Tui EU genehmigt Fusion mit First Choice

Tui darf sich mit dem britischen Reisekonzern First Choice zusammenschließen. Das hat die Europäische Kommission bekanntgegeben. Voraussetzung war allerdings, dass die Reiseprofis deutliche Zugeständnisse in Irland machen.

Brüssel - Die Europäische Kommission hat die Übernahme des britischen Reisekonzern First Choice Holidays  durch den deutschen Wettbewerber Tui gebilligt.

Die Genehmigung sei allerdings an Auflagen geknüpft, teilte die EU-Kommission am Montag mit. So muss Tui ihre irische Tochter Budget Travel abgeben.

Zur Begründung erklärte die EU-Kommission, die geplante Übernahme werde zu Überschneidungen beim Angebot von Pauschalreisen in Großbritannien und in Irland führen. Bedenklich wäre das Vorhaben in seiner ursprünglich geplanten Form insbesondere für den irischen Markt. Der deutsche Reisekonzern habe aber bereits zugesagt, die irische Reisebürokette Budget Travel abzustoßen.

Die Europäische Kommission hatte bereits Anfang Mai Bedenken zum geplanten Zusammenschluss geäußert und deswegen die Prüfung des Vorhabens in der so genannten Phase 1 verlängert. Tui und First Choice hatten daraufhin eingeräumt, den Verkauf von irischen Aktiva zu prüfen. Tui gehört Budget Travel, der größte Reiseveranstalter in Irland, First Choice besitzt die Nummer 2 am Markt mit Falcon Holidays und JWT Holidays. Das fusionierte irische Geschäft würde über 52 Reisebüros und Call Center auf der Insel verfügen und 500 Mitarbeiter beschäftigen.

Tui und First Choice begrüßten den Beschluss der EU-Kommission. "Damit ist die erste entscheidende Hürde auf dem Weg zum führenden Reisekonzern der Welt geschafft", sagte Tui-Vorstandsvorsitzender Michael Frenzel. "Mit dem Zusammenschluss bauen wir unsere führende europäische Position weiter aus und verstärken uns in den wachstumsstarken Feldern des touristischen Spezialgeschäfts." Es entstehe die größte touristische Plattform weltweit. Damit sei Tui für den sich verstärkenden Wettbewerb in der Branche bestens gerüstet.

Firmensitz geht nach Großbritannien

Tui und First Choice hatten am 19. März ihre Fusionsabsichten erstmals mitgeteilt. Es war vorgesehen, die Tui-Touristiksparte mit Ausnahme einiger Hotelbeteiligungen und die gesamte Geschäftstätigkeit der First Choice Holidays in dem neu zu gründenden Unternehmen "Tui Travel plc" zusammenzufassen. Das Unternehmen würde seinen Sitz in Großbritannien haben. Die Anteile sollen zum Handel an der Londoner Börse gelistet werden.

Arbeitsplatzverluste unbekannt

Peter Long soll Chef werden

Das neue Unternehmen übernimmt der Vereinbarung zufolge die Tui-Nettofinanzverbindlichkeiten und die Pensionsverbindlichkeiten von rund 875 Mio EUR. First Choice werde nach englischem Recht auf Tui Travel übertragen. Nach Abschluss der Transaktion soll Tui 51% an TUI Travel halten. Die bisherigen Aktionäre von First Choice würden mit 49% beteiligt.

Designierter Chef des neuen Unternehmens ist den Plänen zufolge Peter Long, CEO von First Choice. Chairman wird Tui-Vorstandsvorsitzender Michael Frenzel.

Unter dem Dach von Tui Travel entsteht ein Reisekonzern mit einem Umsatz von rund 18 Milliarden Euro und einem bereinigten Ebita von rund 475 Millionen Euro. Mit den Reiseveranstaltern und Fluggesellschaften der Tui Travel reisten im vergangenen Jahr rund 27 Mio Urlauber.

Durch die Fusion erwartet Tui Travel Synergien von jährlich rund 150 Millionen Euro, voll wirksam innerhalb von drei Jahren nach Abschluss der Fusion. Ein Großteil der Synergien entfällt auf den britischen Markt und resultiert aus der Zusammenlegung der Verwaltung, der gemeinsamen Flotten- und Flugplanung, einer einheitlichen IT-Infrastruktur und einen effizienteren Einsatz der Marketingmittel.

Arbeitsplatzverluste unbekannt

Wie hoch der fusionsbedingte Verlust von Arbeitsplätzen sein wird, steht derzeit noch nicht fest. Arbeitsplätze in Deutschland sind durch die Fusion nicht direkt betroffen.

Auf dem weiteren Weg zur Fusion steht als nächstes die Veröffentlichung des Börsenprospekts zum Listing an der Börse in London sowie die außerordentliche Hauptversammlung von First Choice an, wie Tui am Montag mitteilte. Die Veröffentlichung des Prospekts werde für Ende Juni angestrebt. Die weiteren genauen Termine sollen in Kürze veröffentlicht werden. Sollte die Zustimmung mit der erforderlichen Dreiviertel-Mehrheit erfolgen, könnte die Erstnotiz der Tui Travel Anfang Oktober 2007 stattfinden.

Natali Schwab und Kirsten Bienk, vwd