war.

Schwarzman verdiente damit rund 30 mal mehr als Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, 50 mal so viel wie Daimler-Chrysler-Lenker Dieter Zetsche und das 150-fache des Jahresgehalts von Tui-Chef Michael Frenzel.

Auch im Vergleich mit US-Größen schneidet Schwarzman gut ab: Er erhielt fast doppelt so viel wie alle Vorstandschefs der fünf größten Investmentbanken zusammen. Lloyd Blankfein, der CEO von Goldman Sachs , erhielt beispielsweise eine Bezahlung von "nur" 54 Millionen Dollar - weniger als ein Siebtel des Schwarzman-Salärs. Aber: Geradezu bescheiden wirken Schwarzmans Einkünfte im Vergleich zu den Gehältern der Hedgefonds-Manager.

Die astronomische Bezahlung basiert auf Schwarzmans Beteiligung an den Geschäften von Blackstone. Die Bezahlung des Vorstandschefs und anderer Spitzenmanager, so heißt es in der Pflichtmitteilung, resultiere zu 100 Prozent aus der Performance des Unternehmens beziehungsweise seines Portfolios. Blackstone ist an Unternehmen und Immobilien beteiligt. Man ermutige seine Führungskräfte, eigenes Kapital in Blackstone-Fonds zu investieren, erklärt die Investmentgesellschaft - dies entspreche der Unternehmenskultur: Ziel sei es, die Interessen der Geschäftsführer mit denen der Investoren in Einklang zu bringen.

In einer Fußnote erwähnt Blackstone außerdem, dass Schwarzman ein Dienstwagen samt Chauffeur zur Verfügung stünden. Nebst einem Flugzeug, das auch Frau und Kinder bisweilen nutzten. Die Kosten von Privatflügen mit der Maschine erstatte Mister Schwarzman aber zurück. Darüber hinaus besitzt der CEO gemeinsam mit Blackstone-Mitbegründer Peter Peterson einen Helikopter. Im vergangenen Jahr erhielt Schwarzman von Blackstone insgesamt 1,54 Millionen Dollar für die geschäftliche Nutzung des Hubschraubers.

Auch Blackstone-Mitbegründer Peter Peterson durfte sich über einen gigantischen Geldsegen freuen. Der 80-Jährige nahm 212,9 Millionen Dollar an Bezügen ein. Immerhin 97,3 Millionen Dollar gingen an Schwarzmans designierten Nachfolger Hamilton James. Der 56-Jährige fungiert als President und Chief Executive Officer (COO) der Blackstone Group, der er seit dem Jahr 2002 angehört. Tomilson Hill, der 58-jährige Vize-Chariman, verdiente 45,6 Millionen Dollar und Finanzchef Michael Puglisi 17,4 Millionen. Addiert ergibt das eine Gesamtsumme von 771,5 Millionen Dollar (577,69 Millionen Euro) für die fünf Blackstone-Topmanager.

Die Auflistung der Zahlungen an sein Spitzenpersonal versteckt Blackstone auf den Seiten 196 und 197 des insgesamt 271-seitigen SEC-Filings. Klar, derartige Spitzengehälter hängt man ungern an die große Glocke. Dabei verdeutlichen diese Millionenbeträge nichts geringeres als einen grundlegenden Wandel in der Finanzbranche: Private-Equity-Funktionäre wie Schwarzman gewinnen durch den Boom ihrer Geschäfte an Macht und Einfluss - vor allem aber an Reichtum.

Schwarzmans Milliardenbeteiligung

Schwarzmans Milliardenbeteiligung

Durch den geplanten Börsengang zapfen die Topmanager eine weitere Geldquelle an. Schwarzman wird durch einen Verkauf eines Anteils von 5,7 Prozent bis zu 677,2 Millionen Dollar erhalten. Sogar rund 1,88 Milliarden Dollar, so kalkuliert Blackstone, werde Senior Chairman Peterson einnehmen - er verkauft knapp 60 Prozent seines Anteils.

Bis zu 188,5 Millionen Dollar werden an President und COO James gehen. Etwa 22,1 Millionen Dollar wird Vize-Chairman Hill am Börsengang verdienen, 13,4 Millionen soll CFO Puglisi erhalten. Addiert man diese Summen, so wird das Blackstone-Topmanagement am Börsengang insgesamt bis zu 2,8 Milliarden Dollar verdienen. Mit solchen Summen lässt sich zumindest zum Teil erklären, weshalb der einstige IPO-Skeptiker Schwarzman plötzlich zielstrebig einen Börsengang betreibt.

Trotz Anteilsverkäufen bleibt Schwarzman künftig der mit Abstand größte Blackstone-Eigner mit einem Anteil von etwa 24 Prozent. Bei dem angestrebten Ausgabekurs von zwischen 29 und 31 Euro pro Aktie wäre sein Anteil mehr als 7 Milliarden Dollar wert. Peterson wird nur noch mit 4 Prozent an Blackstone beteiligt sein. James behält knapp 5 Prozent, Hill 1,6 und Puglisi 0,7 Prozent.

Nach dem Börsengang soll Schwarzman 350.000 Dollar Jahresgehalt bekommen - wie auch die anderen Spitzenmanager. Darüber hinaus wird der CEO in erheblichem Maß von den so genannten Carried Interests, der Beteiligung der Manager an den Gewinnen aus den Investments, profitieren. Unklar bleibt jedoch, ob der US-Kongress möglicherweise die Steuern auf die Carried Interests erhöht. Bislang gelten diese lediglich als Kapitaleinkünfte und werden mit 15 Prozent besteuert. Die reguläre Einkommenssteuer in den USA liegt hingegen deutlich darüber.

Für Bezahlung sind die Gründer zuständig

Für Bezahlung sind die Gründer zuständig

Blackstone gibt im SEC-Filing auch einen Überblick über seine Engagements. Der Private-Equity-Riese besitzt Beteiligungen im Wert von 88,37 Milliarden Dollar - so der Stand vom 1. Mai. 33,08 Milliarden Dollar sind in so genannte Corporate-Private-Equity-Fonds investiert, 19,95 Prozent stecken in Immobilienfonds und 35,34 Milliarden in alternativen Anlagefonds. Das Gesamtvolumen der Assets hat sich seit dem Jahr 2003 mehr als verdreifacht (siehe Grafik).

Das Unternehmen profitiert erheblich davon, dass die verwalteten Volumina stark zunehmen. Im Jahr 2005 strich Blackstone allein 370,6 Millionen Dollar an Fondsmanagementgebühren ein. Im vergangenen Jahr waren es bereits 852,3 Millionen Dollar.

Im Jahr 2007 hat Blackstone bereits drei größere Private-Equity-Investitionen getätigt. Im Februar kaufte die Investmentgesellschaft für 2,26 Milliarden Dollar, davon 414 Millionen Dollar Eigenkapital, den US-Lebensmittelkonzern Pinnacle Foods Group. 3,32 Milliarden Dollar (914 Millionen Dollar Eigenkapital) hat Blackstone in den Pharma-Konzern Cardinal PTS investiert. Finanzmittel in Höhe von 1,25 Milliarden Dollar flossen in das indische Medienunternehmen Ushodaya Enterprises.

Seit April vergangenen Jahres ist Blackstone zudem mit 4,5 Prozent oder 3,5 Milliarden Dollar an der Deutschen Telekom beteiligt. Der Eigenkapitalanteil liegt bei 1,01 Milliarden Dollar.

Mit dem Börsengang krönt Schwarzman nun seine Karriere bei Blackstone. Der heutige CEO, so heißt es in der SEC-Mitteilung, "war an allen Phasen der Unternehmensentwicklung seit der Gründung im Jahr 1985 beteiligt". Seine Karriere begann er bei Lehman Brothers , wo er 1978 zum Managing Director bestimmt wurde. Von 1977 bis 1984 war er für das M&A-Geschäft der US-Investmentbank zuständig. Inzwischen geht es ihm nicht mehr nur um schnöde Finanzinvestments - er hat auch eine schwäche für das Musische. Heute sitzt Schwarzman auch in den Aufsichtsräten zahlreicher Organisationen wie der New Yorker Stadtbibliothek, des Kennedy-Centers für darstellende Künste oder des New York City Ballet.

Dass Schwarzman finanziell jemals darben muss, erscheint unwahrscheinlich. Denn ein eigenes Kommitee, das seine Bezüge begrenzen könnte, soll es auch künftig nicht gegeben. Bislang hätten stets zwei Personen die abschließende Entscheidung über die Bezahlung von Topmanagern gefällt: die beiden Gründer Schwarzman und Peterson. An dieser Praxis, heißt es auf Seite 195 des SEC-Filings, wolle man so weit wie möglich festhalten.

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