Telekom T-Systems-Chef Pauly tritt zurück

Lothar Pauly soll von seinem Amt als T-Systems-Chef entbunden werden. Als kommissarischer Nachfolger ist Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick vorgesehen. Hintergrund ist offenbar die Korruptionsaffäre bei Siemens. Pauly hatte früher die Kommunikationssparte des Münchener Konzerns verantwortet.

München - Der Korruptionsskandal bei Siemens  hat die Deutsche Telekom  erreicht. Der Vorstand für den Geschäftskundenbereich T-Systems, Lothar Pauly, tritt von seinem Amt zurück. Das hat die Deutsche Telekom inzwischen offiziell bestätigt.

Der Aufsichtsrat muss dem Ausscheiden Paulys noch zustimmen. Der Präsidialausschuss habe dem Aufsichtsrat jedoch bereits empfohlen, so der Wortlaut einer Presseerklärung, "Lothar Paulys Bitte zu entsprechen". Pauly scheide "im besten gegenseitigen Einvernehmen" aus dem Unternehmen aus. Seine Aufgaben solle Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick kommissarisch übernehmen. Gründe wurden nicht genannt.

Dem Vernehmen nach soll Pauly mit seinem Rückzug möglichen Schaden von der Telekom abhalten. Über einen Abgang des Ex-Siemens-Managers wegen möglicher Verstrickungen in die Korruptionsaffäre war bereits seit Längerem spekuliert worden. Offenbar sind jedoch keine neuen Vorwürfe gegen Pauly aufgetaucht. "Es gibt keine neuen Entwicklungen in dieser Angelegenheit", erklärte Paulys Rechtsanwalt Kurt Kiethe gegenüber manager-magazin.de.

Die Ablösung sei keine Vorverurteilung des 48-Jährigen, hieß es aus Unternehmenskreisen. Allerdings kommen jegliche Spekulationen dem Bonner Konzern derzeit besonders ungelegen. Seit mehreren Wochen führt die Gewerkschaft Verdi Streiks gegen die Telekom. Für die angeschlagene Geschäftskundensparte T-Systems sucht das Management nach einem strategischen Partner.

Pauly war im April in die Schlagzeilen geraten. Das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL berichtete, aus E-Mails aus dem Jahr 2000 gehe hervor, dass der jetzige Telekom-Vorstand über "mutmaßliche Schmiergeldzahlungen in Millionenhöhe informiert" gewesen sein könnte. Paulys Anwalt hatte im April erklärt, sein Mandant habe keine Schmiergeldzahlungen an einen Auftragsvermittler abgezeichnet.

Von Oktober 2004 bis Ende September 2005 war Pauly für den Siemens-Bereich Com verantwortlich. Die Kommunikationssparte steht im Zentrum der Korruptionsaffäre des Münchener Konzerns. Als Nachfolger Paulys bei Siemens war Thomas Ganswindt eingesetzt worden, der voriges Jahr allerdings ausgeschieden ist. Ganswindt saß im Zusammenhang mit der Affäre zeitweise in Untersuchungshaft.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx