Airbus Sarkozy saniert mit

Frankreichs neuer Premier Nicolas Sarkozy will bei der Sanierung von EADS und der kränkelnden Flugzeugtochter Airbus gerne persönlich Hand anlegen. Das passt allerdings der Regierung in Berlin - mit Paris der bestimmende Aktionär bei EADS - gar nicht. An dem beschlossenen Plan Power 8 solle nicht herumgedoktert werden.

Berlin - Die Bundesregierung lehnt von französischer Seite gewünschte Änderungen am EADS-Sanierungsprogramm Power 8 ab. Vize-Regierungssprecher Thomas Steg sagte am Freitag in Berlin, an der deutschen Haltung in dieser Frage habe sich nichts geändert. Das Programm sei ein wichtiger und ausgewogener Schritt zur Sanierung des Unternehmens und zur langfristigen Sicherung der Arbeitsplätze. "Das Programm darf nicht in Frage gestellt werden. Die Bundesregierung geht davon aus, dass das Unternehmen dieses Programm konsequent umsetzt", sagte Steg.

Das Magazin "Focus" hatte zuvor vorab berichtet, es gebe bei Airbus einen neuen deutsch-französischen Streit. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy wolle am Airbus-Sanierungsprogramm Power 8 Änderungen vornehmen. Das Sanierungsprogramm sieht Werksverkäufe und den Abbau von 10.000 Stellen vor. Sarkozy hatte bei seinem Antrittsbesuch erklärt, das Thema EADS  gehöre dringlich auf die Tagesordnung. Teile der Regierung und der Gewerkschaften in Frankreich kritisieren, dass Deutschland zu viel Macht bei Airbus erhalten habe und zu gut weggekommen sei.

Sarkozy: EADS-Aktionäre verursachen Probleme

Frankreich habe nicht vor, EADS zu verstaatlichen, hatte der neue französische Staatschef in der vergangenen Woche erklärt. Paris hält derzeit einen Anteil von 15 Prozent am Kapital, ein Aktionärspakt sichert den industriellen Hauptaktionären aber die Entscheidungshoheit. Der Gang von EADS an den Kapitalmarkt solle "eines Tages" über die Bühne gehen. Zuvor hatte Sarkozy nach einem Treffen mit Mitarbeitern und Gewerkschaften der EADS-Tochter Airbus gesagt, er sei überzeugt, mit Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Einigung zur Lösung der Probleme bei EADS gefunden zu haben. Merkel sei klar, dass bei dem Thema EADS schnell gehandelt werden müsse. Die EADS-Anteilseigner DaimlerChrysler aus Deutschland und Lagardere aus Frankreich würden ebenfalls miteinbezogen.

Sarkozy stellte aber wie schon vor seiner Wahl den EADS-Aktionärspakt in Frage. In der gegenwärtigen Form könne dieser so nicht weiter bestehen, sagte Sarkozy. Er wolle die deutsch-französische Doppelspitze beim Mutterkonzern EADS ändern. "Schuld an den Problemen sind eher die Aktionäre als das Management", sagte er.

Sarkozy will mit Bundeskanzlerin Angela Merkel angeblich Anfang Juli in Toulouse erneut zu dem Thema sprechen. Merkel habe sich auch mit einem EADS-Arbeitstreffen "zu viert" bereit erklärt, also mit den Aktionären Lagardère und DaimlerChrysler. "Wenn man sich nicht sieht, dann kann man auch keine Probleme regeln", sagte Sarkozy.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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