Gasfeld BP droht Produktionsstopp in Russland

Dem britischen Energiekonzern BP droht der Entzug seiner Lizenz für eines der größten Gasfelder in Russland. Die Behörde begründet den geplanten drastischen Eingriff mit einem skurrilen Argument: BP hole zu wenig aus dem Gasfeld heraus. Die Entscheidung über den Lizenz-Entzug soll in zwei Wochen fallen.

Moskau - Die russischen Aufsichtsbehörden haben am Freitag eine Entscheidung zur Lizenz des BP-Konzerns für die Erdgasförderung in Nordsibirien um zwei Wochen vertagt. Als Grund wurde die Komplexität der Materie angegeben, wie die Nachrichtenagentur Interfax meldete.

Dies bedeutet auch, dass der bevorstehende G-8-Gipfel in Heiligendamm nicht zusätzlich belastet wird, da eine negative Entscheidung gegen BP  erwartet wird. Der stellvertretende Leiter der zuständigen Behörde, Oleg Mitwol, hat erklärt, das Joint-Venture TNK-BP werde die Erlaubnis zur weiteren Förderung im Gasfeld Kotwyka wahrscheinlich verlieren, weil die bisherige Produktion weit hinter den vorhandenen Kapazitäten zurückbleibe.

Kotwyka gilt mit Erdgasvorkommen von schätzungsweise 2,1 Billionen Kubikmetern als eine der größten Lagerstätten in Russland. Diese Vorkommen reichen aus, um vier Jahre lang alle EU-Länder mit Erdgas zu versorgen, gemessen an den Verbrauchsdaten von 2005. Der Ausgang des Konflikts wird von internationalen Investoren aufmerksam beobachtet, da er als wegweisend für das weitere Investitionsklima in Russland gilt.

Analysten zufolge muss sich BP  in jedem Fall auf den Verlust der Zulassung einstellen. Nach einem Bericht des "Wall Street Journal Europe" ist der Streit um das 20-Milliarden-Dollar-Projekt ein Indikator dafür, wie ernst es dem Kreml ist, die Kontrolle über das Rohstoffgeschäft weiter auszubauen.

Nach dem Bericht der Zeitung begründet BP die vergleichsweise niedrigen Produktionsquoten des Kowykta-Feldes mit dem Fehlen einer Erlaubnis der russischen Behörden, eine Pipeline nach China mit dem Rohstoff füllen zu dürfen. Ohne diesen Abnehmer sei die Nachfrage zu gering, um die Produktion hochzufahren.

Der russische Gasmonopolist Gazprom  lehnt einen Einstieg beim Kowytka-Feld ab. Dem Staatskonzern ist das Projekt zu riskant. Gazprom hatte im vergangenen Jahr einen Einstieg in das Öl- und Gasprojekt Sachalin 2 erzwungen, das zuvor von Royal Dutch Shell  geführt worden war.

manager-magazin.de mit Material von ap und reuters

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