Abgeltungsteuer Der Fiskus greift zu

Mit der Reform der Unternehmensteuer hat der Bundestag am Freitag auch die Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge beschlossen. Dies bedeutet, dass langjährige Kursgewinne künftig besteuert werden. Auch die Anrechenbarkeit von Verlusten wird erschwert. Für langfristige Sparer ist die Reform ein tiefer Griff in die Tasche.

Berlin - Die Einführung der Abgeltungsteuer bedeutet, dass auf Kapitalerträge wie Kursgewinne, Dividenden oder Zinsen ab Januar 2009 pauschal und unabhängig von der Haltefrist 25 Prozent Steuer fällig werden. Die Banken führen diese Steuer als Quellensteuer direkt an das Finanzamt ab, der Betroffene hat keine Eingriffsmöglichkeit.

Damit fällt nicht nur die Steuerfreiheit auf Kursgewinne von Wertpapieren, die länger als ein Jahr gehalten wurden. Auch das Halbeinkünfteverfahren bei Dividenden wird vom Fiskus kassiert: Obwohl Unternehmen bereits Steuern auf ihre Gewinne zahlen, werden die an die Anleger ausgeschütteten Gewinne noch einmal in voller Höhe zu 25 Prozent besteuert.

Für Anleger, die derzeit einen persönlichen Steuersatz in Höhe von 25 Prozent haben, bedeutet diese Umstellung eine Verdoppelung der Steuerlast auf Dividenden. Für langfristige Sparer hat die Abgeltungsteuer noch gravierendere Folgen: Wer zum Beispiel 30 Jahre lang monatlich 100 Euro in einen Aktienfonds einzahlt, kassiert am Ende die möglichen Erträge nicht mehr steuerfrei, sondern muss mit einem Steuerbescheid in Höhe von rund 30.000 Euro rechnen.

Außerdem setzt der Fiskus der Möglichkeit, Verluste anzurechnen, enge Grenzen. Verluste dürfen nur innerhalb derselben Anlageklasse verrechnet werden: Also Aktiengewinne nur mit Aktienverlusten.

Die im Zentralen Kreditausschuss organisierten Bankenverbände forderten Nachbesserungen an der Abgeltungsteuer. Den Banken missfällt zum Beispiel, dass Aktiengewinne nur mit Aktienverlusten verrechnet werden dürfen, nicht aber mit Verlusten aus anderen Anlageklassen wie Rentenpapieren.

Ökonomen kritisieren, dass die Abgeltungsteuer Eigenkapital gegenüber Fremdkapital in Deutschland schlechter stellt. Während Topverdiener mit hohen Zinseinkünften aus festverzinslichen Wertpapieren von der Reform eher profitieren, werde das Aktiensparen und damit auch das Eigenkapital-Angebot deutlich schlechter gestellt.

manager-magazin.de

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