EADS Schwäbische Beharrlichkeit

Im Streit über die Zukunft von EADS will sich DaimlerChrysler französischen Forderungen nach einer Änderung des Aktionärspakts nicht beugen. Der sichert Daimler und Mitaktionär Lagardère maßgeblichen Einfluss auf die Firmenpolitik des Airbus-Mutterkonzerns.

Düsseldorf - EADS-Großaktionär DaimlerChrysler  will anders als der französische Staat nicht an dem Aktionärspakt des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns rütteln. "Wir wollen auch in Zukunft an dieser Regelung festhalten", sagte DaimlerChrysler-Finanzvorstand Bodo Übber in einem Interview mit dem "Handelsblatt". Der Stuttgarter Konzern ist wie der französische Staat mit 15 Prozent an EADS beteiligt.

Der neue französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat wiederholt den Aktionärspakt, der den Ausgleich zwischen deutschen und französischen Interessen regelt sowie besondere Mitspracherechte anderer Anteilseigner verhindert, in Frage gestellt.

"Natürlich würden wir es lieber sehen, wenn EADS  komplett in privatwirtschaftlichen Händen wäre", sagte Übber. Wichtig sei aber zunächst, dass das Management seine Arbeit tun könne und dabei nicht gestört werde.

Einem kompletten Rückzug von Daimler aus EADS erteilte Übber eine Absage. "Wir werden die 15 Prozent an EADS weiter behalten und sind überzeugt, dass dies auch gut für das Unternehmen ist", bekräftigte er. "Alles in allem ist die EADS eine Erfolgsgeschichte, die wir weiter begleiten wollen." Der französische Medienkonzern Lagardere , der 7,5 Prozent an EADS hält, erwägt dagegen, sich in den nächsten fünf Jahren ganz aus EADS zurückzuziehen.

Uebber räumte im Gespräch mit dem Blatt zugleich eine Nebenabsprache beim Verkauf der angeschlagenen US-Tochter Chrysler ein. Demnach sei mit dem neuen Chrysler-Käufer Cerberus vereinbart worden, dass die künftige Daimler AG daran beteiligt werde, falls sich die Restwerte der Chrysler-Fahrzeuge besser entwickeln sollten, als beide Seiten dies in der Transaktion unterstellt hätten. "Das könnte sich für Daimler auf einen positiven Beitrag von 200 bis 300 Millionen Euro belaufen", erklärte Uebber. Der Stuttgarter Konzern hatte bislang als Nebenabsprache des Deals nur eine Milliardengarantie für die Pensionskasse von Chrysler über fünf Jahre genannt.

Die EADS-Tochter Airbus befindet sich derzeit in einem massiven Umbau, nachdem Lieferverzögerungen beim Großraumflugzeug A380 und hohe Entwicklungskosten für den neuen A350 Airbus in die roten Zahlen gedrückt haben.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa-afx