Private Equity Die IG Metall und die Turbokapitalisten

Die Gewerkschaft IG Metall will nicht, dass sich die Beteiligungsbranche in Deutschland alleine ihr eigenes Regelwerk schafft. Deshalb fordert ihre Expertin für Beteiligungskapital, Babette Fröhlich, dringend die Einberufung einer Regierungskommission. Im Gespräch mit manager-magazin.de erläutert sie die Gründe.
Von Rita Syre

Frankfurt am Main - Die Beteiligungsbranche in Deutschland hat unlängst selbst vor sich und ihren Geschäften gewarnt. Das ist Wasser auf die Mühlen von Babette Fröhlich. "Die Warnungen aus der Branche vor einer Überhitzung bei der Finanzierung von Unternehmensübernahmen zeigen, wie dringlich ein selbstverpflichtender Verhaltenskodex für Private Equity in Deutschland ist", sagt die Expertin für Beteiligungskapital in der Gewerkschaft IG Metall.

Fröhlich stellt klar, dass der Gesetzgeber mit einer solchen "Selbstverpflichtung" der in- und ausländischen Branchenvertreter in Deutschland nicht aus der Pflicht entlassen werden solle. So befürwortet sie durchaus das von dem Bundesfinanzministerium geplante Risikobegrenzungsgesetzes. Das Ministerium will mit diesem Gesetz Finanzinvestoren zu mehr Transparenz bei dem Erwerb von Beteiligungen zwingen.

Bankenaufsicht mit an den Tisch

So ganz im stillen Kämmerlein soll die Branche indes nicht an ihren selbstverpflichtenden Regeln arbeiten. Deshalb fordert Fröhlich, die aus der Finanzindustrie kommt, dass die Bundesregierung eine Kommission einberuft, die einen Private-Equity-Kodex erarbeitet.

Ihr Vorschlag dazu orientiert sich an der bereits bestehenden Regierungskommission Deutscher Corporate Governance-Kodex. Dieses Expertengremium wurde seinerzeit von der Bundesregierung einberufen. Vertreter aus Unternehmen, Gewerkschaften, der Wissenschaft und Kleinaktionärsvertretungen erhielten den Auftrag, ein selbstverpflichtendes Regelwerk guter Unternehmensführung und -kontrolle für börsennotierte deutsche Unternehmen zu erarbeiten.

Die Kommissionsmitglieder für den Private-Equity-Kodex sollen nach Ansicht von Fröhlich ebenfalls verschiedene Interessengruppen repräsentieren. So sollten neben Vertretern aus der Branche selbst auch Gewerkschafter und die Bankenaufsicht mit an einem Tisch sitzen. Die Bankenaufsicht sei für die Formulierung des Kodex "unerlässlich", betont Fröhlich, schließlich seien die Banken als Kreditgeber einer der Treiber der Entwicklung.

"Das Risiko muss begrenzt werden"

Kreditfinanzierung das "ökonomische Hauptproblem"

Zur Finanzierung von Unternehmensübernahmen greifen Beteiligungsgesellschaften zu einem Großteil auf Fremdkapital zurück, dass die Finanzinstitute zur Verfügung stellen. Die IG Metall sieht die hohe Kreditfinanzierung als das "ökonomische Hauptproblem" bei Private Equity. Sollte sich die Wirtschaft eintrüben, besteht nach Ansicht der Gewerkschaft die Gefahr, dass die gekauften Unternehmen wegen ihrer hohen Schuldenlast an den Rand der Zahlungsunfähigkeit geraten.

Während der Kodex für gute Unternehmensführung und Unternehmenskontrolle auf der Grundlage des Aktienrechts formuliert wurde, sollen die rechtlichen Grundlagen für den Private Equity-Kodex nicht nur das Aktien- und GmbH-Recht, sondern auch das Insolvenzrecht sein. "Ausgangspunkt dafür wären die einschlägigen Regelungen zur Kapitalerhaltung und der Ausschüttungssperre, die es für die besonderen Bedingungen für Private Equity weiterzuentwickeln und zu präzisieren gilt", steckt Fröhlich den Rahmen ab.

Die Gewerkschafterin begründet ihre Forderung, die Verschuldungslast der übernommenen Unternehmen zu begrenzen, mit den hohen Preisen, die Private Equity-Gesellschaften für diese Unternehmen bezahlen. "Die hohen Kaufpreise stellen für die übernommenen Gesellschaften ein hohes Risiko dar, das begrenzt werden muss." Zudem sollte in dem Kodex festgelegt werden, dass die Beteiligungsunternehmen auf "Recaps" verzichten. Bei diesen sogenannten Rekapitalisierungen müssen Unternehmen auf Druck von Private-Equity-Gesellschaften die Schulden erhöhen, um Sonderdividenden auszuschütten.

Der Beteiligungsmarkt in Deutschland müsse letztlich mit einem Kodex und Gesetzen an die "Kette gelegt werden", fordert die Gewerkschafterin Fröhlich. Denn diesem Markt drohe mittlerweile eine ähnliche Übertreibungsphase wie seinerzeit dem Neuen Markt, warnt die Expertin.

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