Landesbank Berlin "Druck auf dem Kessel"

Im Rennen um die Landesbank Berlin (LBB) hat die LBBW Branchenkreisen zufolge offenbar ihr erstes Gebot nach unten korrigiert. Insider sagen, der Schritt sei eine Reaktion auf die genaue Prüfung der Bücher der LBB. Andere sprechen von politischer Einflussnahme.

Frankfurt am Main - Das verbindliche Gebot von Anfang Juni sei niedriger als die in der ersten Bieterrunde abgegebene Offerte von etwa 4,4 Milliarden Euro, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Dennoch sei die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) nach wie vor an dem zum Verkauf stehenden 81-prozentigen Anteil des Landes Berlin interessiert.

Zu den Gründen für die Entscheidung der LBBW gab es unterschiedliche Aussagen. Ein Insider führte es auf rein betriebswirtschaftliche Aspekte zurück, die sich während der detaillierten Prüfung der Bücher der LBB ergeben hätten. Unter anderem seien bestimmte Posten in der Bilanz der Bank anders bewertet worden. Eine andere Person sagte, es habe seitens der Politik und der Sparkassen Druck gegeben, dem ebenfalls bietenden Sparkassenverband DSGV den Vortritt zu lassen. Dieser sei nun mit der höchsten Offerte im Rennen.

Die LBBW, der DSGV, das Land Berlin und die Berlin beratende Investmentbank UBS lehnten Kommentare dazu unter Verweis auf die Verschwiegenheitserklärungen ab.

An der LBBW halten die baden-württembergischen Sparkassen zusammen mit dem rheinland-pfälzischen Sparkassenverband gut 40 Prozent. Der Rest gehört dem Land Baden-Württemberg und der Stadt Stuttgart. Die Sparkassen in Baden-Württemberg haben gleichzeitig gemeinsam mit rund 400 anderen Sparkassen unter dem Dach des DSGV ein Gebot in Berlin vorgelegt. Außerdem ist noch die Commerzbank als einziger Bieter aus dem privaten Bankenlager im Rennen.

Börsengang bleibt weiter eine Option

Nach wie vor ist offen, ob es tatsächlich zu einem Verkauf der Landesbank an einen Investor kommt oder der Mehrheitsanteil des Landes Berlin an der Börse platziert wird. Die Option habe nach wie vor Bestand, sagten mehrere Insider. Ein Eingeweihter verwies aber auf die jüngsten Kursverluste an den Börsen rund um den Globus: "Der Markt ist sicherlich nervös, das macht eine Platzierung momentan nicht einfacher."

Das Land Berlin will bis Anfang Juli entscheiden, welchen Weg sie beim Verkauf der LBB einschlagen will. Um den Preis möglichst nach oben zu treiben, müsste sich der Senat die Option einer Börsenplatzierung allerdings möglichst lange offen halten.

Andernfalls könnte ein potenzieller Käufer der LBB versuchen, in den Endverhandlungen den Preis zu drücken. Mehrere mit der Situation vertraute Personen schlossen deshalb nicht aus, dass es bereits in den nächsten drei bis vier Wochen zu einer Unterschrift kommen könnte. "Da ist eine gehörige Portion Druck auf dem Kessel", sagte ein Insider.

von Hans G. Nagl und Patricia Nann (reuters)

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